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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0059
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'"nnerstag, den 11. September 1919

SadisHe post — Nr. 2N

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Die ^ irbung der Front

Unter diesem Titel veröffentlicht die Deur-
sche Tageszeitung mehrere sehr wichtige Ge-
heimverfügungen des Chefs des
Eeneralstabes vom September 1917, aus
denen die unablässige und planmäßige Wühl-
arbeit, insbesondere der Unabhängigen,
hervorgeht, mit der sie Heer und Flotte unter-
minierten und beide schließlich der schmähli-
chen Endkatastrophe zuführten. Das wichtigste
dieser Schriftstücke lassen wir in einem kur-
zen Auszuge hier folgen:

Cheff des Genevalstcvbcs des Feldhceres. Ge-
,he i m. Grohes Hwuvtqaartier, den 3. Septembcr
1917. Mahnahmen gegen Verhetzung im Heere.

Durch' MffiNdung eines Aufrufes, der von ei-
nem Heizev eines Kriogchchiffss veilsaht rvar,
wurd>: vor kuirzem eine unter iden Ma-nuschasten
der Hochlfeeflotto destehende Organisation auifge-
idcckt, welche ihczweckte, die Vchatzung der Flotte
der Uncübhängigen Sozialdemoikvatischen Partei
zu^uführen und fibv die Zi<1e diefer Partoi zu
gewinnen. Bei den vorgenoimnenen Duivchsuchmr.
gen der Swchen dvr Mannschaften wurden Lilsten
übsr die Mitglreder zur Organisation gefunden,
ferner Druckschoiften dor Partei. Die Organisa-
tion vst in folgender Weise zustande gckoimmen-.
Anscheinend durch einen in Welhslmshaioen b«>-
findlichen Vertvauensmann und den zum FLotten-
dienst einbivufenen sozicrldomoikvatrschen Reidak-
teur Herre. haben Mannschaften eincs Kriegsschif-
fes FiihluM mit derPartei erlangt. Znvet
Heizer und ein Matrose machten es sich sur be--
sonidsren Aufgabe, die GedaNkcm der Partei un-
ter den Mjannschaften ihres Schiffes zu vevbrei-
ten. und ru diesem Zwick eine Organisation su
schasfen, die sich auf die gantze Hochseoflotts er-
stvccken sollbe. Geheime Vevsammlungön
in -einer Gllstwirtschaft Wilhel-inshavens wurden
abgehakten, auf d'enen die hierzu erfordvrlichen
Mabnahmen bdraten muvden. Es wuvden Msann-
fchllften anderer Schiffe für die Einrichtung von
Unterorganisationen gewonnen. Im Verlawe
dicsdr Agitation habon zwei der erwähnten Rä-
delsfü'hrer gdlegentlich einey UrlaNbes die Reichs-
tagc>abgeordneten Dittmann und Haase auf-
gesucht. und mrt rhnen und den sozialistäschen Füh-
rc,m Vogtherr und Frau Zietz. verhcrndelt.
Vm Viesen wuvde ihnen Förderung und llnter-
stützuug rugesagt, zugleich aber Vovstcht rveg'n Ge-
fährlichkeit und SitrasSarkeit des Untornehinens
anompfohlen. Als nächster Zweck der Organisa-
tion wurde ins Auge gefatzt, und ins Wo,k gv-
sctzt, Lrsten ü/bor den Beitritt der Mannschaf -
ten zur Unabhängigen Sozialdemokvatischen
Partei aMulsiellen, die auf der-Stockholmer Kou-
ferenz zum Bowdise des Eiuversständnisses der
Flottendeslltzung mit den Vestrsbungc'n dsr extre-
men sozialdemotvatrschen Partei vorgelegt wevden
sollten. Einige solcher Listen sind tatsächljch an
Dittmann gelangt. Den Fühvern der Ovganilsa-
tion war das Progrmmn dc-r UnalbbäNgigen So-
zialdomokratifchen Partei, den Umsturs nötlgen-
falls durch aktiven odcr vassiven Mider-
sta p d des Militärs hevbeizuführen. bekanni.
Sie billrgten dieses Ziel. Jn den erwähnten Dör.
scnnnilungen ilst auch allem Anschein nach über div
Mittel su seirrcir Erveichung, inshefondcre über
e'inc allgemeine Weigerung zur Arbeit der
Heizer, gespvochsn und für diese Mahnllhmen
die Zeit nach der Stockholmer Konferen- und nach
ctwaigrr Aiblohnung der von d'iäser ausgehenden
Friedensvarschlägg ins Auge gefatzt worden. Die
Organisatron hat sich auf die gsschilderte Weis«
auf mehrero Schiffe ausgübreitet. Die bis-

hee ermittelten Hauvtbeteiligten! stnd verbllftet.
Sie sehen schwerer Bestrafung entgegen.

