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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0217
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Donnerstag, den 9. OLober 1919

Vadische post - Nr. 233

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Das brennende Tlsah

Das Oktoberhest der „Deutschen Nation"
ver'össentlicht über die Lage i,n Elsas» Zn-
formationen, denen wir Folgcndes ent-
nehmen:

Es brennt im Elsatz und in Lothringen.
Das ganze Land ist zum Pulverfaß geworden,
und an allen Ecken und> Enden fchlagen die
Flammen aus.

Die sozialistischen Organe Mülhausens und
Straßburgs rusen das Volk auf gegen- den
„F r e m d l i n g". Der katholische „Elsässer
Kurier" tut wohl oder übel mit, er hat Verlan-
gen nach der Volksvertretung,' nach dem Natio-
nalrat, der vor nun bald einem.Iahre von
Frankreich mit eleganter Handbewegung zur
Seite geschobeu wurde. In der „Republik",
dem demokratrschen Blatt Straßburgs, dessen
„directeur politique" Blumenthal ist, wird von
dem Leitarttkler Dahlet, dessen Freundschaft
füc die Franzosen vor kurzem noch über allen
Zweifel erhaben schien, mit allen Elöcken ver-
kündigt, im Elsaß müsse vorläufig Deutsch
Tiumpf sein in Eericht, in Schulen, in Ver-
waltung: Wir sind hierzu Hause und
nicht die Franzosen!"

Den letzten Anstotz zum Ausbruch der leiden-
schaftlicherregten Volksstimmung hat ein Vor-
lommnis in Metz gegeben, das unwillkürlich
dre Erinnerung an den Fall Zabelll unseligen
Gedeilkens aufsteigen läßr. Der Lciter der
Elsenbahnwerkjtätten ließ sich zu der Bemer-
kung hinreißen, die Elsaß-Lothringer seien in
der Mehrzahl „bochcs" und täten am besten
daran, sich über den Nhein zu begeben. Das
führte zu Krawallen zwischen Arbeitern und
Franzosen, führte zur Arbeitsniederlegung auf
dom ganzen lohringischen Eisenbahnnetz. znr
Ausstellung extrem-partikularistischer Forde-
rungen iil der Sprachenfrage sowie in der
Frage der Besetzung der Beamtenstellen. Vor
allem wurde die Entfernung von Herrn Neger
nicht nur aus Lothringen, sondern aus Elsaß-
Lorhringen überhaupt gefordert. Die Post-
und Telegraphenbeamten schlossen sich an; die
Franzosen sahen sich in ihrer Hilflosigkeit ge-
zmungen, den Belagernngszustand zu verhän-
gen. Da Elsaß-Lothringen heute mehr denn
je eine seelische Einheit ist, so wurde auch das
Elsaß sogleich von demselben AffekL ergrisfen.

Heute aber schon läßt sich mit Fug und Recht
sagen: Frankreichs e l s a ß -! o t h r i n -
gische Legende ist znsammenge-
brochen. ckLs mag das Land physisch eine
Zeit lang behanpten, seelisch gebört es ihm
nicht,' das französische Elsaß-Lothringen wird
ein lm Namen der „Freiheit" geknebeltes Elsaß-
Lothringen sein, das sich mit all der hartnäcki-
gcn und auch wieder geschmeidigen Wider-
standskrast des alemannisch-fränkischen Erenz-
lünders seinem Herrn und Meister gegenüber
ausbäumen wird, bis dessen Hände locker wer-
den und er das Land seinen eigenen Weg ge-
ben lassen muß. Denn Subjekte wollen die
Elsaß-Lothringer werden. Daß sie es auch'im
Deutschen Neiche nicht voll waren. das war
ihr und unser Unglück. Nor einem Iahre ge-
lang es Frankreich. dnrch die geschickte Ve-
nutzung der qequälten elsaß-lothringischen
Stimmung die Welt ;u täuschen. Sein böses
Gewissen gab ihm unter Hinweis auf die Emp-
fangsfestlichkerten die Parole ein: „Le plebis-
ciete est fait" und so lehnte es mit der Ueberhe-

bung des Siegers und der Aengstlichkeit des
Belrügers den dentschen Vorschlag der Volks-
abstimmung ab. Es wußte sehr wohl, däß ein
gut Teil der Begeisterung beim Empfang äuf
d'e 12 Millionen Franken zurückging, die, wie
im Elsaß die Spatzen von den Dächern pfei-
s«m, die Societe Rohan soll im Lande haben
spielen lassen, auf das Weißbrot und den Rot-
wein und die vielen anderen schönen Sachen.
dre aus den deutschen Veständen stammten, aus
den Friedenshunger der Masse der Bevölke-
rung, auf dies romantischen Träume von Prie-
stern, Frauen und alten Leuten.

