Schulz, Hugo [Oth.]; Conradus <de Megenberg> [Oth.]
Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache — Greifswald, 1897

Page: 305
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mag sie auch die Feuchtigkeit zu entfernen und auszutreiben, die
schwarze Galle genannt wird, stärkt die Glieder und ist desshalb
gut gegen die überflüssige Feuchtigkeit, die sich im Magen befindet.
Sie macht das von Bauch und Dunst krank gewordene Haupt
wieder gesund und die Augen klar. Sie beseitigt die Anschoppungen
von Milz und Leber und entfernt die Ueberflüssigkeit aus den
Gliedern, besonders auch aus der Kegio pubica. Ein dunkel ge-
wordenes Antlitz macht die Aloe wieder schön. Weil sie im Munde
bitter schmeckt und doch dem Magen angenehm ist, heisst sie in
der Arzneikunde Epiglostomachon, das heisst: dem Magen angenehm.
Aloe soll mit herbem Wein oder Wermuthsaft gegeben werden.

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2. Yom Aloeholz.

Aloe ist das Holz eines gleichnamigen Baumes, der in Indien
und Arabien vorkommt, wie Isidorus sagt, und einen sehr feinen
Geruch besitzt.l) Man benutzt das Holz zu Altären in den Gottes-
häusern, grade wie das Thymusholz vom Baume Thymus, den wir
oben schon erwähnten.2) Andere Gelehrte behaupten, das Holz
stamme aus den fliessenden Gewässern des irdischen Paradises her
und werde mit Netzen aus dem Wasser gefischt. Die schweren
und knorrigen Stücke dieses Holzes sind die besten und besitzen
den meisten Wohlgeruch. Es ist nur massig bitter, wenn man es
auf die Zunge bringt. Seine Farbe ist schwärzlich oder röthlich, es
lässt sich nur schwer zerkauen. Gekaut und im Munde gehalten

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ist es wegen seines kostbaren Wohlgeruches gut für das Gehirn.
Ferner hilft es gegen Erkrankung des Magens, der Leber, des Ge-
hirns und des Herzens, wie auch gegen das Ausbleiben der Menses
gegen Brustleiden und andere Krankheiten der Glieder, die durch
Kälte hervorgerufen sind. Gegen die vorgenannten Leiden ist auch
der mit dem Holze abgekochte Wein nützlich, und wenn man mit
der Nase den beim Kochen aufsteigenden Dunst einzieht, bringt
dieser dem kalten Gehirn gute Gesundheit. Pulvert man das Holz,
stösst die Blätter des Nelkenbaumes und den Knochen aus dem
Herzen des Hirsches gleichfalls klein, verreibt das ganze Pulver mit
Baumöl und bestreicht einem Hahne den Kopf damit, so kräht er
Tag und Nacht nicht mehr.

*) Aloeholz ist das stark harzige Holz von Excoeearia Agalocha L.,
gemeiner Blindbaum, in Ostindien heimisch und zum Räuchern benutzt.
2) IV. A. 50.

Schulz, Konrad von Megenberg's Buch der Natur. 20
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