Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 15.1899

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erbaut wurde, zu schaffen. Hierbei war es notwendig, einen
möglichst breiten, verhältnismässig niederen Baukörper zu schaffen.
Dementsprechend ist auch der Grundriss gebildet, wobei das
Tief- und Hochparterre Wohnräume für eine Familie, das Ober-

Grundriss zum Wohnhaus Eggers, Goethestrasse 68
in München;

erbaut von Architekt H. Volbehr daselbst.

geschoss mit einer von aussen zugänglichen getrennten Stiege
Räumlichkeiten für eine zweite Familie enthält.

Der Unterbau des Hauses ist nach aussen mit dem im
Semmeringgebiete zu gewinnenden Bruchsteine von weissgelb-
licher Farbe und scharfkantiger Br'uchfläche mit tiefliegender
Verfügung ausgeführt. Über diesen Unterbau erhebt sich dort,
wo das Terrain stark abfällt, ein ans Ziegeln gemauertes Tief-
parterre mit Weisskalkmörtelverputz in derber Ausführung.
Uber diesem Geschosse beginnt der Hauptbau, welcher aus
13 cm dicken, 25 cm hohen Bohlen blockartig verzahnt ge-
zimmert ist.

Die Innenwände sind in den Geschossen mit äusseren Block-
wänden, teils mit Ziegeln, teils mit ausgemauerten oder ver-
schalten und überputzten Riegelwänden hergestellt. Die Innen-
räume sind durchweg geputzt, und zwar gegen die äusseren
Blockwände mit Anwendung von Drahtgeflechten, um so einen

Zwischenraum von schützender Luftschicht zu erzielen. Das
Speisezimmer hat eine sichtbare Balkendecke erhalten.

Die Deckung des Hauses wurde der erwünschten malerischen
Wirkung halber mit lärchenen Ladenschindeln (1 m lang, 0,16 m
breit) ausgeführt, die 2ur Sicherheit gegen das Eindringen von
Wasser eine Unterlage von Waldschindeln erhielten. Die äusseren
Blockwände sind in verschiedenen Tönen, von Hellgelb bis
Zinnoberrot, Tiefbraun und Schwarzblau gebeizt. Die Treppen

Grundrisse der Villa Neumann am Semmering, N.-Ö.;
erbaut von Baurat Franz Ritter von Neumann in Wien.

im Innern sind aus Holz, die Fussböden mit lärchenen Fries-
brettern ausgeführt, deren Jschöne rote Färbung das Einlacken
entbehrlich macht.

Die dekorative Ausstattung des Hauses sowie das Mobiliar
entsprechen der Erscheinung desselben. Die Decken sind in
Weisskalkmörtel mit Abschlussgesimsen in derber Ausführung
geputzt, desgleichen die Wände, wodurch die in lichtgrünen
oder grauen Tönen aufgebrachte Kalkfarbe eine sammetartige
Wirkung der Wände eigibt. Thür- und Möbelfarbe wechseln
zwischen heller Tönung durch Firnis und hellgrünem Tonanstrich.
Charakteristische Stoffe an Möbeln und Vorhängen ergänzen das
Ganze in entsprechender Weise zu einem bescheidenen stimmungs-
vollen Heim.

Tafel 70. Wohnhaus am Bavariaring in München; erbaut
von Architekt Benedikt Beggel daselbst.

Das Haus enthält im Souterrain eine Hausmeisterwohnung,
Waschküche und die Kellerräume, im Erdgeschoss und in zwei
Stockwerken Wohnungen, deren Einteilung aus dem beigegebenen
Grundriss hervorgeht, und im Dachgeschoss ein Maleratelier mit
Vorplatz und Vorzimmer, ferner Garderobe- und Speiseräume.
Die Mauern sind durchaus aus Backsteinen hergestellt und mit
Kalkmörtel glatt verputzt.

Tafel 71. Fassadengruppe II des Generalplans zur Be-
bauung der Joanneumsgründe in Graz; entworfen von Professor
L. Theyer daselbst.

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Grundrisse der Fassadengruppe II des Generalplans zur Bebauung der Joanneumsgründe in Graz;
entworfen von Professor L. Theyer daselbst.
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