Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 352
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III.

liebet* die Hermaphroditen * Fabel und Bildung.

(Als Zugabe*).

Es leidet bei dem jetzigen Standpunkte mythologischer For-
schung keinen Zweifel mehr, daß die an Aergerniß und Mis-
verstand so reiche Hermaphroditenfabel in ihren Wanderun-
gen vom Ganges bis zur Liber, ja vielleicht gar bis nach
Scandinavien (s. Ol. Worm Fa5ti Danici p. 55 f.),
eine der merkwürdigsten Hieroglyphen des uralten Völkerglau-
bcns ist und auf ein erzeugendes und empfangendes, ein
activeö und passives Prinzipium, in die Rathselgestalt eines
Androgyn's, Mannweibs gekleidet, hindeutet. Der indische
Lingam in seiner vollendeten Gestalt (der männliche Phallus,
Mierich, mit dem weiblichen Dreieck, Ioni verbunden), geht

*) Es kann dies als Zugabe nicht nur Zu der erwünschten Mittheilung
meines hochgeschätzten Freundes, des Hrn. Prof. Osann in Berlin,
sondern auch zu der trefflichen Abhandlung des Hrn. Prof. Heinrich

Hermaphroditorum, artis antiquae operibus illustrium origines

et causae, Hamburg i8i5> angesehen werden. Diese gehört zu den
geistreichsten archäologischen Monographien in unserer Literatur und
zeigt die gewöhnlichen Collectaneen, wie etwa die zum 2ten Band der

Pitture d’Ercolano oder ZU IN Cabinet du Duc d’Orleans T. I. p.

101, sind, in ihrer ganzen Flachheit und Sammlerblöße. Es konnten
aber dem gelehrten Forscher noch nicht alle, zum Theil erst seit kurzem
bekannt gewordene Hermaphroditen-Denkmäler damals schon bekannt
sepn. Uebrigens bleibt, was der mit technischer Kenntniß und An-
schauung stets den feinsten Geschmack verbindende Graf Caplus über
diesen Kunstgegenstand gesagt hat in seinem Rccueil T. III. p. 11.4-
i2o. in seiner Art immer noch unübertroffen.
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