Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Die Wiederherstellung des Bronzetors von Balawat

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gearbeitet wird, sei offenbar ‘eine durch ihre Umgrenzung deutlich er-
kennbare Standsäule, die — wie an der Subnat-Quelle und sonst häufig—
aufgestellt’ werde. Allerdings sagt die Beischrift zu D (J) unten usäziz,
d. h. ‘ließ aufstellen’. Aber dasselbe Verbum, nazäzu, braucht Salmanas-
sars Obeliskinschrift 92/93 von einem Felsrelief: galam sarrütiia ina
käbisina ulziz, ‘ein Denkmal meiner Majestät brachte ich an ihrer
(d. h. der Tigris- und Euphratquellen) Felswand an’ (vgl. unten S. 45).
Und die Stele in unserem Reljef wird augenscheinlich nicht aufgestellt,
sondern am Fels selbst gemeißelt. Ihren Zusammenhang mit dem Felsen
veranschaulicht dieser Fries, im Gegensatz zu den frei aufgerichteten
Stelen anderer Platten wie B (A) 1 oben und N 7 oben (Tafel I), durch
die Fortführung der Felsenschuppen längs ihres ganzen rechten Umrisses
und das Zusammenfallen des linken Umrisses mit dem senkrechten Ab-
sturze des Felsens, aus dem unten der Fluß hervorkommt. Die Um-
rahmung des Königsbildes beweist nicht dagegen, da sie tatsächlich nicht
nur an freistehenden Stelen, sondern auch an ebenso geformten Fels-
reliefs vorkommt, z. B. beim ‘Salmanassar’ am Nahr el Kelb x). Sie war
hier nötig, um das Reliefbild von den lebenden Personen zu unter-
scheiden, wie besonders aus B (A) 1 oben und N 7 (Tafel I) oben deutlich
hervorgeht.

Nicht bemerkt worden ist bisher die wichtige und auf den ersten
Blick überraschende Tatsache, daß sich das Landschaftsbild im oberen
Fries von D (J) 7 über den trennenden Rosettenstreifen hinweg fortsetzt
(Tafel III).

Zunächst fällt in die Augen, daß im oberen Bildstreifen die große
Felslandschaft vom rechten Rande fast genau so weit nach links reicht
wie im unteren, nur um eine halbe ‘Schuppe’ geht sie oben weiter. Ferner
liegt der brückenartige Durchlaß oben, worauf der große bartlose Offizier
steht, genau Mitte iiber Mitte der ersten Felsöffnung unten, was nur
die Tafel IV bei Billerbeck-Delitzsch etwas verschoben hat (vgl. oben
S. 4). Das weist auf ein beabsichtigtes, bestimmtes Verhältnis der beiden
übereinanderstehenden Felspartien hin.

Dies bestätigt folgende Beobachtung an den Figuren des oberen

r) Abgebildet auch bei Bezold 2 37 Abb. 30; Winckler in Alt. Or. X 4
S. 19 Abb. 3; Jeremias a. a. 0. 2 294. Vgl. auch die anderen assyrischen
Stelen daselbst: Mon. d. Inst. II Taf. 51.
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