Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 84
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pl. 9 = Gal. myth. 83, 336 wiedei'. Ygl. auch das oben §. 27
üher die Tiunkenheit des Dionysos und Hephäst. Hemcikte.
45. Ebenfalls der Kunstiichtung des Skopas veidanken die
Gestalten der Meeresbewohner menschlicher und thierischer Art
durchgreifende Umbildung. Formale Neugestaltungen schuf Sko-
pas auf diesem Gebiete nicht; denn wir hnden bereits auf älteren
Monumenten die vier Arten von Seewesen, die überhaupt die
griechische Kunst dargestellt hat: rein menschliche oder rein
thierische Figuren und Mischgestalten von Mensch und Thier oder
von verschiedenen Thieren. Der Fortschritt des Skopas beruht
in der Durchbildung der geistigen, pathetischen Seite dieser
Wcscn (vgl. Brunn, K.-G. I, 330 tf.), welche ihr Hauptgewicht
auf die feinere physiognomische Ausfiihrung legen musste und
deshalb frir die Yasenmalerei nicht sonderlich in Betracht kommt.
Aber ich glaube, dass wir dem Skopas oder überhaupt seiner
Zeit aueh auf formalem Gebiete hier einen Fortschritt zuerkcnnen
miissen, nämlich die Uebersetzung dieser Meeresgestalten ins Freie
und Elegante. Zur Yeranschaulichung ihrer Bildung in ccht-
archaiseher Zeit führe ich. ohne Yollständigkeit zu erstreben,
folgende Kunstwerke an:
Triton der Reliefs von Assos (Overbeck, Plastik ^I, 99).
Triton am Throne des sitzenden Mannes auf der Ostseite
des Harpyienmonumentes zu Xanthos (ebenda I, 171).
Triton eines Giebels aus Athen, Mitt. d. ath. I. 1886, Taf. 2-
Triton eines korinthischen Pinax in Berlin, ant. Denkm.
I, 7, 11.
Archaische Bildung zeigen auch, wenngleich auf archaisie-
renden Yasen, u. a. der Triton der Theseusschale des Euphronios
(Klein, Euphronios, p. 182) und der Triton der s.-f. Yase Berlin
1755. EinSeeungeheuer thierischer Art lindet sich z. B. auf der
Francoisvase als Reitpferd des Okeanos bei der Hochzeit des
Peleus und der Thetis. Zum Yergleich diirfen wir aueh die
Bildung der Schlangen auf echtarchaischen Werken, wie dem
Giebel der athonischen Akropolis 1884, m/??. 7 und
den korinthischen Yasen A. Z. 1859, 125, 3 und Welcker, A. D.
III, 6 herbeiziehen. Die aufgezählten echtaltertümlichen Werke
beweisen, dass die auf den archaisierenden Yasen gewöhnliche
Bildung der Meeresgestalten sich wesentlich von der der archai-
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