Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 43.1918

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Bernhard Schweitzer

Stellung gegenüber den Sikelern, die sich in dem Eingreifen des Königs
Hyblon ausprägt, den Gang der Ereignisse beschleunigt haben. Zudem
scheint sowohl das Fehlen näherer Zeitangaben in dieser Partie des
Thukydides als auch einiges andere in unserer Überlieferung darauf hin-
zuweisen, daß die durch die Vorgeschichte der megarischen Gründung
ausgefüllte Differenz zwischen den beiden chronologischen Reihen des
Thukydides nicht sehr wesentlich gewesen sein kann.
Die bei Eusebius^) erhaltenen und sicher auf eine gute Quelle zurück-
gehenden Notizen über die ältesten griechischen Niederlassungen auf
Sizilien stimmen nämlich mit der thukydideischen Chronologie fast völlig
überein, wenn wir jenes x vernachlässigen oder jedenfalls so klein wie
möglich annehmen. Naxos steht dort unter a. Abr. 1280 — Ol. 11,1 = 736
vor Chr., Syrakus unter a. Abr. 1282 = Ol. 11,3 = 734, Gela unter a.
Abr. 1328 = Ol. 23.1 = 588 und Kamarina unter a. Abr. 1418 = Ol.
45,3 — 598 (bei Hieronymus: Naxos 741 —- 739, Syrakus 738—736, Gela
691 und Kamarina 601). Eine scharfsinnige Vermutung Busolts^) wollte
als die unterste Wurzel des in unserer Eusebiusstelle endigenden
Überlieferungsstammes die cuyypay?) des Antiochos von
Syrakus erkennen und den von Thukydides abweichenden Zwischen-
raum von zwei Jahren zwischen Naxos und Syrakus aus einem irgend-
wann in der Zwischenüberlieterung eingetretenen Mißverstehen des
ionischen Textes erklären. Jetzt erhält diese seitdem nicht wieder auf-
gegriffene Vermutung eine wichtige Stütze darin, daß das von Thukydides
aus einer anderen Quelle herangezogene Gründungsdatum von Megara
bei Eusebius fehlt, und Selinus (bei Hieronymus) unter einem ganz
anderen Jahr als bei dem attischen Historiker, nämlich unter a. Abr.
1367—1370 — 650—647 vor Chr. erscheint. Dies letztere Datum wird
gestützt durch das Zeugnis des in siziiischen Dingen ja gut bewanderten
Diodor (XHI 59, 4), der von dem 408 zerstörten Selinus berichtet, daß
es 242 Jahre bestanden habe. Das führt bei inklusiver Rechnung gerade

i) Im Folgenden wird zitiert nach der grundlegenden Ausgabe von A.
Schoene, Berlin 1875 und den neueren des Armeniers von J. Karst (Eusebius
Werke, hrsg. im Aufträge d. Kirchenväterkommission d. Kgl. Preuss. Akad. d.
Wiss. Bd. V) Leipzig 1911 und des Hieronymus von R. Heim (Eusebius Werke
Bd. VH, 1) Leipzig 1913.
3) Busolt, Rhein. Mus. XL 1885, 467.
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