Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 22
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der Hornhaut von der Epidermis darthun, das Vorhandenseyn von Saugadern sehr wahr-
scheinlich machen, und aus denen hervorgeht, dafs die Hornhaut auf eine solche Art
ernährt wird, welche mit einem Umtausch der Substanz verbunden ist. — 1) Die Horn-
haut wächst wie Theile, welche Gefäfse haben, nicht aber lagenartig wie die Oberhaut
und die Nägel. 2) In der Hornhaut bilden sich Flocken, Bläschen und Eiterpusteln, die
wieder verschwinden. 3) In ihr bilden sich Geschwüre, welche um sich greifen, sich
aber wieder ausfüllen und heilen können. 4) Einschnitte heilen schnell, ohne Eiterung,
oft sogar ohne Narbe. 5) Die Hornhaut heilt , wenn Stücke daraus entfernt werden
(Dieterich). 6) Die Hornhaut wird in der Gelbsucht zuweilen gelb. 7) Sie enthält eine
Flüssigkeit in ihrer Substanz. 8) Sie schwillt in Wasser an , Nägel und Epidermis nicht.
9) Die Cornea ist den fibrösen Theilen dadurch ähnlich, dafs sie, wie diese durch Kochen
in Wasser viel Leim hergibt, was Oberhaut und Nägel nicht thun.

Die aus all diesen Gründen hervorgegangene Vermuthung, dafs an der Bildung der
durchsichtigen Augenhaut das Saugadersystem einen grofsen und wichtigen Antheil habe,
halte ich jetzt durch Fohmann's glückliche Injectionen und eigene mikroskopische Unter-
suchungen für eine erwiesene Sache. — Die Einspritzungen der Lymphgefäfse der Horn-
haut sind immer mifslich, schwieriger, ja ich möchte selbst sagen, zweideutiger, als die
unter dem Mikroskop angestellten Beobachtungen. Die Gefäfse der Hornhaut sind zu
fein und zart, die Wandungen daher zu ausdehnbar und, besonders bei der Anwendung
des Quecksilbers, so leicht zerreifslich, dafs man nicht immer mit einer gewissen Be-
stimmtheit die Form und den Charakter der Gefäfse genau zu bezeichnen vermag. Unter
dem Mikroskop aber erkennt man, bei gehörigem Gebrauche desselben, die Eigentüm-
lichkeit der Lymphgefäfse in ihrer Gestalt und Anordnung zu sieher, unzweideutig und
hervorstechend, dafs es nicht schwer hält, den Charakter treu und bestimmt anzugeben.
Uebrigens ist man auch bei der letzteren Untersuehungsmethode weit mehr im Stande ,
über das innere Gewebe der Hornhaut ein richtiges Urtheil zu fällen, als bei den
Injectionen mit Quecksilber, da hiermit die ganze Cornea leicht angefüllt wird.

Ich habe nicht unterlassen, die durchsichtige Augenhaut schichtenweise von aufsen
nach innen zu untersuchen, und Blättchen von verschiedenen Stellen auf derselben Glas-
tafel unter das Mikroskop zu bringen, um ja eine, vielleicht in Hinsicht das Baus hier
obwaltende Verschiedenheit wahrzunehmen. Allein an allen Punkten fand ich dieselbe
Anordnung und denselben Charakter der Gefäfse, welche zahlreiche, höchst feine Netze
bilden, die übereinanderliegen und vielfach in einander übergehen. Da die Abbildung
(Fig. 2), aus welcher ganz gut das Eigenthümliehe der Saugadernelze der Cornea zu
ersehen ist, bei 75maliger Vergröfserung im Durchmesser gegeben wurde, so kann man
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