Andresen, Andreas [Bearb.]
Handbuch für Kupferstichsammler: oder Lexicon der Kupferstecher, Maler-Radirer und Formschneider aller Länder u. Schulen nach Massgabe ihrer geschaetztesten Blaetter u. Werke (Band 1) — Leipzig, 1870

Seite: 481
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Felliier — Feising. 4g \

Coioman Feliner

Zeichner, Stecher n. Badirer, Benedictinermönch, Schüler von M. S chm i d t u. J. Schmuzer,
geh. zu Bistorf in Oherösterreich den 19. März-1750, gest. zn Lambach 18. April 1818.

1. Esther vor Ahasverus. M. Schmidt, fol..

2. Die Beschneidung Jesu. C. W. E. Dietrich. 1779. gr. qu. fol.

3. Die Kreuzerhöhung. A. Maulbertscli. fol.

4. St. Johannes der Täufer. M. Schmidt. 4.

5. Brustbild eines Alten. Rembrandt. 4.

6. A. Graff, Maler. Brustbild. 8.

7. Mart. Schmidt, von Krems, Maler. P. Haubenstricker. 1778. 4.

8. Jos. Rosa, Maler. P. Haubenstricker. 1789. fol.

Georg Jacob Feising

(Nach eigener Aufzeichnung des Meisters)

gehören zu Darmstadt 1802, der Sohn des Joh. Conrad Feising, eines vielseitig beschäftigten
Kupferstechers, f 1819, mit dessen Technik die Söhne frühzeitig bekannt wurden. Der ältere
Sohn Heinrich vervollkommnete sich in Paris zu einem renommirten Kupferdrucker, in welcher
Eigenschaft er seihst nach Italien gerufen wurde. Jacob, der jüngere Sohn, suchte für sich
ein höheres Ziel in der Kunst zu erstreben, indem er, unterstützt durch eine Pension seines
kunstliebenden Fürsten, Grossherzog Ludwig I. von Hessen, um seinem Verlangen nach einer
akademischen Ausbildung zu genügen, 1822 nach Mailand ging, wo damals eine ausgezeichnete
Kupferstecherschule unter der Leitung eines sehr gebildeten Kunstlers, des berühmten Professor
Cavaliere Guiseppe Longhi blühte. . Während eines vierjährigen Aufenthaltes in Mailand be-
nutzte der Schüler nach Anleitung Longhi's vorzugsweise den Unterricht im Zeichnen nach der
Antike und dem Nackten, und erst später den theoretischen und praktischen Unterricht seines
ausgezeichneten Lehrers im Stechen, welches die Grundlage der Stechweise Felsing's und seiner
Kunstrichtung bildete. Die spätere Bekanntschaft mit Bafael Morghen in Florenz und dessen
weiche Behandlungsart des Stichs trug viel zu dem ersten Erfolge bei, in welchem er an der
Akademie von Mailand 1828 in dem Concorso für Künstler die grosse goldene Preismedaiile für
Kupferstich erhielt. Ein folgender Aufenthalt in Born vergönnte ihm, nächst dem Studium
der grossen Meisterwerke der classischen Kunst, auch die Bekanntschaft von vielen lebenden
Künstlern fast aller cultivirten Nationen, mit vielen derselben er später lebhaften Austausch
über künstlerische Ideen unterhielt. Die ununterbrochene Ausübung seines speciellen Kunst-
faches auch während seines einjährigen Aufenthaltes in Neapel verhinderte ihn nicht, sich auch
mit dem Leben des Alterthums und der vorchristlichen Kunst bekannt zu machen, soweit dies
einschliesslich der Tempel von Pästum in Grossgriechenland für ihn erreichbar war.

Um bessere Abdrücke seiner Arbeiten erhalten zu können, als dies in dem sonst so be-
neidenswerthen Neapel möglich war, musste Feising nach Florenz zurückreisen, wo sich der
einzig be sere Kupferdrucker Bardi befand. Das Zusammentreffen daselbst mit Toschi, dem
Vertreter der brillantesten Stechweise aus der Schule von Wille und B er vi ck, veranlasste man-
nigfache freundschaftliche Controversen im Austausche der Ansichten über Maass und Berech-
tigung der Technik, deren Ausschreitung von Longhi genannt worden war: II ruffianesimo
del taglio.

Nach zehnjährigem Aufenthalte in Italien zurückgekehrt in seine Vaterstadt, beschäftigte
sich Feising vorzugsweise mit Stichen nach neueren deutschen Malern, indem er die Verbreitung
der Anerkennung der damals gerade aufblühenden Kunstschnle von Dnsseidorf für nicht weniger
verdienstlich hieit, als die öftere Wiederholung der classischen italienischen Meisterwerke,
wodurch er aber allerdings seinen Arbeiten einen Vorsprung in der Kritik entzog. Du ch viele
Beisen in Deutschland, Frankreich und England erhielt er sich in Berührung mit Kunst und
Künstlern, wenn der Aufenthalt in seinem kunstarmen Wohnorte, bei glücklichem Familienleben,
ihn doch Manches vermissen liess, was nur grösseres gemeinschaftliches Ivünstl erleben gewähren
kann. Statt dessen hatte er die Genugthuung, von den Akademien von Florenz, Mailand, Berlin
und Petersburg, und von dem Institute von Frankreich zum Ehrenmitgliede ernannt worden zu
sein. Feising liebt es, zu seinen Stichen, nach freier Wahl, religiöse oder idealisirte Figuren-
bilder zu nehmen. Wo die Originalgemälde während des Stiches ihm zur Verfügung stehen
konnten, verzichtet Feising auf die volle Ausführung einer Zeichnung und überträgt die Wir-
kung des Bildes direct auf die Kupferplatte.

1. G. Washington, Portrait, dem Stiche von Longhi in der Kupfer-
stecherschule in Mailand nachgestochen 1824.

Nachdem die Platte in andere Hände übergegangen war, wurde die

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