Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 4
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Buch seiner Naturgeschichte dazu anwendet, die verschiede-
nen Gattungen und Arten der Edelsteine aufzuzahlen, fast
keine Nachricht über die Künstler giebt, welche sich in dieser
Art Arbeiten auszeichncten. Er nennet blos vier: den

Pyrgotcles, als den, welcher allein von Alexander die Er-
laubniß hatte, das Bild dieses Königes zu schneiden, dann
den Apollonidcs und Cronius, und endlich den Dioscorides,
welcher das Bildniß des Augustus schnitt, mit welchem die
Kaiser in der Folge siegelten, so wie Augustus selbst das
Bildniß Alexander's als Siegel zu gebrauchen pflegte (Plin.
37, 4.) Von andern und den meisten Künstlern in diesem
Fache kennen wir bloß die Namen, welche wir noch auf ihren
Werken eingeschnitten lesen.

So sparsam übrigens die Nachrichten von der Stcin-
schneiderei der Alten sind, so bewahrt sich doch so viel, daß
diese Kunst bei den Griechen nicht weniger alt war, als die
andern Kunstzwerge, und daß sie mit diesen in dem allmähli-
gen Gange zu ihrer Ausbildung gleiche Schritte hielt. Aller
wesentlichen Studien, welcher der Bildner in Marmor und
in Erz zu mache» hat, bedarf auch der Gemmenschneider.
Doch mochte diesen Kleinkünstlern die Ehre und der Ruhm
selten zu Theil werden, wie dem Bildner im Großen, und
dem Mahler. Es scheint, daß man nur diese als die wah-
ren Erfinder und Erweiterer alles dessen ansah, was in den
Umfang des Kunstkreises gehört, und daß das Bestreben der
Gemmenschneider mehr darauf beruhte, die größer» Werke
der Bildner in Marmor und in Erz nachzuahmen. Ein
solcher Gang bedarf, scheint mir, keines geschichtlichen Er-
weises : er liegt in dem menschlichen Ecmüthe selbst. Der
Künstler, der mit den erforderlichen Studien und Uebungen
Erfindungskraft verbindet, kann sich nicht mit der Ausfüh-
rung im Kleinen plagen, besonders im Gcmmenschneiden,
welches fast eine sklavenartige Geduld erfordert. Unwillr
kührlich strebt der erfindungsreiche Künstler nach dem Großen,
um den Bildern seines Geistes ein Daseyn zu geben, welches
mehr für eine freie Behandlung und Anschauung paßt. Der
Erfinder bleibt nicht bei der Kleinbildnerei stehen; er geht zu
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