Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 14.2003

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ISABELLA WOLDT

LORD SHAFTESBURY UND DIE KUNSTLER

Lord Shaftesbury (1671-1713) ist ein Vertreter der friihen englischen
Aufklarung und Schiller des Moralphilosophen John Locke. Gleichwohl
kann Shaftesbury nicht ais Nachfolger des Lockeschen Gedankenguts
betrachtet werden, denn er geht seinen eigenen geistigen Weg, der ihn
zwischen die Hauptstromungen des beginnenden 18. Jahrhunderts
fiihrt1. Im unmittelbaren Riickgriff auf die Antike, insbesondere auf So-
krates und die Stoa, laBt Shaftesbury sowohl den in seiner Zeit lebendi-
gen Empirismus ais auch den mechanischen Rationalismus hinter sich.
In seinen Abhandlungen zu den Characteristicks OF „Men, Manners,
Opinions, Times” (1711) wird sich sein aufklarerisches Denken vor allem
in der Morał- und Gesellschaftskritik auBern2. Dabei formuliert er eine
Philosophie des Lebens, in der er die sinnliche Betrachtung und die ra-
tionale Reflexion im Aufbau der moralischen Asthetik in Einklang zu
bringen yermag3. Einen wesentlichen Aspekt seiner Denkart bildet dabei
die Miteinbeziehung des Kiinstlerischen4. Gerade die Frage nach seinem
Bezug zur Kunst rief bislang widerspriichliche AuBerungen der Leser
und Rezipienten seines Werkes hervor, was meines Erachtens zum
1 Vgl. R. Voitle, The Third Earl of Shaftesbury, Baton Rouge/La., London 1984
(fortan Voitle 1984).
2 A. A. Cooper, 3rd Earl of Shaftesbury, Characteristicks OF „Men, Manners, Opi-
nions, Times”, 3. Bde, 5. Ausg., Birmingham 1773 (fortan: Characteristicks, I-III).
3 Ebd. vgl. insbesondere Bd. II, die Abhandlung THE MORALISTS, A „Philosophical
Rhapsody”. BEING A RECITAL OF Certain CONVERSATIONS on „NATURAL” and
„MORAŁ” Suhjects, S. 177-443. Aus den neuesten Veroffentlichungen zu Shaftesburys As-
thetik sollten folgende Schriften erwahnt werden: F. Brugere, Theorie de lart et philoso-
phie de la sociabilite selon Shaftesbury, Paris 1999; A. Baum, Selbstgefiihl und reflektierte
Neigung. Ethik und Asthetik bei Shaftesbury, Stuttgart-Bad Cannstatt 2001; A. Grzeli-
ński, Angielski spór o istotę piękna. Koncepcje estetyczne Shaftesbury ego i Burkea, Toruń
2001.
1 Characteristicks, I, darin die Abhandlung Sensus Communis: AN ESSAY ON THE
FREEDOM OF „WIT” and „HUMOUR”, S. 128 ff.
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