Allgemeine theologische Bibliothek — 10.1778 [VD18 90309928]

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enthalten gdttl. Offenbar, v. Lilienthal. 199
daß Esther schon zu alt gewesen sey, den König
einzunehmen. — Nicht die morgenländische
Reverenz, sondern einen der Abgölterey sehr nahe
kommenden Dienst, versagte Mardochai dem
Haman. Dafür halt es wenigstens Josephus;
indessen kann er doch in der Verweigerung dessel-
ben zu weit gegangen seyn. Bey der Sorglosig-
keit des Königs ist es nicht zu verwundern, daß
er einwilligr, die Juden auszurotten. Haman
machte den Befehl so lange vorher nicht allen,
sondern nur den Statthaltern in den Provinzen
bekannt. Mardochai's Trauren vor dem Pallast
war Ausbruch des Affekts, wobey er leichter ge-
hört zu werden hoffen konnte. — Die persischen
Könige glaubten, ihre Majestät dadurch desto
mehr zu erheben, wenn sie sich nur selten sehen
ließen, und Haman hatte bey dem König den
Befehl ausgewürkt, daß ungerufen niemand vor
ihn könne, als wen er einführte. Den Scepter
hatte der König immer bey der Hand, vermuthlich
nach morgenländifcher Gewohnheit. — Esther
gieng zur Audienzzeit zum Könige; daher fand
sie ihn auf einem Thron, auf welchem übrigens
die persischen Könige, auch wohl außer derselben,
saßen, wovon der Vers. §. 59 Stellen anführt.
Esther trägt die Bitte nicht sogleich vor, weil sie
der König nicht mehr so sehr liebte. — Der
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