Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Eckhard Unger

von den Annalen dieses Jahres berichtete Königsbild sich damals noch
nicht ausgeführt, sondern erst beitn zweiten Besuche mit der Inschrift II
nachgeholt dachte.

Allen diesen Widersprüchen mit der guten Überlieferung entgehen
wir nur durch die Annahme, daß atn unteren Tunnelausgang, dem ersten
Anschein der örtlichen Verhältnissen, soweit sie bisher bekannt sind.
zum Trotz, im siebenten Jahre des Königs sein Bild und, in einigem
Abstand davon, die Inschrift III eingemeißelt, erst im 15. Jahre aber II,
eine etwas kürzere Wiederholung von IV, dicht links neben das Bild
gesetzt worden ist. Utrd für diese auf den ersten Blick gewaltsame Aus-
kunft lassen sich dann auch aus den örtlichen Verhältnissen unverächt-
liche Gründe gewinnen.

Daß die später mit II ausgefüllte Stelle, links und unter dem Königs-
relief, für die Anbringung der ursprünglich zu diesem gehörigen In-
schrift III verschmäht wurde, erklärt ihre für diesen Zweck sehr un-
günstige Beschaffenheit. Nach Lehmann-Haupt 436 ist es ‘eine sehr
unregelmäßige, stark verwitterte Felsenfläche’. Nach der genaueren Be-
schreibung Materialien 32 zerfällt sie £in eine Mittelfläche und je eine
in scharfem Winkel’ — der nach dem weiteren aus- und nicht einspringend
zu denken ist — ‘an sie anstoßende Anfangs- und Endfläche, letztere
von einem und demselben Standpunkte aus meist gar nicht und niemals
völlig zu übersehen.’ Die Mittelfläche ist breiter als die beiden Seiten-
flächen zu denken, da sie Lehmann-Haupt auch einmal als die Haupt-
fläche bezeichnet hat (VBAG. XXXIII 1901, 238 Anm. 1 a). Nimmt
man das Lichtbild des Abklatsches Materialien Taf. II hinzu, so ergibt
sich, daß in der verhältnismäßig ebenen und glatten Mittelfläche oben
das Salmanassarrelief sitzt. Links neben und unter ihm ist die Inschrift II
weit unregelmäßiger als ihr Zwilling IV neben dem zugehörigen Königs-
bild (S. 55) eingehauen. Besonders die langen Zeilen unten, die der
Steinmetz eben wegen jenes Umknickens der Fläche nicht ganz zu über-
blicken vermochte, geraten deshalb an ihren Enden in die Richtung
schräg aufwärts. Hierin mit Lehmann-Haupt 441, die ‘individuelle
Eigentümlichkeit eines bestimmten königlichen Steinmetzen’ zu erblicken,
widerrät eben der Vergleich mit IV, wo sich nichts ähnliches, sondern
durchaus saubere und regelmäßige Schriftenanordnung findet, obgleich
der Schriftcharakter sonst derselbe ist wie in II (S. 51).
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