Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 43.1918

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Bernhard Schweitzer

Entwick-
lung zum

wieder enger zu knüpfen. Das Ordenskreuz auf dem Deckel des Pithos
aus Anopolis hat zwei schwarze und zwei gegitterte Flügel. Schon dem
ältesten Orient bekannt, begegnet uns dies Ornament zum ersten Mal
eingeschrieben in einen Kreis im Kamaresstil, füllt im Spätkretischen
und in der Philisterkeramik das Herz der Spiralen und kehrt im Kyprischen,
auf dem Boden einer alten, noch auf die Frühzeit der aegaeischen Kultur
zurückgehenden linearen Kunstübung, als Mittelpunkt konzentrischer
Kreissysteme wieder. Gelegentlich unterscheidet schon der Kamaresstil
die einzelnen Flügel durch verschiedene Farben; die Regel ist das aber
im syrisch-kyprischen Gebiet, wo sie meist unter Entsprechung der
gegenüberliegenden Flügel rot und schwarz auf hellem Grund sitzeiP).
Auf eine solche Vorlage muß letzten Endes die Dekoration des kretischen
Pithosdeckels zurückgehen. Bekräftigt wird dieses Abhängigkeitsver-
hältnis noch durch die ungriechische Felderteilung des Deckels, die in
hethitischen Rundsiegeln, syrischen, phönikischen und kyprischen Fayence-,
Bronze- und Tonschalen ihre genauen Parallelen hat^). Nicht anders
sind auf der rhodischen Vase die von hellen Streifen umsäumten gegen-
ständigen Dreiecke der untersten Zone von mehrfarbigen syrischen Vor-
bildern abzuleiten (vgl. Bliss-Macalister Tat. XXXIX 91).
ln langsamerem, aber ungestörterem und mehr organischem Wachs-
tum haben die geometrischen Stile des Festlandes ihre ursprünglich so
engen Fesseln gesprengt. Der 'strenge' Dipylonsti! bringt als ersten
Vorboten des kommenden malerischen Empfindens das Schachbrettmuster
und wendet es gewöhnlich an, um das Mittelglied seiner oft breit aus-
B Bemalte Scherben aus Tepe Mussian: De Morgan, Deleg. en Perse VI11
109 Fig. 175; Siegelzylinder der Kossäerzeit: Ward, Seal cylinders of Western
Asia (Washington 1912) Nr. 41. 514. 525—26. 535. 537. 540. 542 usf. Hethitische
Siegelabdrücke: Rev. archeol. XXI1! 1882 Tat. XXIV 13 und 15. Ramares-
ware: BSA. X 1903/4, 17 Fig. 6m; Mon. Ant. VI Tat. X 15. Spätkretische
Larnax: Pcrrot-Chipiez VI 679 Fig. 300; Philisterkeramik: Bliss-Macalister,
Tat. XL 113—115; XLI1 163; XL1V (=Arch. Anz. 1908, 379 f. Abb. 10);
XLVI 10; Gezer HI Tat. CLVHI 1 und LXX1 21; Beispiele aus Cypern: Murray,
Excavations 74 Fig. 129; Cesnola-Stern Tat. XXXV1H 1.
2) Ed. Meyer, Reich und Kultur der Chetiter (1914) Abb. 34; Gezer 111
Tat. CCVb; Pcrrot-Chipiez 111 783 Fig. 550; Cesnola Coli. 11 Tat. CXXXH
976. Von rein Griechischem wüßte ich nur noch den frühorientaiisierenden
Deckel aus Adhronryloi auf Kreta, BSA. XM 1905/6, 45 Fig. 22, 3258 zu er-
wähnen. Aber auch hier deuten die 'hethitischen' Flechtbänder und die aus
den Zwickeln emporschießenden 'phönikischen' Volutenstengel auf den Osten.
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