Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

der Fortnen und Typen, aber alle einem ganz bestimmten Stilwillen unter-
geordnet, verfeinerte Technik, freudiges Aufnehmen fremder Einflüsse,
Sinn für das Harmonische in der Zusammenstellung größerer gleichartiger
Gruppen, sei es von Schmucksachen, PferdegerätoderTafelgeschirr — das
alles kennzeichnet eine Periode raschen materiellen und künstlerischen
Aufblühens, wie sie jederzeit und aller Crten sich rasch voilzieht. In
primitiven Zeiten und in solchen des Verfalls mag das schwer und dumpf
dahinlebende Handwerk unmeßbar lange am Hergebrachten festhalten —
wenn auch selbst diese scheinbare Unbeweglichkeit häufig nur auf un-
genügender Beobachtungsschärfe der Forschung beruht — a b e r j e d e r
Blütezeit, und vollends jeder Vorbliite, istkurzes
L e b e n beschieden.

Will man sich aber diesen allgemeinen Erwägungen verschließen, so
bedenke man Folgendes: dieCircoli enthalten, mit ganz vereinzelten späten
Ausnahmen, je einen Toten. Montelius’ Annahme, daß jede Grube einer
Leiche bestimmt gewesen sei ^), wird durch die Verteilung der Beigaben
nach Klassen widerlegt: z. B. in der Tomba del Duce 1. Pferdegerät
und Wagen, 2. Tafelgeschirr aus Bronze und Schutzwaffen, (3. aus-
geraubt), 4. kostbares Tafelgeschirr und Angriffswaffen, 5. Aschenurne
und Lampe. Bisher sind wenig über fünfzig dieser Gräber geöffnet
worden, darunter etwa ein Dutzend sehr reiche, aber auch mehrere be-
scheidene 1 2). Die friihe Verödung von Vetulonia hat die Beraubung der
Griifte auf ein selten geringes Maß beschränkt. Es sind auch aus dem
gleicheii Grunde kaum Zerstörungen durch ländliche Arbeiten vorge-
kommen. Wir überblicken daher diese Nekropole besser a!s irgend eine
andere. Natürlich ist sie noch keineswegs ganz ausgegraben; aber ihre
nachweislich ältesten, an die Pozzetti anschließenden Teile sind erforscht
(vgl. die Kartenskizze N. d. Sc. 1898, 142 = Montelius Sp. 815). Größere
Tumuli vollends gibt es nur ein halbes Dutzend, darunter etwa die Hälfte
jüngeren Datums; der einzige ganz ausgegrabene (Pietrera) enthielt in
seiner Kammer nur vier Totenbetten, die in den Hügel nachträglich ge-
grabenen Fosse werden kaum je mehr als zehn gewesen sein. Setzen wir

1) Vgl. Pinza, Sumbolae in hon. J. de Petra, Neapel 1911, 180.

2) Ich habe micli in meiner Darsteilung absichtlich auf das an leicht
zugänglichen Stelien publizierte Material beschränkt: das reiche unveröffent-
iichte im florentiner Museum verändert das Bild nicht.
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