Schazmann, Paul
Altertümer von Pergamon (Band VI, Text): Das Gymnasion — Berlin, 1923

Seite: 1
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/pergamon1923a/0007
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Facsimile
ALLGEMEINES.

Die Burg von Pergamon krönt einen 310 m hohen, mit breitem Rücken nach Süden ab-
fallenden Berg. Die Berichte älterer Reifender, wie Choifeul-Gouffier, Richter und Texier, weifen
bereits übereinftimmend auf eine große Gebäudegruppe hin, welche die größere der unteren, nach
Süden gelegenen Terraffen des Burghügels einnahm.

Sicher war zu jener Zeit von den Reften bedeutend mehr vorhanden, als heute, denn diefe
Stelle war für die Bewohner der modernen Unterftadt bequem zu erreichen. »Nur die Steinmetzen
und Kalkbrenner ftörten regelmäßig die Ruhe mit ihrer Ausbeutung der beiden offenbleibenden
marmorreichen Wunden am Stadtkörper des Berges, Gymnafium und Trajaneum«, fagt Conze in
der Gefchichte der Unterfuchung (Pergamon I, I S. 2).

Von der Burg herab zog fich eine mächtige Mauer um die Stadt des Königs Eumenes IL, Ausgrabung,
fie fchloß auch unfere Gebäudegruppe in ihren Bereich ein. Die Anlage hatte von jeher die
Aufmerkfamkeit ftark auf fich gezogen und wurde bereits zu Beginn der erften Grabungsperiode
bis zum Jahre 1879 teilweife aufgedeckt und als ein großartig angelegtes Gymnafion erkannt.
Damals fehlten jedoch die Mittel zu einer erfchöpfenden Unterfuchung diefes wichtigen Beftand-
teiles der Stadtanlage, und erft in viel fpäteren Jahren konnte fie bis zum endgültigen Abfchluß
geführt werden.

Über die erften Arbeiten fchreibt Humann (I. vorl. Bericht Jahrb. d. Preuß. Kunftfamml. 1880
S. 137): »auf 150 m Seehöhe fand ich zu meiner Verwunderung einen vor fechs Jahren, als ich
die Burg zuletzt betrat, noch nicht vorhandenen, an zwanzig Schritt langen Graben gezogen, durch
welchen etwa zehn glatte bläuliche Marmorfäulen mit einer unteren Dicke von etwa 70 cm bloß-
gelegt waren. Mit ihren Fußenden lagen fie noch dicht an den dazugehörigen Bafen. Was fonft
an Baureften umher lag, zeigte römifch-korinfhifchen Stil. An die ganze Bauanlage fchloß fich
nach Norden hin ein großes Halbrund, in den anftoßenden Berg gelagert, an«. Es handelt fich
hier um den trajanifchen Säulenumgang der Palaeftra und um die Cavea des Odeions, die bei
einer Rokognofzierung im Dezember 1878 angegraben worden waren; im Oktober 1879, nach Ab-
fchluß der Grabung am großen Altarbau, wurde die Arbeit hier mit größeren Kräften aufge-
nommen. Über die Ergebniffe berichtete Bohn im I. vorl. Bericht (Jahrb. d. Preuß. Kunftfamml.
1880, S. 207 f., mit einer Planfkizze).

Auch diesmal wurde am Gymnafion nur bis zur allgemeinen Klärung des Sachverhaltes ge-
graben, ferner hoffte man in diefem Bau, der fich als eine bedeutende und ficher der römifchen
Kaiferzeit angehörige Anlage erwiefen hatte, reiches Vergleichmaterial für das in Angriff genommene
Trajaneum zu finden. Leider ift ein großer Teil der aufgedeckten Marmorrefte fpäter den Be-
wohnern von Pergamon zur Beute gefallen. Die Ausgrabung ergab damals die allgemeine Geftalt
der oberen. Terraffe, der trajanifche Säulenumgang wurde feftgeftellt, ferner das Odeion und die
Haupträume der Oftthermen.

Auf Conzes Betreiben wurden die Arbeiten in Pergamon unter der Leitung des Archäologifchen
Inftituts von neuem aufgenommen. Seit 1900 wurde alljährlich in Pergamon unter der Aufficht
Dörpfelds einige Monate im Herbft gegraben. Das Gymnafion kam im Jahre 1902 an die Reihe,

Pergamon VI. I
loading ...