Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Die Wiederherstellung des Bronzetors von Balawat

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auf einer über den Strom geschlagenen Pontonbrücke gegen die Stadt
vorrücken. Abseits links ergab sich eine andere Szene, die sich gleichzeitig
mit der ersteren abspielt: Der König Salmanassar, umgeben von seinem
Stabe, nimmt den Bericht seines Generals über den Fortgang der Be-
lagerung entgegen.

Der Chaldäer Adinu, welcher die Verteidigung von Baqänu geleitet
hatte, entfloh darnach, laut Bericht der großen Inschrift, aus der Stadt
nach seiner Hauptstadt Enzudu. Diese Flucht des Adinu nun ist vom
Künstler im unteren Friese zum Gegenstand der Darstellung genommen
worden.

Auch in diesem Reliefstreifen ist das Bild in zwei Teile gegliedert.
Links ist die Belagerung von Baqänu, allerdings in einem späteren Zeit-
raume, wiederholt. Die Stadt, am rechten Bruchrande des Fragmentes,
ist zwar nur zu zwei Dritteln erhalten, läßt sich aber nach der andern,
in demselben Friese ganz rechts abgebildeten Burg ergänzen. Sie ist
auf einer glatt gezeichneten Lehmziegelterrasse, wie alle Städte der
Ebene Babyloniens, erbaut und von einer Doppelmauer umschlossen,
die der Künstler der Deutlichkeit halber übereinander angeordnet hat.
Die äußere Mauer ist seitlich von je einem iiberwölbten Tore durch-
brochen, das von zwei zinnenbekrönten Türmen flankiert ist; die Innen-
mauer, im Bilde die obere, zeigt an den Seiten je einen Turm, in der
Mitte ein den andern ähnliches Torgebäude. Von linksher sind vier
Paare von schwergerüsteten Bogenschiitzen gegen die Stadt vorgegangen;
ihnen voran besteigt ein einzelner gepanzerter Soldat mit Schild und
Schwert bewaffnet, eine an die Mauer gelehnte Leiter zum Sturmangriff,
was vom Künstler in seiner Art wiedergegeben ist, indem die Leiter,
um deutlicher zu sein, in Vorderansicht, der Krieger aber im Profil ge-
zeichnet erscheint. Hinter den Bogenschützen ziehen drei Streitwagen
heran, von Pferdeknechten geführt. Im ersten Wagen steht außer dem
Lenker der König Salmanassar. Während er den Bogen zum Schusse
spannt, wird er von einem Soldaten, der den Köcher und einen Reserve-
bogen für den Kötiig umgehängt trägt, von rückwärts her gestützt.
Der zweite Streitwagen ist vom Lenker und einem bärtigen barhäuptigen
Offizier besetzt, der eine Standarte hält, die mit einer runden Scheibe
und zwei quastenartigen Wimpeln geschmtickt ist. Dann folgt ein Pferde-
knecht, der zwei gezäumte Pferde am Zügel führt. Diese Pferde gehören

Athen. Mitteilungen XXXXV 1920 5
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