Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

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1908

A RCH1 TEKTONISCHE RUN DSC HA U

Heft 8

Kapitell von der Michaelskirche Bildhauer: Georg Grasegger
in Köln. in Köln.

Architekt: Eduard Endler.

einen ein gelinder
Schauer,wenn man
sein Möglichstes
getan hat, um mit
geringsten Mitteln
auch das Innere
hübsch zu gestal-
ten, und der Bau-
herr von einem
Amerikaner«
spricht. Es gibt ja
auch schöne ame-
rikanische Öfen,
aber leider wird
doch, wie der ver-
storbene geniale
Onauth sagte, im-
mer das > Wüschteste« gewählt. Selten nur freuen sich Bauherr und Archi-
tekt gemeinsam auf einen wirklich schönen Ofen, der das Zimmer zieren hilft.

Aber es gibt auch neue Unzierden, die der Architekt leider immer
öfter mit in Kauf nehmen muß. Für ihn hören ja die Schrecken im Bau
nimmer auf, und sind die früheren überwunden, so kommen doch gleich
wieder neue, und der Heizkörper der Zentralheizung kommt immer allzu-
früh. Es gibt zwar recht schöne Umhüllungen dafür, aber sie haben den
Fehler, daß sie fast so teuer sind wie ein schöner Ofen. Ist der Bauherr
nicht sehr zugänglich, so bleibt das schreckliche Gerippe ohne Bekleidung,
obwohl das jetzt viele selbst bei einer Venus für unpassend erachten, die

doch gewiß kein
Heizgerippe ist.

Daß man ein
wahres Entsetzen
vor dem Dache
hatte, ist schon
länger her; man
wollte gern go-
tisch bauen, aber
das hohe goti-
sche Dach unbe-
dingt vermeiden,
und je schöner
rot die Ziegel der
Gegend waren,
desto mehr sah
man sich veran-

Kapitell von der Michaelskirche
in Köln.

Bildhauer: Georg Grasegger
in Köln.

laßt, zum schwarzen Schiefer zu greifen. Nun macht man das Dach meistens
so hoch wie möglich, selbst auf die Gefahr hin, den Dachraum nicht ausnützen
zu können, unterbricht dasselbe mit den auch früheren Enfants terribles
der Architekten, mit schönen Schloten, die oft schon für sich allein ein
Kunstwerk bilden können, und für die roten Nürnberger Ziegel schwärmt
selbst der Münchner, der sonst in Nürnberg nichts gelten läßt.

Notizen.

Der 18. Delegiertentag des Verbandes Deutscher Kunstgewerbe-
vereine in Hannover verhandelte über die geplante Gebührenordnung für
das Kunstgewerbe. Die dafür aufgestellten Grundsätze wurden ange-
nommen und sollen vom Ausschuß durch einen Tarif ergänzt werden.
Über das Recht der Arbeitgeber an den Entwürfen ihrer Angestellten ist
eine Umfrage ergangen, die aber noch keine erschöpfende Klärung ge-
bracht hat. Auf den Bericht von Prof. Groß über kunstgewerbliche Fach-
zeitschriften wurde
beschlossen: die von
Gewerbevereinen
gehaltenen Zeit-
schriften und die
speziellen Fachzeit-
schriften dürfen die
Gesinnung (!) der
neuzeitlichen Bewe-
gung nicht verwir-
ren, sondern müs-
sen die bisher fest-
gegründeten Errun-
genschaften klar zum
Ausdruck bringen
und praktisch ver-
wertbarmachen. Zur
näheren Beratung
der Ausführung wird
der Verbandsvor-
stand ermächtigt,
eine Kommission
einzusetzen, die dem
nächsten Delegier-
tentage berichten
soll. Eine längere
Aussprache betraf
die Schul Werkstätten
und die Klage, daß
sie die besten prak-
tischen Arbeiter in
die Zeichenbureaus
zögen. Der Delegier-
tentag bezeichnete
darauf die mit kunst-
gewerblichen An-

Kapitell von der Michaelskirche Bildhauer: Georg Grasegger
in Köln. in Köln.

