Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Archaische griechische Vasenmaierei und Pi2s(ik

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Bewegung, die mittleren Gruppen zwei aufrechte Figuren, zwischen denen
eine Diagonale vermittelt. Alle diese Kompositionen lassen sich auf ein-
fache geometrische Schemata zurückführen.
Die Gruppen der lliupersisschale sind viel zu reich, um sich solche
Schematisierung gefallen zu lassen. Welche Fülle verschiedenartigster
Formen und Bewegungen steckt nicht in dem Bild von Priamos' Tod,
wo der alte König voller Angst auf der Ecke des Altars mit ausgestreckten
Armen hockt, und der Gegner, mit vorgehaltenem Schild gegen ihn an-
stürmend, den Körper des Knaben auf ihn schleudert. Von ähnlichem
Reichtum, der jedem Streben geometrische Schemata aufzustellen spottet,
sind alle Gruppen. Fast auf allen Schalen des Brygos findet man ebenso
wie bei Onesimos so koniplizierte Zusammenfügungen.
Wo die Gruppen demnach aufhören klare, in sich geschlossene Ge-
bilde zu sein, da ist es kein Wunder, wenn sie wieder Anschluß unter-
einander suchen. Die äußerliche starre architektonische Responsion
untereinander hört auf, aber etwas anderes tritt an ihre Stelle; unter
dem Schein des Zufälligen verbirgt sich eine neue Kunst der Komposition,
durch verschiedenartige Verteilung der Massen schafft man ein inter-
essantes Wechselspiel der Kräfte, und die Bewegung geht in wechselnden
Rhythmen von einer Gruppe zur anderen über, indem sich di$ einzelnen
Kompositionen nicht mehr scharf voneinander scheiden, sondern jede
mit der anderen in Verbindung tritt. So staut sich die Bewegung des
anstürmenden Neoptolemos beim Altar an der Figur des Priamos, und
jenseits des durch den Dreifuß verdeckten Einschnittes wird die Be-
wegung von der zweiten Gruppe durch die sich umwendende Frau wieder
aufgenommen und flutet hier allmählich ab. Ähnlich treten auf allen
Brygosschalen die Gruppen in freie Beziehungen zueinander, indem die
einzelnen Personen der verschiedenen Kompositionen sich einander zu-
wenden oder überschneiden und so die Bewegung weiterleiten. Diese
freirhythmischen Bildwirkungen sind etwas ganz anderes als die Regel-
losigkeiten der früheren attischen Friese. Man hat es unter dein Zwang
starrer tektonischer Formeln gelernt, größere Massen zusammen zu sehen.
Jetzt kann man die Fesseln abwerfen. Die Glieder machen doch den
Eindruck der Zusammengehörigkeit.
Wie sich in der Formensprache bei Brygos Anklänge finden an das,
was später in Olympia erreicht wurde (oben S. 109), so auch in der Korn-
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