Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 27.1911

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Seite 8.

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

1911, 1.

Ausstellung bemalter Wohnräume München 1910. Entworfen und ausgeführt von Malermeister Elhard Müller.
Zimmer der Tochter des Hauses. Möbel aus der Möbelhalle des Allgem. Gewerbevereins.


in bläulichrot mit Ornament in Gelb und Schwarz bemalten
Möbeln. — Eine ganz treffliche, flotte malerische Leistung ist
ferner Urbanischs kleiner Vorraum mit seiner weinroten, in
Kleistertechnik ausgeführten Wandfläche über niedriger gelbgrauer
Matte, mit der prächtigen Decke mit grauen, blau und rot ein-
gefaßten Balken und breit in lustigen Farben mit Blumen auf
dunklem Grunde bemalten Feldern und der kräftigen gelben
Abschlußborde zwischen Wand und Decke. Geschickt und zweck-
entsprechend hat J. M. Rosenhauer die untere Wandfläche eines
kleinen Baderaums abwaschbar in leuchtendem Gelb mit un-
bestimmten grünen und bunten Tupfen bemalt und damit dem
Raume eine sehr angenehme sonnige Stimmung verliehen.
Besonders fein abgestimmt hat Elhard Müller die Malerei
in seinem Zimmer der Tochter, das aber mehr für eine große
Dame geeignet erscheint; die Wände in ganz lichten Farben
von gebrochenem Weiß bis Taubengrau mit zartem Grün, die
Decke gelblich, auf den elfenbeinfarbigen Möbeln Rotbraun,
Violett und Gold. Das Ornament auf Wand und Decke spinnt
die Spitzenmotive der Bezüge und Nachtkleider auch dort weiter.
Leider sind die Möbel mit nichtssagendem Ornament überladen;
auch dürfte der Schrank mit eingebautem Waschtisch seine bunte
Schönheit beim Gebrauch allzubald einbüßen.
Auch der von HansUrbanisch in gut abgestimmten,
zarten, matten Farben ausgemalte Speisewagen würde den
besonders starken praktischen Anforderungen nicht gewachsen
sein und sehr bald die vor allem erforderliche blanke Sauberkeit
vermissen lassen. — Technisch bemerkenswert ist jedenfalls die
meisterhafte Darstellung dick von Rauhreif überzogenen Geästs
in dem Klubzimmer für Wintersport von O. Wium, für das
aber wohl nur fern vom Felde der Betätigung — etwa in einer
Großstadt — eine solche Ausstattung behaglich erscheinen dürfte.
Die Bemalung der Schränke folgt den alten Vorbildern,
meist ohne deren frische Ursprünglichkeit zu erreichen; selb-
ständiges Neues ist hier nicht zu verzeichnen, während die Flur-
türen einfach, aber sehr ansprechend im neuzeitlichen Sinne
bemalt sind. Auch in manchen Zimmern stört die Häufung

oder die Nichtigkeit des Ornaments. Selbst ein paar an doch
wohl endgültig überwundene Zeiten gemahnende theatermäßige
Altmalereien mit künstlichen Flecken an den Wänden sind noch
zu sehen. Verfehlt erscheinen auch die Räume, welche eine
höhere Stimmung erfordern, eine Kapelle und ein Standesamts-
zimmer. Das mahnt eindringlich, das gewiß sehr anerkennens-
werte heutige Können nicht zu überschätzen, in dem Glauben
etwa, nunmehr allen Aufgaben ohne Mitwirkung der Architekten
gewachsen zu sein. Andererseits beweist die Ausstellung, welche
Werte die Dekorationsmalerei der Wohnungskunst zu bieten
vermag, und daß die Münchener Architekten auf vortrefflich
geschulte und verständnisvolle Mitarbeiter zählen dürfen. Möge
das bald überall in gleichem Maße der Fall sein! C. Z.
Wettbewerbentwurf zu einer Stadthalle
nebst Ausstellungshalle in Hannover.
(Ein I. Preis.)
Architekten: Prof. Paul Bonatz und F. E. Schöler in Stuttgart.
(Hierzu Tafel 2.)
Die Stadt Hannover hat für den Bau einer Stadthalle
2100000 Mk. und für den Bau einer Ausstellungshalle
450000 Mk. bereitgestellt und zur Erlangung von Vorentwürfen
einen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Vereinigung beider Ge-
bäude zu einer Baugruppe bietet eine seltene Gelegenheit, eine
großzügige Anlage zu schaffen, welche einen ganzen Stadtteil
beherrschen und damit für das gesamte Stadtbild von höchster
Bedeutung werden muß.
Dementsprechend hat man als Bauplatz ein langgestrecktes,
etwa 7 ha großes Gelände des von der Lehrter Bahn und der
Eilenriede umschlossenen Stadtteiles gewählt, auf dessen Längs-
achse von Norden her die breite Straße am Zoologischen Garten
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