Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Eckhard Unger

Könige die ganze Beute der hamathäischen Stadt, rechts am Friesende,
vorführt. Es war nicht nur fremden Fürsten zur Pflicht gemacht, in
Proskynese vor dem Könige zu erscheinen 1), sondern ebenso auch den
assyrischen Beamten und Offizieren, vgl. Klauber, Leipz. Semit. Stud. V 3,
14/5. Diesem assyrischen Offizier gehört auch das Pferd an, welches
hinter den drei, noch zum königlichen Gefolge gehörenden Höflingen,
und dem Zeremonienmeister, der den Zug herbeiwinkt, herangeführt
wird, und in dem Billerbeck-Delitzsch 77 ein Beutestück erblicken.
Das Pferd leitet nebst einem Beipferde ein Pferdeknecht, und ein lang-
röckiger bärtiger Soldat geht daneben her. Eine gute Parallele zur
Proskynese des assyrischen Offiziers gewährt das Relief Assurnassirpalsl IE
Layard, I 23—-24 = Mansell 377, 379. Hier macht ein bärtiger assyrischer
Soldat mit Helrn, aber waffenlos, wie der Offizier auf L (M) 3 u, vor
dem Könige seinen Fußfall, um ihm die Ankunft des auf dein anschließen-
den Relief abgebildeten Gefangenentransportes anzukündigen. Da er ein
niederer Offizier ist, wird ihm hier nicht ein Reitpferd nachgeführt. Mit
der Aufgabe der Identifizierung des fußfälligen Offiziers mit dem Könige
von Hamath, fallen auch verschiedene andere Erklärungen von Billerbeck-
Delitzsch, so die auf S. 77, wo der berittene bewaffnete bartlose assyrische.
Offizier L (M) 5 u, vor den hamathäischen Wagen, als ein hamathäischer
Prinz gedeutet wird. Hamathäer treten nur als Gefangene auf, alles
andere sind Assyrer. Die ganze Szene stellt sich also als die Vorführung
eines hamathäischen Beutezuges durch einen höheren assyrischen Offizier
dar, unter dem Geleite einer starken assyrischen Bedeckung.

§ 12. P1 atte F (H), Beischrift.

Der Name der von Salmanassar eroberten Stadt des Anhiti von
Supria auf F (H) 3o ist von Billerbeck-Delitzsch 46 noch nicht voll-
ständig gelesen worden. Sie lesen ‘U-bu-?’. Auf dem Originale besteht

b Proskynese eines feindlichen Königs: z. B. Salmanassar, Obelisk Seite A,
Fries 1 und 2. Über die Ausführung der Proskynese vgl. Julius Lange, Dar-
stellung des Menschen 1899, 13—16; Perrot-Chipiez II 624. Ägyptische Bei-
spiele der Proskynese: Reliefs aus denr neuen Reiche: Bissing-Bruckmann,
Tafel 81; Flinders Petrie, El Amarna II, Tafel 11, Mitte; Steindorff, Blüte-
zeit des Pharaonenreiches 30, 66, 125. Die Proskynese wird in Ägypten so
ausgeführt, wie in Assyrien, manchmal mit dem geringfügigen Unterschiede,
daß das eine knieende Bein noch nicht ganz an das andere Bein herangezogen
worden ist, sondern nachschleppt.
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