Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 43.1918

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Bernhard Schweitzer

Gefäß-

zuriick oder drängt sich mehr vor. Ganz verschwunden ist sie nie.
Große Weinamphoren, die mit ihrer gesichtähniichen, meist auf eine
Seite des Halses beschränkten Dekoration alle Anforderungen der
Primitivität erfüllen, sind denn auch, wie Poulsen nicht entgangen ist,
selbst noch an Fundstätten des VH. und VI Jh. vor Chr. gefunden^).
Schärfer haben das Problem Wide (Arch. Jahrb. XV 1900, 56 f.) und
Dragendorff gefaßt, der klar sah, daß es sich mangels genauerer Fund-
beobachtungen zunächst nur darum handeln konnte, prinzipiell Älteres
von Jüngerem zu scheiden (Thera H 162 ff.). Ihre für den Dipylon-
und den theraeischen Stil vorgeschlagenen Lösungen wurden jedoch von
Poulsen (a. a. 0. 79 und 102 f.) mit solcher Schärfe zurückgewiesen, daß
sie erst auf ganz neue Grundlagen gestellt werden müßten, sollten sie
noch weiterhin zu dem uns geläufigen Vorrat entwicklungsgeschicht-
licher Vorstellungen gehören. So bleibt uns als Vorarbeit zur Bewältigung
der uns gestellten Aufgabe nur die schon vor Poulsen erkannte und von
ihm zuerst ausgesprochene Trennung großer, verschieden alter Gruppen
im Attisch-Geometrischen übrig: der älteren Fleusisgattung, des im
wesentlichen den jüngeren Schwarzdipylongefäßengleichzeitigen 'strengen
Stils' und der späten Krateramphoren. Wenn sie trotzdem hier von
Neuem in Angriff genommen werden soll, so geschieht es, weil die zugleich
Frühgeometrisches enthaltenden jüngsten protogeometrischen Gräber
nunmehr eine viel breitere Basis zur Aufroliung der ganzen Frage ergeben.
Das sind die Gräber vom Westabhang der Akropolis, von Halos
in Thessalien, in Knossos Grab 3, die Nekropolen von der Akropolis von
Kameiros auf Rhodos, Assarlik und das Grab von Kition auf Kypros.
Auch eine Fundgruppe von 101 Vasen, die in der Nähe von Adhromyloi
aufgedeckt wurde, schien uns bis in jene Zeit hinaufzureichen. Wieder
weist der Westen die durchgreifendsten Neuerungen auf. Wie am Fnde
der protogeometrischen Zeit werden anfangs noch Kleeblattkannen, jetzt
durchweg nur noch in kleineren Ausmaßen, angefertigt, und niedrige
einhenklige oder zweihenklige Näpfe bevorzugt (vgl. Poulsen Tat. 1 c. 11).
Daneben kommt aber in den Akropolisgräbern eine Gattung von Gefäßen
vor, die bis jetzt in der wissenschaftlichen Literatur vernachlässigt wurde,
L Pouisen 105, 3; Cumae: Mon. Ant. XIII 262 Fig. 42; Syrakus: Not.
d. Sc. 1895, 131 Fig. 9; Geia: Mon. Ant. XVil 210 Fig. 165, Tat. VII; Tanis:
Flinders-Petrie, Tanis II Tat. XXIV 9.
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