Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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gemacht wurden (n. 8266, 8327, 8445, 8486, besonders n. 7992
und n. 7 dieses Berichtes). Ziehen wir nunmehr die bisher ge-
wonnene Linie, so gelangen wir von der Nordwestecke der Stadt-
mauern Aquileja's, etwa parallel mit dem heutigen Landwege, wel-
cher zu den sog. paludi di Terzo führt, über den ponte Rosso und
Moruzz,is%) bis zum Fluss Aussa (Alsa), welcher unweit Pradicciolo
bei Cervignano von der Strasse berührt werden müsste. Jenseits
der Aussa zeigen sich die Spuren beim Dorfe Carisacco abermals
ganz deutlich. In diesem Dorfe, das an der Strasse von Cervignano
nach S. Giorgio di Nogaro liegt, wurde im J. 1848 ein Meilenstein
aufgefunden, der früher in Castelporpetto von den Frangipani auf-
bewahrt und im J. 1880 dem städt. Museum in Udine geschenkt
wurde. Derselbe ist noch mit der ursprünglichen viereckigen Basis
und mit einem pyramidalen Aufsatze als Krönung erhalten (etwa
1*50 h.? 0"30 d.) und zeigt folgende Inschrift, die, obwohl bereits
im C. I. L. V, 7993 und neuerdings von V. Joppi im Arch. triestino
Bd. VIII, p. 882, p. 446, III, ediert, doch behufs endgiltigcr Richtig-
stellung des Textes noch einmal nach eigener Abschrift mitgetheilt
zu werden verdient.

DDNNFLVALENTINIANo
ET ■ FL VALENTE divinis
FRATRIBVS ET SEMPER avinis SIC
DEVoTA VENETIA eoNLoCABIT

Z. 3 avinis ist gewiss eine Verschreibung für avgvstis und
mag vielleicht aus Verwechslung mit divinis der oberen Zeile ent-
standen sein.

Aus Carisacco stammt ein zweiter Meilenstein (Kalkstein,
0*80 h., 0 40 d.), der früher als Gartenrolle verwendet und in neuester
Zeit von Herrn Foghini dem Museum zu Udine geschenkt wurde.
Der Stein ist durch seine frühere Verwendung vielfach abgeglättet
und beschädigt, seine Buchstaben sind bedeutend schlechter als die

*) Die Strasse wird hier von den cavatori ohne besondere Schwierigkeit
blossgelegt, da die Bodenschicht eine sehr geringe ist. Hier wäre eine systema-
tische Ausgrabung besonders zu empfehlen , da die Funde sich nicht nur auf In-
schriften beschränken, sondern auch weil in vielen inschriftlosen Graburnen eine
Fülle der interessantesten Antikaglien zum Vorscheine kommen, freilich um gleich zu
verschwinden. Durch Zufall sah ich bei Herrn Delneri in Fiumicello eine ganze
Sammlung schöner Glasgefässe und mehrere Bernsteingegenstände, darunter einen
niedlichen Gladiatorenhelm (jetzt im Besitze des H. Baron Ritter), welche hier ge-
funden und ihm verkauft wurden.
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