Thiel, Viktor
Papiererzeugung und Papierhandel vornehmlich in den deutschen Landen von den ältesten Zeiten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. — 1932

Page: 106
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Papiererzeugung und Papierhandel
vornehmlich in den deutschen Landen

von den ältesten Zeiten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Ein Entwurf.
Von Viktor Thiel.

Inhaltsübersicht.

Seite

I. Einleitung........................ 106

II. Papiererzeugung bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts....... 109

III. Papierhandel im 16. und 17. Jahrhundert............ 126

IV. Technisches Verfahren und praktische Organisation........ 134

V. Papiererzeugung im 17. und 18. Jahrhundert........... 142

I. Einleitung.

Als Sven Hedin auf seiner Forschungsreise durch Mittelasien in der
Wüste Ost-Turkestans 80 km n. des Sees Lobnor 1899 die alte chinesische
Ruinenstadt Lou-lan entdeckte, stieß er auf Handschriften, die auf Papier
und Holz geschrieben waren; es waren ein paar Hunderte von Papier-
fetzen und lamellförmigen Holzstäbchen, die chinesische Schriftzeichen
trugen. Professor August Conrady in Leipzig entzifferte und erläu-
terte die Handschriften1).

Wichtige Aufschlüsse ließen sich daraus über die älteste Geschichte
des Papiers gewinnen, dessen Herstellung aus Pflanzenfasern dem kai-
serlichen Minister Tsai-lun 105n. Chr. Geb. gelungen war. Das Material-
prüfungsamt in Berlin-Dahlem erhielt von Sven Hedin eine kleine Probe
von Papier aus dem 3. Jahrhunderte, das er in Lou-lan gefunden hatte;
als Papiermasse ergaben sich hauptsächlich Hanffasern, doch waren auch
Hadern beigemengt, so auch Baumwollgewebe. Die Baumwolle war
wohl aus Indien eingeführt; es stimmt hiemit, daß sich unter den Hand-
schriftenfunden aus Lou-lan auch einige Briefe indischer Kaufleute be-
fanden 2).

1) Die chinesischen Handschriften und sonstigen Kleinfunde Sven Hedins in
Lou-lan. Stockholm 1920.

2) Hierüber C. F. Lehmann-Haupt, Bombyx, in den Veröff. des Museums
Ferdinandeum in Innsbruck, Heft 8 (1923). — Vor der Erfindung des Rohfaser-
papieres erzeugten die Chinesen Papier aus Seidenabfällen. Doch konnte ein solches
nur geringen Anforderungen entsprechen, da tierischen Fasern die Quellbarkeit
fehlt. Dieser Mangel sowie der hohe Seidenpreis waren wohl der Anlaß, nach
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