Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Orient und Hellas in archaischer Zeit

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für alle diese Fälle das Doppelte und Dreifache ein, so bekommen wir
doch höchstens 120—180 Tote für die Circoli, 100—150 für die ältesten
Tumuli, also, wenn man diese Gräber nur den Vornehmsten ihres Stammes
zuweist, etwa den Bestand von zwanzig Familien während zweier oder
dreier Generationen l).

Ich beschränke mich vorläufig für diese Fragen auf Vetulonia, weil
dort die Forschung am klarsten auf sie antwortet, während fast alle
anderen etruskischen Nekropolen zwar immer wieder von Grabräubern
durchwühlt, aber im besten Falle nur kleine Teile wissenschaftlich unter-
sucht sind. Nun müssen wir aber zu unseren beiden cornetaner Gräbern
zurückkehren und sie mit Vetulonia vergleichen.

Die Tomba del Guerriero bietet zwar zu den Circoli eine Reihe von
Parallelen: die Filigranfibel Montelius 286, 7, den Schild 287, 6 (Duce
185, 6), das Pectoral 288, 13 (Totnba della Straniera 183, 8; Acquastrini
192, 9), die Beile 287, 2. 4 (altertümlicher Circolo 178, 22), die Silber-
schale 289, 9 (I. Peiliccie 195, 23), die bronzene Feldflasche 289, 6
(Monile d’argento, N. d. Sc. 1913, 427). Aber es sind meist altertümliche
Dinge — ganz entsprechende Feldflaschen itt Pozzetti von Corneto,
281, 12. 282, 13 — während im Kriegergrab die charakteristischen
Erzeugnisse jener vetulonieser Blütezeit fehlen, ebenso wie die proto-
korinthischen Vasen und Gefäßformen, der feine Bucchero der Tomba
del Duce. Anderseits fehlt in Vetulonia die im Kriegergrabe vertretene
italisch-geometrische Keramik älteren Stils mit ihren vom Protokorin-
thischen durchaus verschiedenen Forinen und Mustern. Die Tomba del
Guerriero mutet älter an als die Masse der Circoli. Dagegen ergibt sich

b Zum Vergleich nur ein paar Beobachtungen aus ganz verschiedenen
Regionen: bei Sardes haben die Amerikaner weit über 1000 Kammergräber
untersucht, die vom VIII.—V. Jahrhundert meist mehrfach beniitzt worden
sind, also im ganzen gegen 10 000 Tote geborgen haben mögen und dabei nur
einen Teil der Totenstadt bilden. Bei Megara Hyblaea, wo die Verhältnisse
fast so günstig wie in Vetulonia liegen, kommen auf etwa ein Zehntel der Nekro-
pole des VII.—V. Jahrhunderts gegen 500 Tote, auf diese ganze Nekropole
gewiß mehr als 5000 (Orsi, Mon. ant. I 765ff?). Ein ganz kleiner Teil der
Nekropole von Caere — jüngere Kammergräber zwischen zwei archaischen
Tumuli — enthielt auf engstem Raum die Ruhestätten von mehreren Hunderten
(N. d. Sc. 1915, 349). Die kleine Garnison von Vruliä an der Siidspitze von
Rhodos, die kaum mehr als 4—5 Familien, etwa 30—40 Personen umfaßte, hat
es im Laufe eines Jahrhunderts auf 75 Gräber gebracht (davon viele mehrmals
benützt): Kinch, Vroulia 1914, 32—43, 89 f., 111 ff.
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