Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 2.1822

Seite: 188
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wiederholte Bild an den Tempelportalen und an der
Stirn der großen Götter. *) Die Schlange, von wel-
cher dieses zu einer Haupt - Hieroglyphe gewordene Sym-
bol entlehnt wurde, ist ungiftig und hat blos das charak-
teristische, daß sie sich mit dem Kopfe höher emporrichtet.
Man muß aber bedenken, daß sie so, wie man sie auf
den alragyptischen Denkmälern gebildet antrifft, in der
Natur selbst nicht vorhanden ist. **) Sie bekommt im
Bilde einen Kopf - Schmuck und wird eben dadurch der
wahre Ba.siliscos, die echte königliche Schlange. Es
ist aber vieles in diesem zur höchsten Ehre erhobenen Ur-
fetisch theils natur - thcils kunstgeschichtlich noch genauer
zu entwickeln übrig. ***)

*) Das Wort ’AyaSoSain&v, womit der Grieche diese heilige
Schlange bezeichnet, ist nach Zablonski's Ableitung des Worts Knuph
ans dem Koptischen in den Voce. Aegypt. x. 112. mir Te Wate r' s
Citaten, und im Paiith. Aegypt. P. L p. 87- mit jenem gleichbedeu-
tend. Ueber seine Abbildung auf ägyptischen Denkmalen har schon
A 0 e g a clc Obelisc. p. 450 f. mit großer Einsicht gesprochen. Man
vergleiche C r e n z e r' s Symbolik I, 504 ff. und Bellerma n n
über die Gemmen der Alten mir dem Abraras- Bilde
Sr. 1. S zy ff. Daß wir sie ein Majestätszeichen nennen , beruht
vorzüglich darauf, weil sie auch Uräos d. b. Königs schlänge (nach
Zoeqa's Ableitung von Ur König, und As Schlange S. NumiAegypt.
Imperat. in den Supplementen p.400.) heißt, und weil sie fast'ohne
Ausnahme auf allen Tempel - und Grottenreliefs, wo die Figur des
Königs vorkommt, vorn über der Stirn der Königsmütze angebracht
ist. So erblicken wir sie in dem neuesten Werke des Architecten
G a u in den n e u e n t d e ck t e n Denk m ä l e r n v 0» N u b i e n (in
der «.Lieferung) auf der l.j. und 15.Tafel unter den Skulpturen von
Kalapsche überall an der Stirn des dort abgcbildeten Herrschers und
Siegers, ja auf dem rz. Blatte ist die Mütze sogar hinten und vorn
mit dergleichen und zwar vervierfachten Majestätszeichen ausstafsirt.

Man vergleiche die von Denen pi. 104. abgebildete ächte
Psyllenschlange (mit der Erklärung p. 235.) mir dem Knuph oder
Uräos in aller seiner hieroglyphischxi, Ausbildung auf den Münzen
Adrians in Zoega's K»mis Aegypt. tab. Vi. die letzte oder I-I.ioi.
oder auch nu> mit den Hieroglyphen, wie sie Denon pl. u/,. auf der
obersten Reihe zusammengestellt hat.

aus zwei Hauptpuncte, von welchen alle naturhistorische Unter-
suchung über diese Schlangenarten ansqehen muß, ist die Beschreibung
Herodors JJ, 74, und die Charakteristik, die der unvergleichliche Pros-
per ÄlPlNUs cla rebns Aegypt. IV, 4. von der Veblian Igasrer
giebr, nachzusehn. Ist seine Charakteristik des »evpsns volstor rich-
tig, so wird es allerdings sehr begreiflich, warum man sic mit der
Naja, der Brillenschlange, der cobi-a de cabelo vergleichen konnte.
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