Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Eckhard Unger

Tafel I (Bruchstück der Platte 0) und Hauptinschrift Kol. II, 2 und 3
(qa-tu-su) Phot. Collection de Clercq Taf. 28 Nr. 2.

Billerbeck-Delitzsch hatten wohl an die Lesung ‘Kal-da-a-a’ des-
halb nicht gedacht, weil ihnen der Gedanke ferne lag, daß ei n Ereignis
eine zweimalige bildliche Darstellung erfahren könnte, wie ihre Er-
wägungen zu Platte N S. 79 erkennen lassen. Warum sollte nicht ein
so wichtiges Ereignis, wie der Tribut der Chaldäerkönige, zweinral dar-
gestellt werden, der doch ein besonderes Kennzeichen für das weite
südliche Vordringen der assyrischen Macht war?

Neben Platte O bietet sich Platte G (K) als willkommener Vergleich
für K (E). Sie alle stellen Ereignisse aus dem Chaldäischen Feldzuge
dar. Eine zweimalige Tributleistung im oberen und itn unteren Friese
findet sich auch bei Platte G (K). Nachdetn der obere Fries hier in-
schriftlich für den Tribut des Adinu, Sohn des Dakuru, in Anspruch
genomtnen ist, kann man mit Billerbeck-Delitzsch, a. a. 0. 64 un-
bedenklich die Tributleistung im unteren Friese auf den Tribut des
Iakinu, König des Meerlandes und des Musallim-Marduk, Sohn cdes
Ukanu, beziehen, welcher in der Hauptinschrift Kol. VI, 7—-8 erwähnt
ist. Und so ist dann auch die Darstellung von K (E) zu erklären.

Der Charakter der Landschaft auf K (E) entspricht demjenigen
von Chaldäa, wie ihn die Platten G (K) und 0 darstellen, nämlich Burgen
auf Lehmhügeln, die im Gegensatz zu den geschuppten Felsenbergen,
z. B. Armeniens (Platte A (G) 3 oben), glatt gehalten sind. Außerdem
sind zahlreiche Flußläufe oder Kanäle gezeiclmet. Auf 0 sind oben
und unten je ein großer Fluß, der Euphrat, auf Platte G (K) sehen wir
vier Wasserläufe abgebildet, desgleichen auf Platte K (E), wo bei vier
Burgen Gewässer angegeben sind, nämlich bei K (E) 1, 5 und 7 oben,
sowie bei K (E) 6 im unteren Friese.

Die Chaldäer von Platte 0 und G (K) sind durchweg barhäuptig
und bärtig, mit kurzen Gewändern angetan. Nur an der Spitze des
Tributzuges schreiten mehrere langbekleidete Männer, von denen einige,
wie ihre nachfolgenden Landsleute, Tabletts mit Wertsachen, Kesseln,
Balken, Elefantenzälmen und Weinschläuchen mit sich führen. Dasselbe
findet sich auch auf Platte K (E). Eins aber ist bei K (E) auffallend,
nämlich daß die voranschreitenden langbekleideten Männer, aber auch
nvir diese? Schnabelschuhe haben, welche sonst nie bei einem Chaldäer,
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