Anzeichen, datz staatsfoindlliche und vc-vbreche-
r'rsche B'lftreibungen und Unternehmungen der ge
schildierten A!rt auch im Landheere schon feften
Fuh gefatzt hllban, sind noch nicht hevvavgetreten.
Dlltz eine solcho Gefahr llber auch ddm Hverv
droht, beweisen die unermüdlich n Versuche der
linksstehenden Sozialisten, ihre Provagandll in
dic Armeei su tvagen. Es gilt, dle Gefahr zu bv-
schwöven und auf ihre vollständlge Bäseitiguns
mit allc'm Nachdruck hinzuavbeiten. Der Aus-
gang des Krieges und das Wobl des
Rciches tönnen auf dom S v ic> l e ste he n.

Das. war im September 1917. Einiges
von den geheinren oben berichteten Wühle-
reien ist bei den Neichstagsverhandlungen
kurz vor dem Sturze Michaelis an das Licht
gekommen. Es hat zwei Jahre gedauert, dann
hatte auch die Wühlarbeit im Landheerv
ihr Ziel erreicht. Dann war das Ende da. An-
gesichts dieser Schriftstücke wird es den Un-
abhängigen schwer werden, noch immer
mit ihrem Schlagworte herumzuparadieren,
nur die militärische Niederlage habe Deutsch-
land zu Erunde gerichtet.

Was die Soldatenräte kosteten

Als dre Revolution dio Räte schuf und Aübei-
ter- unb Soldlltcnräte nur so aus dclm Boden
schoffen, gvwählte u!n!d ungewählte Räte stch
Machtbefugnüffe saben und überall hineinreideteir,
börte Man mit Recht die Klagen. datz divss Räio
mit >den örfentlichen Mitteln Vevschwenlduug tüie-
lben und sich ncrch Kräften zu bereichern wutzten.
Es gllb Winister, die von einem .jSesen der Sol-
dliteuräte" svvachen. Wären sie nicht sewefen, so
hätten wir noch vlel mehr Heevesgut verloren.
Aber es ist allmcihlich doch klar goworden. dlltz der
„Sc-gen", drn einigs Soldakenräte sMeten, von
der grotzen Mohrheit wieder vernichtot wurde.
Mir kömnen die Arbeiterräte fallen laffen, da sie
zu oiner bleöbenden Evscheinung geworden sind,
und nicht so mel Gelcgenhcit hatten, sich an öf-
fentlüchen Mtteln „gesund zu machen". Hiec sol-
len nur die Soldatenräte beurtevlt weikv>en,
die jetzb ia so nach und nach von der Bildfläche
verschwunden sind. Aus Verlangen der Natiowal-
verfaimmlung hat sich der Finanzminister endlich
gezwunaen gesehen eine Abrochnung über die
von den Soldatenräten vevausgabten und vor-
brauchten Reichsmittel zu geben. Die AbrechnuNg,
dce jetzt vorkiegt, ist ganz unvollständig. Aber ste
setzt schon iene Minister und Vcrtoidiger dor Sol-
dcrtenräte ms Unrecht. dÜe von den durch ste ge-
retteten Millionenwerten redeten. Rach oberfläch-
lichen Feststellungen sind nämlich aus Reichsmit-
teln den SoldlltenrätoN in Preutzen alleim 93
Millionen AÜark zugefloffen. Soweit Abrochnung
übevhaupt vovhanden ist (die meiston lstelten Ä>>
rcchnungen gar nicht für nötig) ersioht man,
datz drese Mllionen in die Tllschen der Horven
Näve floffen. Denn das Geld wurde von öhnen an-
gesovdert und verbraucht zum pevsönlichen und
sachlichen Aufwand. zur Verwendung für Par-
terzwecke und für alle mögl'chen Diuge, die
duvchaus nichts Mit ihrem Eiscr, Heeresgut ru
schützeu und geordnete Zustände zu schasfen, zu tun
hatte.

