Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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ZUR ENTSTEHUNG DER MONUMENTALEN
ARCHITEKTUR IN GRIECHENLAND.
Zweimal im Laufe ihrer Geschichte haben die Griechen den Über-
gang von einer Kunst, die sich auf die Kleinkunst und das Kunstge^erbe
beschränkte, zur Gestaltung ihrer künstlerischen Gedanken in monu-
mentaler Form erlebt, das eine Mal im Beginn der mykenischen Epoche,
das andere im Ausgang des griechischen Mittelalters. Monumentalität
erwächst nicht in allmählicher Steigerung des Formates. Wo sie auftritt,
erscheint sie plötzlich, als der gewaltigste Schritt, den die bildende Kunst
eines Volkes zu tun vermag. Das Ereignis, daß diese Form aus der inneren
Entwicklung heraus ohne fremde Beeinflussung geboren wird, steht uns
nur in Ägypten und in Mesopotamien i) vor Augen. Alle spätere monu-
mentale Kunst in Afrika, Europa und Asien steht unmittelbar oder
mittelbar unter dem Einflüsse dieser ersten Gestaltungen.
Als die Griechen im zweiten Jahrtausend und wiederum etwa tausend
Jahre später monumental zu bilden begannen, gab es in den Ländern,
zu denen Griechenland die nächsten Beziehungen hatte, bereits monu-
mentale Kunst. So war bei den Griechen dieser Schritt beide Male kein
neuer Schöpfungsakt, sondern er geschah angesichts und unter dem
Einflüsse fremder Vorbilder. Aber grundverschieden war beide Male die
kulturelle Lage der Griechen, die Art der Aufnahme der von außen kom-
menden Anregungen und die darauf sich aufbauende Entwicklung.

*) Dazu kommt Kreta, wo indessen die Frage etwaiger Abhängigkeit von
einem anderen Zentrum in den Anfängen der Entwickiung noch nicht genügend
geklärt ist. Der frühe Untergang hat der kretischen Kultur nur eine verschwin-
dend geringfügige historische Nachwirkung beschieden. Die angebliche tiefe
Nachwirkung kretischen Geistes in der archaischen ionischen Kunst ist eine
ganz unwahrscheinliche und nicht zu begründende Hypothese.
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