Allgemeines kritisches Archiv — 5.1777

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Unsre rasenden und brausenden jungen
Echanspieldichler können fteylich nicht viel Scha-
den stiften, indem, unerachtet sie sich heiser
schreyen, ihnen nur ein kleiner Theil des Publi-
kums zuhört. Sie kehren sich auch wenig an
das, was die vernünftigere Kritik mrheilt; in-
dessen muß man ihrer doch zuweilen gedenken,
um dem Liebhaber der ftlteratur eine Idee von
dem herrschenden Tone zu geben. Darum habe
ich diesmal ein wenig Kopfweh nicht geachtet
und mich durch dieses ganze Stück von dem
Verfasser durchschleifen lassen. Fast alle seine
Charaktere haben eine solche Wildheit, daß auch
Spanien, wo das Stück spielt, noch eine zu
kalte Scene für sie ist; sie haben alle so viel Un-
natürliches, daß sie (anders ansgeführt) in Ariostis
Epopee siguriren könnten; Grisaldo ist wirklich
Simson, an Starke und Tapferkeit übertrifft er
alle andre, er ist ein Ritter seines Vaterlands,
besiegt und beschämt alle seine Feinde, schlagt
sich S. 10z mitten durch die Flammen, sch-äft
S- 128 im Schoose einer Schönest und macht
überhaupt den Herkules bey den Damen. Er
hätte könr en ein großer Charakter werden: aber
so sehn wir in ihm nur einen Eisenfresser; er ist
roher als die Helden deö Korneille, und doch
bleiben wir kalt gegen ihn, weil er nicht, wie
die Helden des Homer, eine liebenswürdige
Seite hat. Noch schlimmer ist sein Achates,
Malvizino, der gleich alles in Stücken Hauer,
will.
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