Wir hllben uns daneben aber auch zu erin-
nern, datz die Soldatenräte durchaus nicht so be-
scheiden maren, immer nur das Roich vim Mjittel
anzugehen. Sio nahmen das Geld. wo ste es
bekamen. Sie 'bcfchlagnllhmten wvivate rmd Vf-
fentliche Kassen und vevwandton das Geld, ühne

lbcsondeve Skrupeck. Teilweise mag das Rerch zur
Dcckung dstciser Ausgabew herangozogen sein, teil-
woiss mögen ial>d Liese „requiirierten Peträgs"
auch tn der Mbrechnung v-M 92 Mllionen enthal-
teu sein, danebcn llber laufen immer noch viiole
Fordorungen. die nstht erlediat sind und dte viol-
l>eicht vielfach gar nicht erhoben wurden. Aber
es skeht auch fost, dab die Soldatenräte bio Heere>-
Vaffen für sich oerwandten und ihve Besüge aus
dreseiw deckten, alfo in diesen Abrechnungen der
Hoorpsvscbände auch noch beträchtliche Summen
zu suchsu sind, die den Soldatenräten suflcffön.
Die Empörung in der Veoölkorung über diilo
Mitzlwirt'schaft Äer So l datie nrä te twa-
ren duvchaus berechtigt. Und wir haben ail-
len Grund damit zufrieden ru seiin, heuto nur
noch Arbeitorräte vor uns zu wiffen, Näte, deren
Bezüge beträchtlich bcschnitten sinld, sodatz ein Ar-
bcit-orrat zu foin, nicht mechr als Sincckure auge-
sehen wevden kann.

Wenn man diese veilorenen 92 Millionen
(tat>iächlich sind sie unserom Volksvermögen ver-
loron) Mit zu den Ausgllben der Nevolution rech-
net, so erchält man das Ergebnis, datz unsere Revo-
lution, die zudrst zwar unblutig verlief, doch rccht
teuor, war und vielfcrch oon gewiffenlosen Pevso-
nen dire Golegonheit benutzt wurde, die Tafchen
zu füllen. Eine wirkliche Berantwortung werden
wohl nur wenige Soldatenräte gefühtt haben,
und am besten zoigt der Umstand, dab die Abrcch-
mmg dev Fiiranzm'lnisters gänzlich unvollkom-
men ift, wie wenig Wert die Herren (Soldaten-
väte davauf ksgten, über die öffentlichen Ms.ttoln,
Äie srs vorgeudrtew Rechonschaft llbzulogsn.

Aus dem Elsah

Die Kammerwachlen

n. Dis Sozialisten leihnen nach einom
nsuerlichen Boschluß feden Kompromitz mit den
büvgerlichen Parteien ab, empfehlen vielmeihr
ihren Wählern die Machl von 9 sozicrlistischen Kan-
didatein und zwar wurden aufgestellt: Peirotes,
Hueber, Jmbs> Weill, Loetzler, Mrstotz, Heysch,
Haas und Riehl. Somit hat also die radikale
Rtchtung gesieat.

