Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

des VI. Indessen ließe sich diese Unstimmigkeit leicht erklären, da ja
die mehrkammrige Gruft sicher längere Zeit im Gebrauch gewesen ist.
Jüngst aher hat Pinza 1) mit guten Gründen ausgeführt. der Kunsthändler,
von dem das Britische Museum diese Antiken erwarb, habe die Stiicke
aus dem Isisgrab durch solche anderer Herkunft ergänzt, sodaß wir
nicht mehr wissen können, ob jener Skarabaeus wirklich aus dem Grabe
stammt. So bedauerlich es ist, auf einen der wenigen absoluten chrono-
logischen Anhaltspunkte fiir die ältere etruskische Kultur verzichten zu
müssen, so hat doch jene Vase des Königs Bokchoris diesen Verlust
mehr als wett gemacht, den.i wir werden gleich sehen, daß der durch
sie gegebene Fixpunkt aus dem Ende des VIII. Jahrhunderts uns viel
besser als ein Fundstück des ausgehenden VII. die Mögb'chkeit gibt,
die gesamte Chronologie Etruriens festzulegen.

Zunächst müssen wir die Entwicklung vom Bokchoris-Grabe, wie
wir es kurz nennen wollen, ein Stück weit rückwärts verfolgen, und
zwar in Corneto selbst. Denn gerade in archaischer Zeit sind regionale
Unterschiede in Etrurien besonders stark 2). Bekanntlich geht in Corneto
dem Typus unseres Grabes, der rechteckigen Kammer mit flachem
Giebeldach, die offenbar ein Holzhaus nachahmt, die sogenannte tomba
a corridoio vorauf, ein länglicher in den Felsen getriebener Stollen nrit
tonnengewölbter Decke, im Grunde nur eine wenig verbreitete junge
Spielart der sehr viel häufigeren rechteckigen Felsgruben, der tombe
a fossa. Eine der jüngsten und zugleich das reichste dieser corne-
taner Fosse, das demnach einem so alten Kammergrabe wie dem
des Bokchoris zeitlich nahe stehen muß, ist nun die bekannte Tomba
del Guerriero, offenbar die Gruft eines Fürsten, deren Inhalt sich im
Berliner Museunr befindet (Helbig, Annali d. lnst. 1874, 249; Mon. d.
Inst. X 10—10 d; Montelius, Civil. II 286—290). Zum Schmuck gehören

9 Rendic. d. Linc. 1912, 79 ff. und Materiali per la Etnologia antica
toscano-Iaziale I 1915 (Milano, Hoepli, 82 ff. Erster Band einer monumentalen
Publication des Museo Gregoriano).

2) Leider liegt hier die Forschung noch ganz im Argen. Außer Vetulonia
ist keine altetruskische Nekropole wissenschaftlich in weitem Umfange aus-
gegraben, und die Publikation von Bieda (H. Roch, E. v. Mercklin, C. Weickert,
Bieda, Röm. Mitt: XXX 1915, 160ff.) ist das erste Beispiel und zugleich ein
vortreffliches Vorbild der so dringend erforderlichen Aufnahmen sämtlicher
Grabformen einerf Landschaft. Wetin solche in größerer Zahl vorliegen, wird
die Verschiedenheit der einzelnen populi Etruriens erst klar hervortreten.
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