Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Gottfried v. Lücken

schlank und dürr: aber bei dem Kopf kommt man zu geschlossenen
Formen. Auch hier läßt sich in der Plastik Analoges feststellen. Ein
gutes Beispiel dafür bietet eine Kalksteinstatuette aus Kamiros (Deonna,
Les Apollons archaiques 135, Abb. 157/8). Hier finden wir fast die gleiche
Bildung des Kopfes wie auf rhodischen i) Vasen, bei denen sich auf
entwickelteren Gefäßen die Formen des Kopfes oft zusammenschließen
(Tat. 1 3). 2) Die Linie des Kinns, der etwas aufgeworfene Mund, die nie-
drige Stirn, die Anlage des Haares und der fast quadratische Schädelbau,
Alles ist verwandt.
Auch in der melischen Vasenmalerei 3) können wir dasselbe sehen.
Alle Formen schließen sich bei entwickelteren Gefäßen zusammen. Dieser
Art bietet sich die Sphinx der Naxier 4) in Delphi zum Vergleich dar
(Tat. 1 4). Ein großer, dekorativer Zug zeigt sich bei dieser Skulptur
ebenso wie in der Vasenmalerei. Hier ist nichts von der pedantischen,
alle Einzelheiten herausarbeitenden Weise, bei der das Detail die Gesamt-
Wirkung überwuchert. Die Künstler schöpfen aus dem Vollen, Ganzen,
ln großen Flächen ist das Werk angelegt. Die Freude, einen großen
Block oder eine große Fläche meistern zu können, steht den Künstlern
höher als die Lust an Einzelheiten, die sonst überall in der archaischen
Kunst die Gestaltung bestimmt hat. Die ganze Anlage der Figur, der
schwere Kopf und der dünne schlanke Leib erinnern bei der Sphinx an
Gestalten dieser Vasen, ln der Schädelbildung finden wir beidemal die
gleiche, fast rechteckige Gesamtform; auch die Gestalt der Augen, der
Duktus der Augenbrauen und der Mund mit den breiten Lippen haben
hier und dort viel Verwandtes. Die niedrige Stirn, die Art, wie sich die
Haare in einer gewellten Kurve gegen sie absetzen, und die Lage des
Ohres sind identisch.
Die gleiche fast würfelartige Form des Schädels, die wir bei den
eben besprochenen Werken finden, kehrt fast überall in der ionischen
älteren Kunst wieder. Noch stärker ausgeprägt finden wir sie bei der
i) Morin-Jean, Dessin des animaux Abb. 42, danach Tat. I 3; Kinch,
Fouihes de Vrouiia Abb. 89.
b Rechts nach Deonna, Apohons archaiques Abb. 158 (im Gegensinn).
Η ',Εφψί. 1894, Taf. 12, 13 (danach Tat. I 4); JHS. XXii 1902
Taf. 5.
Ü Homoiie, Fouiiies de Deiphes IV Taf. 5—6. Hier Taf. I 4 nach Phot.
Aiinari 24760.
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