Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 312
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nals, der Cavaliere Borgia, der Stammhalter des Hauses,
vermahlt mit einer Gräfin Bagliari ans Perugia, die ihm
mehrere Söhne schenkte, von denen der älteste, Camillo,
leider! vor kurzem gestorben ist, che er seine in Tunis ange-
stellten Untersuchungen über das Local des alten Carthago,
und die dort noch befindlichen Alterthümer hat bekannt machen
können. In Velletri war also auch das Museum, und wenn
gleich der gewöhnliche Aufenthalt des Cardinals in Rom
war, so pflegte er doch hier in der Mitte seiner Familie und
seines Mufti, begleitet von seinen Frenndeu, vorzüglich
Ausländern, Deutschen und Dänen, die Tage zuzubringen,
die jene Geschäfte ihm frei ließen. Nicht leicht fand man
einen angenehmern Aufenthalt als hier in der Mitte dieser
vortrefflichen Familie, wo kein Zwang des Ceremoniels
drückte, und wo die heitersten Umgebungen der Kunst und
der Natur die Stunden kürzten. Unvergeßlich sind sie ge-
wiß Allen, die Theil daran genommen haben!

Die Familie Borgia gehörte zu den wohlhabenden, nicht
zu den sehr reichen römischen Familien. Dieß bestimmte auch
den Aufwand, der auf das Museum gemacht werden konnte.
Es sollte keine Gallerie großer Kunstwerke der Sculptur oder
der Malerei, wie die eines Borgheft, Albani und andrer,
seyn; wenn gleich einige schätzbare Gemälde, unter andern
ein kleiner Correggio, in dem Besitz des Hauses waren. Der
Plan war auf eine wissenschaftliche, antiquarisch-ethnogra-
phische Sammlung angelegt. Die bloßen Kunstliebhaber
wurden also auch wenig befriedigt; aber der Gelehrte, be-
sonders der Antiquar, fand desto reichern Stoff für sich.
Allein sie beschränkte sich auch nicht blos auf das Alterthum;
auch ethnographische Merkwürdigkeiten lagen nicht außer dem
Plan, sobald sie einen wissenschaftlichen Zweck hatten. Hier-
bei kam dem Cardinal sein Posten als Secretair und Vorste-
her der Propaganda, in der er auch in Rom seine Wohnung
hatte, sehr zu Statten. Die über so viele Weltgegenden
besonders den Orient zerstreuten Missionare wußten, welche
Freude sie ihm machten, wenn sie Gegenstände dieser Art ein-
schickten , und benutzten gern die Gelegenheiten, sich ihm
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