Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 10
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Man almet bei ihrem Anblick nur das Unglück dienstbarer Nationen
und die drückende Last, unter der sie empor stiegen. Es war vom Ver-
hängniss bestimmt, dass in Griechenland die Kunst ihr höchstes Ziel
erreichen, aber nicht bei all ihren ewig schönen Producten der vormaligen
Grösse fortleben sollte.

Dürch immerwährende Kriege wurde der grösste Theil der schönen
Gebäude zertrümmert. Unter Philipp III., König von Macedonien, wurden
sogar die Steine an den Tempeln zernichtet, damit sie nie mehr auf-
gebaut werden könnten (Lib. XXXI, 24, 26, 30). Selbst die Römer,
uneingedenk, welche Kunstliebe und reine Begriffe von Kunst sie einst
aus jenen Producten würden ziehen können, machten grosse Verheerungen
in Griechenland, dem Mutterlande der schönen reinen Künste.

So ging die schönste Blüthe der Kunst in Verfall, vind der Vorsehung
sey es gedankt, dass der reine Saame dieser Kunst noch zeitig auf frucht-
baren klassischen Boden nach Born zur Erndte verpflanzt ward.

Rom wurde im 753. Jahr vor Christi Geburt gegründet.

Hier, wo künftig die erste Stadt der Welt entstand, fand endlich die
Baukunst wieder Schutz und Pflege, doch war sie zuerst dem Luxus unter-
geordnet. Durch immerwährende Kriegsführung konnte sich unter ihnen
kein vaterländisches Kunstgenie empor heben , und die Römer hatten
unter den Königen, vorzüglich unter den Tarquiniern, selbst auch noch
im Anfang der Republik, etruskische Künstler (Liv. I, 56), unter deren
Leitung auch die Umgebungen mit einem bedeckten Porticus am Forum,
das Kapitol nebst dem Tempel des kapitolinischen Jupiters angelegt wurden.

Sie erbauten ihnen auch noch lange in der freien Republik Wasser-
leitungen und mehrere Tempel, welche Feldherren nach einem Siege zu
bauen gelobet hatten.

Die Baukunst war die einzige, die im -Anfang gediehen ist, und man
kann den Römern nicht die Erfindung der Verzierungskunst absprechen.
Auch wandten die Römer mehr als die Griechen auf den Bau der Cloaken,
Heerstrassen und Wasserleitungen (Strabo V, pag, 360), und errichteten
zuerst Amphitheater und neue Schauspielhäuser, die bei den Griechen
nie bekannt waren, und welche gewiss unter die Anzahl grosser Werke
der Baukunst gehören.
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