Vifchof Dr. Adolf Fritzen

ist nach Stratzburger Meldungen aestorben und
ha/t seiwem französischen Amtsnachfolger den Wsg
nun wivklich freigemacht. Er ist seit laugem der
ersts und einzige altdeutsch- Bifchof auf dem Stratz-
burger Stuhl gewesen. Am 10. Auqust 1838 in
Elovo seboren, hatte er an don Un'iversitäten Tü-
biugen, Münster, Berlin, Bonn Philosophie und
Dheoloaie stuviert, war auch zum Dr. phil. pro-
maviert warden wie später zum Dr. -theol. Von
1866—73 war er Lehrer >am Kollegium in Hoos-
dowk än der holländischen Grenze. um dann Hof-
kwplan in Dresden und Er^ieher der Sühwe des
Prinzen Georg von Sachsen (daruu'ter des spätereu
Königs) zu werdeu. 1887 ging er als Dirccktor des
bischöflichen Gymullsiums nach Metz und besleitete
in diefer Stellung auch den Prinzen >Fviedrich
Auguft auf einer Orientreise. Am 21. Auqust 1691
wurde er zum Vischof von Stratzburg ernannt, wo
er mcihr dcnn 25, Iahre qewtrkt har. Kcin Eiferer,
weder in kirchlichen noch in deutschen Dinqen, war
cr dennoch auf die Wahrunq der kirchlichen An-
spvüche namentlich tm Lchrerstreit bedacht und
fuchte durch langsames, verMnliches Einwirken
den deütschen Lharllkter der elsässischen kcrtholichen
Kirche zu festigen, wozu die Einrichtung der katho-
lischen Fakultät an der Stratzburqer Universität
1901 nicht wenig beitrug. Metterle nuch seine
Spietzgesslloii versolgten ihn desbalb auch mit be-
sonderem Hatz- Kurz nach seinem 80. Geburstaqe
kam die Revolulion und dann die französischo Herr-
schaft. Als Altdeutscher unternachm er keinen Wi-
derstand, sondern zog sich in das Kloster Nieder-
bvonn zurück. wo, er nun wochl gostorben ist, eine
vornechm« Erscheinuna inr elsäffischsn Kirchen-tum,
nach der qeistigen wie auch nach der körperlichen
Seite. Jn den letztein Illhren wiar er völlia be-
doutungslos gsworden, da er lodiqlich ein Instru-
ment in der Haud soiner Genoralvikare war.

Der Münchener Geiselmord-
Prozetz

Der Zeuge Pfitzer, der eben aus dem La-
zarett entlassen worden ist, wurde unvereidigt ver-
nommen. Er ist während der Eerselmordperiods
2. und 3. Kommandant gewesen. Er will Seide(
bestimmt qesehcn haben, wie er nach der Erschie-
tzung auf dcn Hof kam und die Leichen betrachtete.
Der Zeuge bestätigte auch, datz Levien zeitwcise im
Eymnasium war. Aus den Äussagen des Zeuqen!
Pfitzer ist noch die Mitteilung intereffant, datz der
Hauptangeschuldigte Seidel 1. Kommandant im
Gymnasium war und Hausmann dessen Stellver-
treter. Seidel hat bisher immer das Gegenteil
behauptet. Ueber die Disziplin im Luitpoldgym-
nasium sagte der Zeuge: Disziplin hat es iiber-
haupt keine gegeben, es tat jeder, was er wollte.
Im Aufange waren auch gute Elemente unber den
Leuten, zuletzt waren es zum Teil

Vagabunden und Landstrcicher. ^

Auch Frauenspersonen waren im Eymnasium;
in der Kantine eine sogenannte „Krankenschwe-
ster", die dann von einem gewiffen Drumm verge-
gewaltigt worden ist. Auch oei diesem Zeugen
beantragte die Verteidigung die Veretdigung vor-
zunehmen. Der Staatsanwalt war jedoch dagegen,
weil Pfitzer als drttter Kommandant der Mit-
täterschaft dringend verdächtig sei. Das Ee-
richt schlotz sich dem Antrage des Staatsanwalts
an.

Der Zeuge Kammerstätter war Begleit-
chauffeur beim Personenautomobil des Seidel. Er
schilderte, wie ein Soldat vom Kr-ieüsminlsterium
auf sein Zimmer gekommen sei. Der Soldat habe
vn Abwesenheit Seidels erklärt, im Grünwald
seien Sanitätssoldaten erschoffen worden.
Dafllr solle man Vergeltung üben. Der Zeuge set
dann in die Wohnung Seidels gegangen und habe
ihm die Entschlietzung des Kriegsministereumr
übermittelt. Setdel habe dann zu ihm gesagt:
„Wenn Du es machen willst, und den Befehl aus-
führen willst, kannst Du es machen." Kammerstat-
ter sei dann zu Schickelhofer gegangen und hllbe
ihm von dem Befehl Kentnis gegeben. Der habe
geantwortet: „Eib sie mir nur runter, die zwet
da (gemeint waren die beiden Husaron)." SHik«
kelhofer habe dann Leute zur Erschietzung zusam-
mengesucht un.d sei dann in den Hof gegangen. wo
bereits eine Anzahl erregter Soldaten standen. Die
beiden Husaren hätten sich dann an die Wand
stellen müffen, die Schützen im Halbkreis um sie
herum. Dann habe sich Schickelhofer entfernt.
Kammerstätter habe dann noch die Schützen ge-
fragt: „Könnt Jhr das auch ws<klich tun?" Einer
habe darauf erwidert: „Das können wir schoni
Die „Weitzen" haben meinen Schwager erschoffen."
Dieser Mann sei der Angeklagte Iosef Seidel qe-
wesen. Der Zeuge bestätigt auf die Fragen des
Vorsitzenden wiederholt: Er habe ganz genau ge-
sehen. wie Setdel ein Gswehr qehabt habe und in
der Linie gestanden sei. Der Zeuge sagte weiter,
datz später ein Mitglied des Aktionsausschuffes zu
Seidel und Hausmann gekommen sei und sich we-
qen der Erschietzung der Husaren erkundigt habe.
Seidel habe gesagt. das seien Noskehundeqe-
wesen! Der Zivilist habe qefragt: „Hatten sie Aus,
weise von Noske?" Daraufhin habe Seidel dem
Kammerstätter den Befehl geqeben. die Papiers
zu holen. Kammerstätt-v habe dann einen Kamo-
rcden beauftraqt, die Leichen zu durchsuchen, da er
es nicht könne. Schließlich hätten Russen dis
Leichen durchsucht, aber keine Papiere qefunden.