Die altsn Leute, die Frcruen, die Priester
und die Kinder waren daheim in Elsaß-Loth-
ringen, als die Franzosen kamen; nicht da-
h <- i m aber war der Kern des Volkes, war die
wehrfähige Mannschaft vom 17. Lebensjahr
bis über das 40. hinaus. Sie stand in der
deutschen Armee und kehrte in ein französtsches
Eljaß-Lothringen heim, mißachret. bearg-
wohnt, benachteiligt, übergangen. Nunmehv
aber ist es die Masse der elsaß-lothringischen
Männer, die sich zum Wort meldet. Eestählt
durch den Krieg, müßlos gereizt durch die
Ueberhebung der Fremdlinge, in ihrem Ethos
verletzt durch das Denunziantentum und die
gemeine Eünstlingswirtschaft, die sich im Lande
breit machen, sieht sie sich zum Kampf um ihre
Hcrmat gezwungen, weil sie, die alemannisch
und fränkisch spricht, fühlt und denkt, in einem
französischen Elsaß-Lothringen unweigerlich
vnter die Räder kommen muß.

Deutsches Reich

Ein demokratischer NUffel

Wir lesen in der demokratischen „Magde-
burger Zeitung":

„Zu Hindenburgs Geburtstaa baben
d'ce Dsutscklnationaüen und die Deutsche
Volkspartoi oiiizielle Glückwünsche
gesandt, die Demokraten nicht. Mir evklÄ-
ren srei und offen, daf; wlr es iür eine Töloe-
lei ersten Railges balten, datz wedsr dio dr>-
mckratische FraMon der NationalversammluN'g
noch sonst ciire bcrufene Stelle am Geiburtstag des
Generalfelidmarschalls einen Grutz für rhn übrig
batte. M>an bat, fo nröchten wir annobmen, dio
Sache einfach veriüummelt, wie man des richti-
geu jSinnes sür I m v o n de r abi lion an
mavgsblichrr Stelle überbauvt noch ermain--
gelt. Hindenburg verdienk wabrhaftfg Dan?
uind Grutz allex Deutsthen in diesmal vielkeicht
noch böberem Mahs als in den früheren Iabren.
Auch der Demokraten!"

Grob, aber deutlich! Aber vielleicht wollte
man bei den Demokraten, wie üblich, bei der
verzärtelten Sozialdemokratie nicht anstoßen,
noch dazu, nachdem man sich gerade wieder im
Kabinett zusammengefunden hatte.

* Als erster Präsidentfchaftskandidat für ^.die
deutsche Republik tritt der ..Vodenreformer" Adolif
Damaschke auf den Plan! lIn seinem Organ
teilt. er in.it, daß er von Hainburg aus alS Kandi-
dat aufaestellt worden sei und diesem Rufe zu fol-
gen gedenke. Wir gebeM die Nachricht wieder, weil
sie doch durch Äie Preife zeht.

* Die neue Neikskokarde. Eine vom NeichSprä-
sidenten und Neicbswehrminister unterzeichnete Ver-
fügung vom 29. Septembcr bestimmt: 1. Statt der
bisherigen schwarz-weiß-roten Kokarde ist auf denr
Besatzstreifen der Dienstmüße iin Eichenlauibkvainz
eine Reichskolarde zü tragen. die den Reichsaldler
auif goldenem Grunde darstellt. 2. An der Feild-
müho ist nur eine Tuchkocarde. und zwar a>m Be-
satzstreifen in den Landesfarden zu tragen.

