Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 14.2003

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LORD SHAFTESBURY UND DIE KUNSTLER

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móglicherweise ais Bindeglied zwischen dem rationalen Aspekt des Klas-
sizismus und dem elementaren Aspekt der sinnlichen Wahrnehmung der
Natur, die er in der Abhandlung The Moralists in einem Hymnus auf
die Urspriinglichkeit und Schonheit der wilden Natur zum Ausdruck
brachte85. Im Kapitel iiber die Landschaftsmalerei in den Plasticks
auBert Shaftesbury erneut die Idee der Reflexion der Natur durch dereń
sinnliche Betrachtung. In einer proto-romantischen Ausdrucksform
preist er die wilde Natur ais sinnlichen Ausdruck der gottlichen Schon-
heit in der Welt.86 Mit der Schonheit der Natur sollte namlich der Geist
erfullt werden, noch bevor der Geschmack in der Malerei zum Ausdruck
gebracht wird. Fur Shaftesbury war Salvator Rosa derjenige, der ver-
sucht hat, diese Idee auf die Leinwand zu bringen - sein Pleinairismus
war Shaftesbury sicherlich schon damals bekannt das Resultat hat
den Philosophen jedoch nicht befriedigt, denn in Rosas Vorstellung sei
die Landschaftsdarstellung ohne eine genaue Uberlegung:
[...] but without ye just Speculation witness the Sticki-ness of his noble Trees [...],
& his mangling them like artificial Trunks & Amputations madę by Man & with
Instruments, contrary to ye Idea of those sacred Recesses, where Solitude & deep
Retreat & the Absence of gainful Lucrative, & buisy Mortals, makes the sublime,
pathetick & enchanting, raises the sweet Melancholly, the Resvery Meditation.
Where no Hand but that of Time. No steel, no Scythe, but that ofSaturns. Secret
Suggestion of the World’s Ruinę & Decay; its Birth & first Formation. [...] ”Where
neither Art nor the Conceit or Caprice ofMan has spoild their genuine Order”87.
Shaftesbury kritisiert also, daB Rosa die wirkliche Urspriinglichkeit
der Natur, in der nur die Hand Gottes handelte, nicht darstellte. Er
auBert sich dabei iiber die Landschaftsdarstellungen, die er nach eigenem
Geschmack88 fur seinen Freund Sr. John Cropley erwarb und zuletzt
dann selbst behalten hat (Abb. 16, 17)89. Nachdem die von ihm bewun-
derten Gemalde von Rosa keinen Anklang bei seinem Freund Cropley ge-

85 Zur Idee der sinnlichen Naturbetrachtung vgl. Characteristicks, II, besonders die
Seiten 389 ff.
86 SE, 1,5, S. 278.
87 SE, 1,5, S. 279.
88 Brief an Micklethwayte vom 30. August 1712, PRO 30/24/23/9, S. 50 f.
s9 Vgl. L. Salerno, Lopera completta di Saluator Rosa, Milano 1975, Nr. 235 und 236.
tlber die Provenienz und die Erwerbungsumstande der Gemalde vgl. L. Pestilli, Shaftes-
bury „Agente” darte: Sulla provenienza uicereale di due ąuadri di Saluator Rosa ed uno
(scomparso?) di Claude Lorrain, (in:) „Bollettino darte” 77 (1992), Januar-Februar, Nr. 71,
S. 131-140 (Pestilli 1992). Pestilli berichtet anhand von Shaftesburys Korrespondenz,
daB der Philosoph seine Bilder, zuvor im Besitz des Vicere Marchese del Carpio, von dem
neapolitanischen Kunsthandler Porchinaro kaufte, wobei sie ursprunglich fur den Freund
John Cropley bestimmt waren. Da dieser jedoch sich zu ihrem Kauf nicht entscheiden
konnte, behielt Shaftesbury die Werke fur die eigene Gemaldesammlung.
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