Ueber die wichtiqe Telephonszene am Nachmit-
tag des 30. April saqte der Zeuqe. auf dem, An-
ruf vom Kriegsministerium hin fei Hausmann an
das Telephon gegangen und habe gesagt: „Eben
telcphoniert Egelhofer. in Erünwald ssien Sa-
nitäter erschoffen worden. Dafür müffen wir Eei-
stln erAstetze::.' Seidel habe zuerst gez >qcr» oa"..i
aber ge'0'/t: ..Wenn es nicht anders qebt, nachhcr
müffen wirs halt machen!" Der Vorsitzenbe hielt
dem Zcugen vor. datz auch er an der Erschietzung
der Geiseln beteiligt gewestn sein soll. Der Zcugs
bestätigt dies. Nun macht der Angeklagte Iosef
Seidel dem Zeugen den Vorwurf, er habe mü auf
die Eeiseln geschoffen. Der Zeuge behauptet das

Der Baum der Enthaltsamkeit hat Genüg
samkeit zur Wurzet, Zufriedenheit zur Frucht.

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Oie blaue Spur

Roman von Julius Regts
Aus dem Cchwedischen übersetzt von E. v. Kraatz
OopxriLÜt 1917 b^Qretlilein^Lo. O.m.b.tt. ^elprig
(5V. Fortsetzung)

Wallion blickte in ein bleiches, einsefallenes
Gesicht mit sichtlich neu entstehendom. ungepflegten
Schnurrbart und scharfen Gelehrtenaugen hinter
Lo.Idenem Kneifer, und er wutzte, datz er endlich
dor dem airdern stand . . .

»Guten Abend. DoStor Arthur Heffetman!"

Der andre fuhr wie ein Sturmwtnd aus ihn zu
und packio ihn an den Schultern.

„Sie wiffen, wer ich bin?"

..Ia, ich Weitz, datz Sig Dr. Arthur Heffelman
sliid, und ich -weitz auch, datz >es Ihr Bruder Edvard
He„elman war, der am 25. Mai getötet wurde."

Ein heisorer Schrei. Wallion mandte den Kopf
und evblickte den Bedienten Iohn Andersson, der
von Kopf bis zu Futz hsbend noch inuner das Licht
ui de^r Hand hie^.

..Ich bins niM gewesen, der Sie verraten hat,
Doktor!" rief der alte Diener mit zitternder
Stimme.

..Veruhigen Sie sich, A.ideirslson", sagte Mallion
sreu'idlich. „Es bedurfte keiner Verräterei, uim
Mlli) iiistcmd zu sttzen zu beweisen, Datz 'Ihr Herr
-y.ot, obwohl er allen Zeugenausisageir nach lam

Mai erfchoffen nnd später ibeqraben wurde."

44. '

öesselman nahm den Kuoifer ah und
lrocci'.oie die Glüser, roährend der Detektidrepor-
tete kurzlsichtisen, neugierisen Ausen betrach-

"^r '"'e eiir Wunder vor. ldatz Sie
Mct) aifgespurt haben". saqte er. ..Wie haben Sie
»as rertig gebracht?

»3«, es war ein !a "v.-r W-:--, vie'en Ecken,

aber Olietzlich vlückto es doch". erwiderta der
Journalist.

