Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 43.1918

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Bernhard Schweitzer

Ansätze
zur ver-
tikalen
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Muscheiornament des späteren mykenischenStiies*). Aus der doppelten
Wellenlinie, die das Muscheiinnere von oben nach unten durchströmt,
wird in der Fhilisterkeramik ein Zickzack, ein Zickzack zwischen zwei
Geraden oder schließlich nur noch ein Bündel gerader Strahlen^). Im
Kyprischen (Cesnola Coli. Tat. CX1 878) erstarrt die in der Kunst der
Philister immer noch einen Rest organischen Lebens wahrende Form
zu toten Diagonalen und endlich 3) verrät nur noch Auswahl und Rich-
tung der Linien in dem völlig ausgedörrten Schema die Herkunft des
Ornamentes (Abb. 9—10).
So bilden also der Westen und Osten, um mich vorsichtiger auszu-
drücken, der frühe Dipylon- und der kyprisch-geometrische Stil nach
Herkunft und Charakter am Ende des X. oder zu Anfang des IX. Jahr-
hunderts einen nicht stark genug zu betonenden Gegensatz. Hier ein
im Grunde a tektonisch er, dort ein durchaus tektonischer
Stil. Was Kenner der geometrischen Kultur schon geahnt haben*),
ist jetzt nachweisbar: in Attika hat zu Beginn der 'geometrischen' Periode
eine reine Streifen dekoration, ein f i g u r e n 1 o s e r
U m 1 a u f s t i 1 geherrscht, während der Osten von der vorangegangenen
Kunst die Einteilung der Fläche in M e t o p e n geerbt hat. Wer in
Zukunft nach der Herkunft der Dipylonornamentik trägt, der wird die
Heimat der reinen Streifendekoration suchen müssen. Diese scharfe
Trennung kann natürlich keinen langen Bestand gehabt haben; auch in
Attika und auf dem Festlande überhaupt war ja in vormykenischer und
mykenischer Zeit die Metopeneinteilung nichts Unbekanntes gewesen^).

2; GezerTaf. LXXX1118 und CLXV 2 u. a. m. (Palästina); Seager, Excavations
at Vasiliki 121 Fig. 4e; Mon. Ant. XIV444 Fig. 55; Wpy. 1912, 9 Abb. 5,1;
Phylakopi Tat. XI 7 und XXXII! 3. X1H6. X1M5; BCH. XXX 1906, 27 Fig.
45; Seager, Explorations in the Island of Mochlos Fig. 7, 111 (E. M. 11—111;
praemykenisch und mykenisch); Murray, Excavations 74 Fig. 29 (56); BSA.
XV111 1911/2 Fig. 4, 2 (protogeometrisch).
0 Furtwängler-Loeschcke, Myken. Tongefäße Tat. 111 10; Wp. dp^. 1898,
73 Abb. 13.
2) Gezer 111 Tat. CLXV 10. CLXVH 7; Biiss-Macaiister Tat. XL1I 159.
0 Cesnola-Stern Tal. VII und XIV 5; Schale im Grassi-Museum, Leipzig.
9 S. Wide, Arch. Jahrb. XV 1900, 56 f.; Dragendorff, Thera 11 165 f.;
Pfuhl 158.
3) B. Laum, Die Entwicklung der griechischen Metopenbilder, Neue Jahr-
bücher f. d. kl. Alt. 1912, 614 ff.
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