Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 3.1825

Seite: 264
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man die Sache recht gelehrt erklären und den Stammbaum
so hoch als möglich hinaufführen, so wird sichs ausmitteln
lassen, daß eine Art von Eule schon in dem ältesten ägypti-
schen Tempel- und Thicrdienst ihre Rolle spielte, als Hiero-
glyphe eingegraben erscheint, und als solche mit dem Dienst
der Saitischen Göttin nach Attika einwanderte. 4) Wir
vertiefen uns ungern in diese Untiefe der ältesten Fabellehre
und wahnen ganz einfaltig, daß, so wie der Adler auf den
olympischen Berggipfeln , der Pfau in dem Tempel zu Sa-
mos, die syrische Wandertaube in den Tempeln der Natur-
göttin, Aphrodite genannt, zu Paphos und auf dem Eryx
häufig gesehen, die Veranlassung gab, daß in der Menage-
rie der Götter dem Zeus, der Hera und der Venus diese
Vögel ausschließlich zugeeignet wurden; so auch die Eule
blos darum zur Dienerin der Burggöttin in Athen erhoben

4) Daß die Eule sich oft auf ägyptischen Hieroglyphentafeln
befinde, lehrt der erste Blick auf ägyptische Denkmäler. Man sehe
unter den früher herausgegebenen die Eule lauf der Weihtafel in
den Marmoribus Oxouiensibus Part. II. tab. I. n. V. edit. Chandl.
und in den Terra - Cottas of the British Museum pl. XIX, n. 35.
wiewohl diese letztere Tafel erst in das Zeitalter Hadrians gehört.
Der jüngere Champollion in seinem Precis du Systeme hiero-
glyphique p. 73 bemerkt, daß an der Stelle des Worts roizos in
der griechischen Inschrift von Rosette in der hieroglyphischen Seite
eine Eule M und ein ausgestreckter Arm A stehn, welche das kop-
tische Wort Platz, Drt bezeichnet. Vergl. p. 139 und 194. Die
Hieroglyphe selbst steht im Tableau unter No. 35. 36. in der Prä-
pofitron de, dans. Wenn aber Creuzer in seiner Symbolik
il, 673. N. Ausg. nun auch die'Eule neben dem Fische im Zodia-
kus auf der berühmten Kalenderscheibe in Visconti's Monu-
meiiti Gabini n. 16. b. (Creuzec im Atlas kennt nur die Nach-
bildung in Millin's Galerie mythologique) als Merkmal des der
Minerva geheiligten Marz auf die Neith bezieht: so liegt wohl in
einem bloßen zufälligen Zusammentreffen der spatern astrologischen
Bezeichnung mit altägyptischen Kalendarien der Grund dieser Ver-
wechslung,
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