Er qab einen kur.zen Ueberblick über seine Nach-
forschungen bis zu seinem Vesuch beinr PhotoWa-
phen, samt den überraschenden Schkutzfolüerunsen,
die> sich ldaraus ergabsn. Der wieder aulferstandene
Delehrte hörte schwrigend und intersssiert zu.

„Als ich den Beweis in Hünden hielt, datz Iihr
Bruder sich cvls Doppelgänger verkleidet hatte, um
die Amiqos de la Liberdad irreguführen, stellte ich
mir selbstverständlich die Frage: welcher von die-
sen beliden Doktor Hosselmans ist nun eigentlich ge-
tötet .worden? Der wirkliche oder der falsche?
Und dabei trat der Umstand >mit der Ziaarre in
ein überraschendes Licht. Es rvar stavk betont wor-
deir, datz sie Nichtrwucher -wiaven, aber feit der
Stunde, in der Ihr Vrudor in der Villa eintvi-fft,
fangen Sie an zu rauchen. Ihre Tochter hat aus-
gesagt, Sie hätten nach Ziaarrenrauch gerochen,
wutzte fodoch nicht. datz ste damlals in der Halle
nicht Jhnen, sondecn dem falschen Doktor Heffel-
wan beaegnet war. Nattirlich war er der Raucher,
— Sie sind zu alt. um von einem lebenslänglichen
Gvundsatz abzugcchen - - ."

„Tabak uüdcrt mich an". murmelte der Doktor.

..Fa- In meinen Rotizen über die Untersuchung
am Abend des 25. Mai steht geschrieben: Paulin-ens
Angabe über Rauchen bostätigt: Zähne des Toten
die eines gewohnheitsmätzigen Nauchers; seine
Kleider strömen Ziaarrengeruch aus; auf dsm Tisch
im Arbeitszimmer eine halb aufgerauchte Zisarre.
Doch evst, «ls ich von dem Vorhändenffein eines
zweiten Dr. Hesselman erführ, wurde mir die un-
crhört« Vodeuts-amkeit der Zigarrenfrags klar: es
wcrr der falsche Doktor. der ernwrdet worden war,
und der wfrLliche, der Nichtraucher war noch am
Lebenl Gestattsn Sis mir die BemeEung, datz
dieiser uiiuingängliche Schlutzsatz auch einigermatzen
überraschte."

„Das glaube ich", versttzte der Doktor trocken.
'Latzen Lie mich meiwevseits erklären. datz Ihrs
ganze Darlequnq durchaus richtig ist. Ich kann sie
llbor vielleicht durch Einzelheiten vevvollständigen.
Datz ich gkiubte, mein Bruder wäre var Jahren
gostorben, ist wachr. Sie können sick dennoch meine
sturmische Freude vorstellen, als ich tm vergangenen
Herbst etnen Brief aus London evhiett, worln er stch
mir zu erkennen gab. Er Lerichtete mir qenau
über seine Händel mit den sogenannten Freiheits-

frounden, deutote beiläufig an. datz er vielleicht
meines Beistands bedürfon mürdo, und fchickte mir
don Scylüssel zu der Geheimschrift, indem er mich
Loschwor, alles dies geherm zu halten. Dann kam
am 2. Januar ein verzwoifelter Hilfeschrei aus
Hamburs, und dcr entstand bei mir der Pllln, ihn
vei mir verbargen zu halten. Ich lietz mich pho-
togvapchieren und sandte ihm die Bilder swmt qe-
nauen Jnstruktionen. Am 23. März wurde er dann
in einer Packkisbe versteckt nlach der Villa qebracht,
ncrchdom ich Andersson in unser Gehei.mnis einge-
wecht chcttte. Es lietz stch leicht einrichten, datz inv-
mer nur ie oiner von uns stch zeigte: auf die Weise
bchiolt er eine gewiffe Bswogungsfreicheit, ohne die
es unmöglich gowesen wäre, ichn zu verbergen.
Aber als Dr. Heffelman konnte er qchen, wochin er
v-ollbs. So> hielt er sich beWielswelse <m jenem
25. Mai lbis acht Uhr abends in der Stadt auf.
Wir hatten die Absicht diese Komödie fortzufetzen,
bis Quiveva gesteat hatte. Erst dann konnten die
meiwem Bvuder anvertrauten Dokumente ochne Be-
denken zurückgogeben werden. Weniqo Dase vor
meines Bruders Tod erh'vlten lbir qenauo Vor-
schrifton von Quivera über die AuÄieferunq der
Schriftstücke auf telegrcrphische Anweisung. hin. Ein
Verfuch der Nobeiras, stch jenes Quioeraschen Brie-
fes zu bemächtigen, schluq fchl. Indessen nachm
Gövard mir das feierliche Versprechen ab, die Pk-
pievo in Devwcchrung zu nehmeii. falls ihm etioas
zustotzen sollte, und das gelobte ich ihm. Am näch-
sten Abond wurde er ernwrdet."

