Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 91
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Einwirkung der Lichtstrahlen bei der parallelen Lage der Augenachsen und beim Sehen
mit beiden Augen an derjenigen Stelle der Markhaut, auf welche der Hauptbrennpunkt
fällt, die Ablagerung von Marksubstanz verhindert wird, so dafs in der Retina anfänglich
ein Loch, später aber eine dünne, marklose Stelle bleibt. — So viel geht übrigens
aus dem Ganzen unserer Untersuchungen hervor, dafs das Loch in der Netzhaut eben
so wenig, wie der gelbe Fleck einen besonderen Nutzen hat, sondern dafs es zunächst
nur die Folge der eigenthümlichen Bildungsweise des Augapfels ist. — Die Falte
dagegen, welche in der Achse des Auges sich vorfindet, mag dazu dienen, dafs das
allzuhelle Licht in seiner Einwiikung auf die Markhaut gemindert und das Auge nicht
zu sehr geblendet wird, wir so im Stande sind, auch bei starkem Lichte die Gegen-
stände scharf zu sehen. Dieser Zweck wird in so fern erreicht, als durch das Hervor-
treten der Falte der Hauptbrennpunkt hinter die Retina fällt und die Lichtstrahlen sonach
dieselbe hier nicht an einem, sondern an mehreren Punkten treffen. Hiermit scheint in
Uebereinstimmung zu stehen, dafs bei mehr oder weniger gehindertem Sehvermögen
durch Hornhautflecken, Staphylom, grauen Staar die Falte in einem höheren oder geringeren
Grade geschwunden ist, wie diefs aus den Beobachtungen von Michaelis, Reil, Leveiiae'
erhellt. Bemerkenswert!! ist es, dafs man in solchen Fällen im gesunden Auge die
Falte sowohl als den gelben Fleck deutlicher als im normalen Zustand gefunden hat25).
Nach der am allgemeinsten verbreiteten Meinung bildet die Nervenhaut zwei
Schichten, eine äufsere markige und eine innere zellige oder Gefäfs - Schichte. Das
Zellgewebe, von Zweigen der arteria und vena centralis retinae netzartig durchzogen,
gibt die Grundlage ab und ist an seiner äufseren Fläche von Mark bedeckt, dessen sehr
feine Kügelchen wahrscheinlich von vielen kleinen Räumen oder Zellen desselben aufge-
nommen werden. Beide Substanzen, Mark- und Zellsubstanz, sind innig mit einander
verbunden, erzeugen ein Ganzes für sich und lassen sich nur künstlich, z. B. durch
Maceration, von einander trennen, indem dadurch das Nervenmark zerstört wird und
man alsdann die Zell- oder Gefäfsschichte für sich erhält. Es ist daher unstatthaft
die Retina in zwei Platten, die Markhaut und die Zell- oder Gefäfshaut, zu trennen
oder sogar mit Salomon eine besondere Mark-, Zell- und Gefäfshaut anzunehmen.

Die Retina ist, wie schon früher bemerkt wurde, im todten Auge aufsen von
einer besonderen Schleimschichte bedeckt, einem Niederschlag aus dem schwarzen
Pigment, welcher unter Wasser leicht entfernt werden kann und von Mehreren mit
Unrecht für eine membrana serosa gehalten wird..— Auffallend ist mir eine Bemerkung
in der Schrift von Treviranus über die Sinneswerkzeuge 26), welche also lautet:

25) Schön's Handb. der pathologischen Anatomie des Auges. S. 202.

26) S. 75.
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