Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Archaische griechische Vasenmaierei und Plastik

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so fällt vor allem eine Bronze des athener Nationalmuseums auf (de Ridder,
Catal. des bronzes trouvds sur l'Acropole Tat. 3 u. 4). Die gleichen vollen
runden Körperformen kann man hier wie bei Euthymides beobachten
(z. B. Furtwängler-Reichhold Tat. 14, 81). Nur um die Taille findet man
hier wie dort noch eine Einschnürung. Auch die kurzen Beine und der
lange Oberkörper sind bei beiden Gestalten sehr ähnlich. Vor allem
aber ist es der Kopftypus, in dem große Übereinstimmung herrscht
(Tat. 111 12)i). Die Anlage des Haares, das mit einer vollen Kurve bis
tief in den Nacken reicht und über der Stirn mit einem kleinen Busch
endigt, ist fast identisch, und ebenso sehen sich die Profillinien mit der
kurzen, stark zurückspringenden Stirn, der massigen, am Augen- und
Nasenwinkel geknickten Nase und den festen Lippen beidemal sehr
ähnlich.
Die gleiche Beruhigung des Stils, die sich bei Euthymides beobachten
läßt, findet man auch auf den Leagrosschalen des Euphronios (Hartwig,
Meisterschalen S. 101). Hervorgegangen ist Euphronios, wie oft betont
worden ist ^), aus dem epiktetischen Kreis. Bei den Gestalten seiner
frühesten Werke, besonders des Antaioskraters (Furtwängler-Reichhold
Tat. 92, 93) findet man die gleichen harten spitzigen Formen wie bei
Epiktet (Taf. IV 18)3). Schon Winter (Öst. Jh. Hl 1900, 131) hat darauf
hingewiesen, daß der Herakles dieser Vase der AristionsteleÜ nahe ver-
wandt ist; und wie die Formensprache des jungen Euphronios an Epiktet
erinnert, so ähnelt die Aristionstele der Stele des gefallenen Kriegers,
ln beiden Skulpturen findet man die gleiche Mache, die dem Marmor
eine ihm von Natur fremde Sprödigkeit gibt, indem sie keine weichen
Übergänge schafft, sondern alles schroff gegeneinander absetzt.
Schon auf der Geryoneusschale des Euphronios (Furtwängler-

9 Links nach Furtwängier-Reichhoid Taf. 81, rechts nach de Ridder,
Cataiogue des bronzes trouv0s sur i'Acropoie Taf. 4.
2) Kiein, Euphronios ^ 14; Hartwig, Meisterschaien, Text 100, 12. Vgi.
auch Radford, JHS. XXXV 1915, 107.
3) Links nach Osterr. Jahresh. !!! 1900 Taf. 5, rechts nach Osterr. Jahresh.
Hi 1900 Abb. 44.
Ü Stai's, Marbres et bronzes 29; Conze, Die attischen Grabreiiefs Nr. 2;
Perrot-Chipiez VH! 133 Fig. 72; Brunn-Bruckmann Taf. 41a. Da Aristion
wahrscheinüch der aus Aristoteles πο^ίτ. 14 bekannte Freund des Peisi-
stratos ist, besitzt sein Grabstein auch chronoiogisch hohe Bedeutung.
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