Zangemeister, Karl [Hrsg.]
Die Wappen, Helmzierden und Standarten der Grossen Heidelberger Liederhandschrift (Manesse-Codex): (Manesse-Codex) — Görlitz, 1892

Seite: 2
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zwei jugendlichen Spielleute, welche links vom Beschauer
im Vordergrunde des Bildes stehen.

Tafel IV.

i. Markgraf Heinrich von Meissen. Blatt 14'.

Heinrich III, der Erlauchte, geb. 1218, reg. 122 1
bis 1288. Hagen IV n. 7; Bartsch DL S. LVII und
derselbe, die Lieder des Markgrafen Heinrichs des Er-
lauchten in: Mitth. des hist. Vereins f. Geschichte
der Stadt Meissen I 3 (1884) S. 15. — Abgebildet: Mathieu
VII, Hagen V Taf. VI (S. 145), Bartsch a. a. O. —
Sehr ähnlich das Wappen in der Züricher Rolle No. 82
(Weiss S. 3); vgl. Grünenberg Taf. 6 (S. 13).

2. Der Herzog von Anhalt. Blatt 17.

Heinrich I, reg. 1212—1245, f 1251 oder 1252.
— Hagen IV 11. 8 und V S. 154. Bartsch DL S. XLV;
Hosäus, Mittheilungen d. Ver. f. Anh. Gesch. IV (1886)
S. 220fg. — Abgebildet: Mathieu VII; farbig in: A. von
Oechelhäuser, Miniaturen, Th. II (erscheint demnächst).

Das Bild stellt ein Kampfgetümmel dar; Helm und
Schild, welche der Herzog trägt, stehen auf unserer Tafel
in der Mitte. Von den vier übrigen Helmen gehören
die zwei oberen (mit Hahnfederbusch) den Begleitern des
Herzogs an, die zwei unteren sind auf dem Bilde zwei
besiegten Feinden abgefallen und liegen am Boden. —
Auf die Vertauschung der Farben auf der r. Schildhälfte
(1. v. Besch.) hat bereits Hagen IV S. 38 hingewiesen.

Das Anhaltische Wappen (über dessen Helmkleinod
vgl. Seyler S. 259) in der Züricher Rolle n. 19, mit
der Beischrift: SAHSEN; vgl. Weiss S. 4.

Tafel V.

1. Herzog Johannes von Brabant. Blatt 18.

Jan I, reg. 1268—1294, berühmt durch den glän-
zenden Sieg bei Worringen im J. 1288, auf welchen der
auf dem Bilde unserer Handschrift dargestellte Kampf
wohl hinweist. Hagen IV n. 9, V S. 168, Bartsch DL
S. LXIX. — Abbildung: Mathieu Villi.

Der Herzog selbst trägt den goldenen Helm mit
Drachen und ' den (auf dem Original im unteren Theile
verdeckten) Schild mit den goldenen, hier gelben Bra-
banter und mit den rothen Limburger Löwen. Dieser
Wappenschild ist ausserdem, aber kleiner, zweimal auf der
Decke des herzoglichen Pferdes dargestellt. Die Fahne
mit demselben Löwen wird von dem hinter dem Herzog
reitenden Ritter getragen. Der Helm des Letzteren ist
auf unserer Tafel unter dem Schilde des Herzogs abge-
bildet. Diesem gegenüber ist hier wiedergegeben der
Wappenschild des dem Herzog zunächst gegenüberstehen-
den Feindes; sein gelber Helm entbehrt des Abzeichens.
— Die beiden hinter dem Fahnenträger noch sichtbaren
Ritter des Herzogs tragen gelbe Helme, der des Vorde-

ren ist mit einem hohen schwarzen Hut, der des Ande-
ren mit einem weniger hohen grünen Hut bedeckt. Letz-
terer hält in seiner Linken einen kreisrunden (nur halb
dargestellten) grünen Schild mit Ornament. Diese zwei
Helme nebst dem Schild sind hier weggelassen, da sie
zweifellos arbiträr sind.

Am Drachen ist jetzt auf dem Original das Gold
stellenweise abgesprungen (am Kopfe imd an den Flügeln);
dies ist hier ergänzt. — Fahne und Fahnenstock sind
merkwürdigerweise mit Gold unterlegt, welches noch unter
und neben den jetzigen Farben sichtbar ist.

2. Graf von Neuenburg. Blatt 20.

Der Graf heisst auch „von F e n i s" (so in der
Weing. Hs.) oder kurz „der Venis" nach seiner zwischen
dem Neuenburger und Bieler See gelegenen Stammburg.
Zweifelhaft ist, ob hier der Graf Rudolf IL gemeint ist
welcher urkundlich n58—1192 bezeugt ist und vor dem
30. August 1196 starb, oder Rudolf HL, welcher in
Urkunden 1201 —1251 nachgewiesen ist und vor dem
14. März 1257 starb (nicht im J. 1263, wie in MF an-
gegeben wird, dem Todesjahre eines anderen Rudolf).
Hagen V S. 65, sowie Haupt MF S. 264 sprechen sich
für Rudolf IL aus, während Siegfr. Pfaff in der Zeitschr.
f. D. Alt. 18 S. 56 ff. Rudolf III. vorzieht; Paul in s.
Beiträgen 2, 436 widerspricht dieser Annahme, während
Bartsch SM S. XV sie billigt. — Hagen IV n. 10, V S.
65 und 201, Bartsch DL S. XXXIV, ders. SM S. X,
Baechtold S. 148.

Das ganz abweichende Wappen Zur. n. 69 von
„Neuenburg" gehört dem Vorarlberger Geschlecht dieses
Namens an; s. Zeller-Werdmüller, Anz. f. Schw. Alt.
1878 S. 815. — Vgl. Grünenberg Taf. 53 (S. 57).

Tafel VI.

1. Graf Kraft von Toggenburg. Blatt 22'.

Das Grafengeschlecht gehört dem Thurgau an. Die-
ser Minnesänger war vielleicht Kraft I, welcher von der
Zeit um 1240 bis 1249 erwähnt wird und vor dem
26. September 1254 starb, oder der von 1260 an nach-
weisbare K r a ft IL

Hagen IV n. 11; Bartsch DL S. LVI, SM S. LI;
Baechtold S. 151.

Das Bild bei Hagen V Taf. VII (S. 215), das
Wappen (colorirt) bei Seyler Taf. XI 4.

Zürich n. 35 zeigt das Wappen fast ganz überein-
stimmend (vgl. Weiss S. 3). Vgl. Grünenberg Taf. 82 b
(S. 76).

2. Graf Konrad von Kirchberg. Blatt 24.

Schwäbisches Geschlecht, dessen Stammburg bei Ulm
liegt. Wahrscheinlich ist gemeint Konrad, welcher urkund-
lich 1286—1310 erscheint und nach dem 30. März
1315 starb. Sein Vater Konrad war mit einer Gräfin
von Schelklingen verheirathet. Hagen IV n. 12; Bartsch
DL S. LXX; Wilmanns, Allg. D. Biogr. 15, 789.
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