Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 164
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arndt1887/0180
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
164

Hrunn sagt, dieses, der andere jenes Stilregister, nnd auch deni
Einzelnen standen verschiedcne derartige Stilstufen zu Gebote.
Ich halte Amasis I. für den nämlichen Handwerker wie Amasis 11.
und AmasisIII. (Kiein, M.-S. p. 43, 149, 217), Pythonl. fiir den
nämlichen wie Fython II. (a. a. O. p. 162 u. 210), nur dass sie
heute cinmal in schwarzen, morgen in roten Figuren arheiteten,
heute in einem angenommenen, ein ander Mal in ihrem originalen
Stile. Nur auf diesem Wege, glaubc ich, gelangen wir zu einer
lichtigen und gesunden Wiirdigung der schwebenden Fragen. Von
diesem Standpunkt aus hat auch die Interpretation auszugehen,
der sich damit durchaus neue Bahnen erötfnen. Viel Schablone
und wenig oder keine Individualität! Wo wir auf Spuren feineren
Emphndens, tieferer geistiger Arbeit stosscn, wie in den Bezügen
zwischenlnnenbild und Aussenbildern der Schalen, zwischen Vorder-
und Rückseite mancher Amphoren, die Brunn mehrfach dargelegt
hat, da ist dies in der Regel auf Anweisung eines leitenden
Ivünstlers zurückzufiihren, aber wohl nur in seltenen Fällen auf
Rechnung des Malers zu setzen. So hat auch Schwind vielfach
frir Kunstgewerbe gezeichnet, und der Maler Eugen Neureuther,
der Bruder des Architekten, war, wie mir Brunn erzählt, Direktor
der Nymphenburger Porzellanfabrik.
Aus allem dem geht hervor, dass man mit derartigen Ein-
wändcn wenig gegcn unsere Behauptungen wird ausrichten
können.
81. Alle diese Gegengründe sind nun auch inehr neben-
sächlicher Natur und inüssen zuriicktreten gegen den einen ge-
wichtigsten Einwurf, den man uns machen wird. Das ist das
Vorkommen von Gefässen durchaus italischen Charakters auf
attischem Boden. Wie sollen wir uns zu dieser Thatsache ver-
halten ? Scheinbar allerdings wirft sie unsere Behauptungen voll-
kommen über den Haufen. Wenn wir nun auch noch keirie
vollständig befriedigende Erklärung derselben geben können, so
sei hier wenigstens auf zwei besonders beachtenswerte Punkte
hingewiesen. Zunächst gilt es, vor übergrossem Vertrauen in die
Fundangaben griechischer Gefässe zu warnen. Hören wir, was
ein vorurteilsfreier und besonnener Forscher, O. Rayet, in der
Gazette archeol. IX, 1884, p. 2 uns rät:
xll faut bien se garder d'avoir une foi aveugle dans les indi-
loading ...