Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

Page: 117
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1920/0129
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Orient und Hellas in archaischer Zeit

117

beigaben klar von der großen südetruskischen Gruppe, deren vornehmste
Stätten Corneto, Vulci und Cervetri sind. Besonders wichtig erscheint
mir, um dies gleich vorweg zu nehmen, das auffällige Zurücktreten direkten
griechischen Einflusses und Importes in der nördlichen Gruppe, deren
Kulturbild anderseits eine Reihe sehr altertümlicher orientalischer Züge
aufweist.

In Vetuloniasind wie überall die ältesten, ungemein zahlreichenGräber
Pozzetti der üblichen Art, die sich auch in ihrem Inhalt nicht wesentlich
von den südetruskischen unterscheiden. Gewöhnliche Fosse mit unver-
brannten Leichen gibt es nur ganz wenige, sie spielen hier keine nennens-
werte Rolle; auch einfache Fosse mit Leichenasche sind selten. Dagegen
tritt, örtlich und zeitlich an die Pozzetti anschließend, eine besondere
Ausgestaltung der Fosse auf: die Circoli, Kreise von Steinen, die einst
flache Grabhügel einhegten und in ihrem Innern eine oder mehrere recht-
eckige Gruben umschließen; und zwar hängt deren Zahl nicht von der
der Toten ab, die Circoli sind nicht etwa Grabbezirke in der Art des
mykenischen Plattenrings, sondern fast durchweg Einzelgräber 1). Beiver-
hältnismäßig bescheidenen Beigaben genügte eine Grube, für reichere
Leute wurden deren bis zu fünf angelegt, die in ihren Abmessungen
beliebig, je nach dem Umfang der Beigaben, wechseln, sich mehrfach
zu geräumigen, einst mit Balken eingedeckten unterirdischen Gelassen
auswachsen.

Ihrem Inhalt nach entsprechen die reichsten und spätesten Circoli im
Allgemeinen den berühmten südetruskischen und pränestinischen Grüften
(unten S. 124). Abgesehen von dem in Latium fremden Tumulus mit
Steinring, gleichen einander in Präneste und Vetulonia auch Gestalt
und Größe der Gruben, während der südetruskische Typus der auf-
gemauerten, gewölbten Gruft mit Dromos dem Norden zunächst un-
bekannt ist. Den Grund zu diesem Unterschied finde ich im G r a b -
r i t u s. Die südetruskischen Grüfte waren für unverbrannt aufgebahrte
Leichen bestimmt, die Circoli von Vetulonia, wenigstens zutn großen Teil?
für verbrannte Gebeine, die in einem Gefäß 2) oder in einem kostbaren

L) Anders die von einem Steinring umgebenen Gruppen jüngerer Pozzetti,
Falchi, Vetulonia 76 ft.; Montelius II Sp. 817.

2) Z. B. Tomba di Val di Campo, N. d. Sc. 1892, 403; Circolo dei Lebeti,
N. d. Sc. 1913, 432.
loading ...