Architekt: Eduard Endler.

Kapitell von der Michaelskirche
in Köln.

Bildhauer: Georg Grasegger
in Köln.

Hohenzollernbrunnen.

stalten verbunde-
nen Schul Werkstät-
ten als ein wich-
tigesBildungs- und
Erziehungsmittel
fürden Nachwuchs
im Kunstgewerbe.

Für die Einrich-
tung von Wander-
ausstellungen
neuer deutscher
kunstgewerblicher
Erzeugnisse wurde
der Verbandsvor-
ort mit Vorarbeiten
betraut. Ein Vor-
trag von Direktor
Dr. Pabst über die
technische Arbeit

als Erziehungsmittel führte zu dem Wunsche, daß der Handfertigkeitsunter-
richt ähnlich wie in anderen Staaten gefördert und womöglich obligatorisch
eingeführt werde.

Der III. Jahresbericht des Vereins für Niedersächsisches Volks-
tum in Bremen (1908) gibt eine erfreuliche Übersicht über dessen viel-
seitige und erfolgreich fortschreitende Tätigkeit, vor allem über die Arbeiten
der Baugruppe und der Denkmalpflege. Besonders erfreulich ist der
Beschluß der maß-
gebenden Behör-
den, bei dem Neu-
bau des Häuser-
blocks am Kaiser-
Wilhelmplatz fast
den ganzen vor-
handenen Vorrat
von alten, früher
abgebrochenen
Sandsteinfassaden
aus den Straßen
der Altstadtwieder
zu verwenden, so
daß dem an her-
vorragendster
Stelle, an der Ecke
des Marktes und

der Oberenstraße gelegenen Bau durch alte, sonst dem Untergang preis-
gegebene Originalwerke bremischer Steinmetzkunst ein in das Stadtbild
passendes Gepräge verliehen wird. Es werden drei alte vollständige
Fassaden und eine Anzahl von Ausluchten, Portalen und andre Steinarbeiten
wieder aufgerichtet und die hinzuzufügenden neuen Bauteile in schlichter
Schmucklosigkeit ausgebildet. Im Innern wird die Diele des Hauses hinter
dem Schütting 8 und die bedeutendste noch vorhandene Dielenanlage, die
des Stövesandtschen Hauses am Geeren, die sonst verloren gegangen wäre,
eingebaut und in den Räumen eines Restaurants jedermann zugänglich
gemacht.

Bauausstellung Stuttgart 1908. Das Programm umfaßt Werke
bürgerlicher Baukunst im weitesten Sinne im Gegensatz zum Monu-
mentalbau, das gesamte Bauhandwerk und seine verwandten Gewerbe-
und Industriezweige sowie das im Zusammenhang mit dem bürgerlichen
Bauwesen stehende Kunsthandwerk, dazu kommt noch eine Aus-
stellung von künstlerisch ausgestatteten Wohnräumen. Die Bau-
ausstellung soll in
erster Linie dem
Manne der Praxis,
dem Bauunterneh-
mer in der Klein-
stadt, dem Bau-
meister auf dem
Lande Belehrung
schaffen. Ihm sollen
die Baumaterialien,
die Fortschritte in
den Konstruktionen
und Techniken, in
Proben und an voll-
ständigen Bauten
vorgeführt werden.
Daneben soll ganz
besonderes Gewicht
auf eine sachge-
mäße, geschmack-
volle, den modernen
Anforderungen ent-
sprechende Innen-
ausstattung gelegt
werden,also in erster
Linie Aufgaben für
den Stukkateur, den
Zimmermaler und
den Tapezierer. Die-
sen mannigfachen
auch für das große
Publikum interes-
santen Zwecken
werden außer den
üblichen Firmen-
ständen innerhalb

Ein 1. Preis aus der Brunnenkonkurrenz in Kleve.

Bildhauer: Georg Grasegger in Köln.
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