Dr. Heffelmans Stinrme zitterte und wollte fast
versaqen.

„Äuch über den Ato.rd werde ich Ihnen berich-
ten", ftchr er nach einer klcknen Pause fort. „In
der Hauptfache qing alles sn, wie Sie es in Ihrer
Zeitüi^ gÄchildert haben. Morgens las ich die
letzte Botfchafft uusrer Gssner an der Gartentür.
Sie war kurz: „Heut abend um zchnl" Weiter
nichts. Wir wagten nicht, ihnon den Zutritt zu
verweigern. Beim letzten Vesuch dieser Leute hatte
ich sie «mpfanaen, aber jetzt beschlotz mein Vvuder,
an meiner Stelle — nllttirlich als Dr. Hesselman
— auffzutrpten. Ich blieb unruhiq und nervös in
der Bibliothok zurück, während moin Druder ste ein-
lietz- Ich konnte es nicht unterlaffen. zu horchen,
und glauüie zu hören, datz es die Goschwister Ro-
beira waren, die diesmal erschienen. Wovüber ae-
sprochen wurbe. konnts ich nicht verstol>en. doch

merkte ich, datz sie Edvard für mich zu halten schie-
nen. Die Unterredung dauerte eine Stunde. An-
tonios Stimnro wurde immer trotziger, und plotz-
lich knallten zioei.Schüffe. Jch hörte j«m/and mllen.
Einen Augenblick vermochte ich mich oor Schreck
nicht zu rU-ren, dann stürzte ick auf die Tür zu
und ritz sie auf. Das Arbeitszimmer war bur,ol.
aber vom Fenster aus schotz mir ein Blitz und Knall
entgegen und unmittelbar daranf erblickte ich An-
tonw Robeira eine Sekunds lana in der Feirster-

fen im Zimmer. Das war moin Vruder. der tot
vor dem Schreibtisch lag."

„Es war also doch sein Novolver. der «rcbon
thim aujfsefunbon wurde?" fraste Wallwn.

„Ja, ol)ne Zweifel: der Revolver. den er rmmer
bei sich trus- Ich denke ȟr, datz Robeira drohte.
und Edvard zur Waffe griff, um sich zu verteidigen.
Wie geläbmt stand ich da, — aus^rstairde. em«n
klaren Gedanken zu fassen! Ich schlotz mich nnt
dem Toten ein, um Zeit zu semilinen. und es
schnitt mir ins Herz. als ich ntein Tüchterchen jen.
seits der Tür weinen hörte. Plötzlich klettertej
^ohn dnrcho Fenster hercin. und wir standon em«
Minuto lang leichenblatz da und stierten uns an.
„Was soll ich tuu?" flnsterte ich. «Die Polstzei
wird sleich da sein", evwiderte Iohn ebenffo ttffe.
Die Polizei! Ich fuhr zusam.in.en. dcrnn mit euiem
Male erimierte ich mich meines Versprechens. Ma^
sollte jetzt aus den Papieren werden. Mein.Ver-
spreckM tnutzte ich um jeden Preis halten. und wio
c-in Blitz ftchr mir der Gedanke durch don Kopf:
ich konnte fliehen, dann war kein Hesselman zuviel
da. — mochte man Edvard also, vorläufig für nric(
h-alton . . ^

„Uird da entflohen Sio durch die Gartentur!
„Ja, ich entfloh. kam absr in der nächsten Racht
wieder, um dis Papiere zu hol-en. Da seschah es
dllsr Pcrulin« mich wiederorkannte. Aber ,ch zelgr«
rhr mein -Gosicht: glatt rastert^und oh"e Kneife,
war es nicht wiederzuerkennen.

kstiortkekung folat». ^_

MMmMmml
 
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