Was der Frieden bedeutet

Begiim der Aussaugung Deutfchlands

In der öffentlichen Sitzung des Reichsrats am
letzten Samstaa wurde der Entmurf des Etats
des Reichsschatzministeriums durchberaten. Der
Etat ist von einer gayz außerordeirtlichen Bederr-
tung geworden. weil in ibm die fämtlichen Ver-
wertungsstellen der früheren Militärverwaltung.
die Vermögensverwaltung der besctzten rheinischen
Eebiete. die Reichsverpflegungsämter. die Reichs-
bekleidungsämter und die Nemonteämter enthal-
ten sind.'In dem Etat wurden bei der Beratung
etwas über 100 Millionen Mark an den gefor-
derten Summen gestrichen und bei den Einnah-
men eine Erhöhung von uber 100 Millionen Mk.
im Einverständnis mit der Reich«egierung einge-

Von besonderer Wichtigkeit auch in Bezug auf
die Höhe des Etats sind vornehmlich die Titel
12a. b und c von Kapitel 2e des außerordentlichen
Etats. Es werden dabei gefordert unter 12 a für
den Hohen Ausschuß der alliierten und assoziier-
ten Mächte für das halbe Iahr Oktober bis April
fünf Millionen Mark. Der Hohe Ausschuß nimmt
für sich die am besten e i n g e r i ch t et e n V i l-
len und Gebäude in Anspruch. Nach An-
gabe der Stadt Koblenz werden 80 bis 90 Fa-
milienwohnungen für den Hohen Ausschuß erfor-
derlich werden.,' -^Für die Unterbringung der Ge-
schäftsräume besteht ebenfalls ein großer Bedarf.
so daß die angeforderten fünf Millionen kam aus-
reichen werden.

Jn Titel 12 b wird für die Unterbringung der
interalliierten U e b e r w a ch un g s a u s-
fchüsse für Heer. Marine. und Luftfahrtange-
legenheiten ebenfalls fünf Millionsn
verlangt. Diese Forderung gründet sich auf dte
Festsetzung des Artikels 205 ff. des Friedensver-
trages. Darin sind sogenannte interalliierte
Ueberwachungskommissionen vorgesehen. deren
Aufgabe es ist. die Durchführung aller Bestimmun-
gen des Friedensvertrages übec Landheer. See-
macht und Luftfahrt zu überwachen. Diese Ueber-
wachungskommissionen dürfen ihre Dienststellen am
Sitze der Zentralregierung einrichten und an jeden
beliebigen Punkt des deutschen Staatsgebiets Un-
tertommissionen entsenden. Dementsprechend soll
zunächst eine Hauptüberwachungskommission in
Berlin und mehrere Unterkommissionen in zehn
anderen deutschen Eroßstädten gebildet werden.

Für die Ueberwachungskommission in Berlin
wird oon der Entente gefordert

1. zur U n t e r b r i n g u n g der Unterkommis-
sion für Heer und Marine: äf für Wohnzwecke der
Offiziere em Hotel mit 300 Zimmcrn: b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer: c) weitere Unterkunft
für 300 Offiziere und Mannschaften: ck) Abstell-
raum für 00 Automobile.

2. Für die Luftfahrtkommission: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Z mmern:
b) für Geschäftsräume 100 Zimmer: c) Unterkunft
für 450 Personen: ck) Näume für 60 Automobile.

Die Unterbringung der Heer- und Marinekom-
mission soll in der Weise erfolgen. daß füc Wohn-
zwecke ihr das Hotel ..Kaiserhof" mit 185 Zim-
mern. für Geschäftsräume das Haus Wilhelm-
straße 62 a mit 40 Zimmern und für Mannschaften
und Automobile die Kaserne in dex Karlstraße
bereitgestellt wird: die Kommission fordert weitere
Geschäftsräume in der Nähe der Wilhelmstvaße
FUr die Luftfahrt-Unterkommission ist folgende
Unterbringung vereinbart: für Wohnzwecke der
Offiziere das Hotel Eden mit 160 Zimmern
für Eeschäftsräume die Militärtechnische Akademie
mit 150 Räumen. Dort sind auch 150 Mannschaf-
ten und 30 Automobile unterzubringen. Für die
anderen Räume hat die Kommission noch Forde«
rungen ge'stellt.

Vei Titel 12 c werden für d'e Unterhal-
tung dec alliierten und assoziiertvil Besatzungs-
truppen in den Nheinlanden 210 Millionen
Mark gefordert. Auch dieser Betvag reicht bei
weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür von der Entente

892 185 000 Mark in Anspruch genommen
worden. Jr.qend welche Rechnunqölequnq war bis-
her trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. Hier-
nach muß der Satz von 35 Millionen für den Mo-

nat ebenfalls als zu gering bemessen angenommen
werden, wenn nicht eine erheblich'e ReduzierunA
der Zahl der Besatzungstruppen eintritt. Es muß
mit mindestens einer Erhöhung auf 50 Mtllionen
monatlich, also für das Halbjahr auf 300 Millio-
nen. gerechnet werden.

