Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

den Grund gelegt und später als Heimat jener Kessel — also doch wohl
auch der zugehörigen Untersätze und Stabdreifüße — S i n o p e ver-
mutet x): ‘jene Produkte werden die Frucht der regen Verbindung sein,
welche die milesische Kolonie mit Assyrien im VIII.—VII. Jahrhundert
pflegte. Durch diese Annahme würde die Verbreitung jener assyrisierenden
Kesselfiguren nach dem Vansee in Armenien einerseits wie nach Latium
andererseits (über Milet-Sybaris) am ehesten erklärt’ * 2).

Diese zunächst sehr ansprechende Vermutung bedarf aber starker
Einschränkung; vor allem kann Sinope nicht der alleinige Herstellungs-
ort der Attaschen — und Kessel — sein. So gern man der Kolonie am
Pontos die assyrisierenden Stiicke zutrauen würde, soweit sie nicht chal-
dische Arbeit sind, — wie Olympia IV Taf. 44, 783, S. 118, Fouilles de
Delphes V Taf. 12. 13, 1. 2, BCH. XII 1888-Taf. 12 (Ptoion), die Exem-
plare vom Vansee, aus Praeneste und Vetulonia — so gibt es doch (was
natürlich auch Furtwängler hervorhebt) andere rein griechischen Stils,
und unter diesen wieder gute Stücke (z. B. Olympia IV Taf. 44, 784;
Fouilles de Delphes V Taf. 13, 3. 4) neben geringen (Olympia IV Taf. 44,
786), während die Masse der Greifenköpfe zwar in zwei techniscb ver-
schiedene Gruppen zerfällt (Furtwängler, Olympia IV S. 119 ff.), stilistisch
aber eine Einheit bildet. Dazu kommt, daß gerade am Vansee die Greifen-
protomen (wie überhaupt alles Griechische) fehlen, und daß
unsere einzige literarische Kunde von einem solchen Kessel auf Samos
führt, wo ja gerade im VII. Jahrhundert der Erzguß blühte 3). Das

p So auch Ed. Meyer, Gesch. d. Alt. II 455.

2) Ant. Gemm. III 68, 1; Münch. Sitz.-Ber. 1906, 473 f. = Kh Schr.
I 450. Zur Deutung dieser merkwürdigen Flügelwesen Furtwängler, Bronze-
funde v. Olympia 63 = Kl. Schr. I 387; Weicker, Seelenvoge] 89 f. 95 f. Die
ganz besonders schönen und großen Exemplare vom Vansee sind zusammen-
hängend behandelt von Lehmann-Haupt, Materialien z. ält. Gesch. Armeniens
(Abh. d. Gött. Ges. d. Wiss. 1907) 86 ff. Er betont richtig den besonderen,
vom gewöhnlichen assyrischen abweichenden Stil der Funde aus der Chalder-
Hauptstadt (vgl. auch Baumstark bei Pauly-Wissowa III 2061 ff.) und be-
stätigt Furtwänglers Bemerkung, daß die Haartracht dieser Fliigelwesen auf
assyrischen Darstellungen nur bei Fremdvölkern erscheine. Ein prachtvolles
Kesselpaar aus Vetulonia in Florenz, N. d. Sc. 1913, 431—433, oben S. 126.

3) Herodot IV 152: oi ök Zä^uoi xijv <fey.äzrjv x&tv InL'/.eodLow (von der
Fahrt nach Tartessos) S'geXövzeg ££ xälavza ijxoirjoavxo yalxriiov /orjxtjoog
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