Beim Titel 13 wird für die Grundstücks-
erwerbungen. Neubauten und grö-
ßere Umbauten anläßlich der Unterbringung
der Besatzungstruppen im Rheinland die Summe
von 20 Millionen Mark verlangt. Diesex Betrag
wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls
um ein Vrelfaches überschritten werden. Die A n-
forderungen der Besatzungstruppen für Un-
tcrbringungszwecke sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städt.
Verwaltung 13 Millionen Mark angefordert wor-
den für Neubauten, dre von der französrfchen Ve-
hörde in Aussicht genommen worden sind. Wel-
cher Art diese Bauten stnd. hat diese noch nicht an-
gegeben. so daß jede Nachprüfung der Frage. ob
die Forderungen nach dem-Rheinland-Äbkommen
gestellt werden dürfen, noch unmöglich ist. Be-
kannt geworden ist bisher der Reichsreg'erung le-
diglick. daß erfordert rverden 314 000 Mark für
den Umbau und die teilweise Neuausstattung des
Offizierkasinos, 121000 Mark für Aendenmgen in
verschi^denen Kasernen. eine Million Mark zur
Herstellung eines Forts zu Wohnzwecken. Dune-
ben sollen die Kasernen. die mit Oefen ausgestat-
tet sind.

mit Rücksicht auf die fchwarzen Truppen mit Zen-
tralheizunqs-Anlaqen
verfehen werden.

In dem Titel 14 werden 40 Millionen Mark
gefordert für die Beschaffung von Verpflegungs-
vorräten durch die Reichsverpflegungsämter des
besetzten rheinischen Eebietes. Auch hier ist die
Endfumme noch nicht zu übersehen.

» » » »"-'-> > . -

Schon die nückterne Aufzählung ist furchtbar!
Und was wird noch weiter kommen? Wenn man
sich übrigens vergegenwärtigt. wieviel Mann
Reichswehr künftig in Berlin stehen werden.
kommt man zu dem Ergebnts. daß forran tn der
deutschen Hauptstadt mehr feindliche Offt-
ziere und Soldaten sein werden al^deutsche!

Badische Politik

Medriger hängenl

Vom Landesverband Vaden der
Deutschen (lib,) Volkspartei wird uns
geschrieben:

Die Deutschnationale Volkspartei
bodient sich gegenwärtig einer ganz eigentüm -
lichen Waffe zur Bekümpfung der ihr an-
scheinend unangenehm mächtig werdenden Deut-
schen (liberalen) Äolkspartei. Nach der Bad.
Rundschau. der „Süddeutschen Zeitung" Nr. 267
hat Generalsekretür Dumas in einer öffentlichen
Versammlung der Deutschnationalen Volkspariet
in Offenburg sich dahin ausgesprochen. daß .dec
einzige Unterschied zwischen Deutscher
Volkspartei und Deutschnationaler Volkspartei in
der Tatsache zu suchen sei. daß erstere auch Iuden
in ihre Reihen aufnähme. Auf die alte Behaup-
tung. daß eigentlich kein Unterschied zrvlischen die-
sen Parteien bestehe. haben wir Leine Veranlas-
sung. hier erneut einzugehen. Es muß jedoch be-
fremden. daß der Eeneralsekretär der Deutschnatio-
nalen sich. offenbar um demagogische Wir -
kung zu erzielen. zu einer Behauptung hinreißen
läßt. deren Unrichtigkeit. wie wir seiner Stollang
nach annehmen müssen, ihm wohl bekannt ist. Die
Deutschnationale Bolkspartei ninimt
bekanntlich ebenio wie die Deutsche Volkspartei
Juden auf. wenn sie gewillt sind. ehrlich auf
nationalem Boden an der Wiederaufrichtun§
Deutschlands mitzuarbeiten. Es entspricht dies
auch der Stellunanahme des Deutschnationalen
Hauptparteitages zur Iudenfrage und einer offi-
ziellen Auslassung des Vorsitzenden der Deutschna-
tionalen Partei. Staatsminister a. D. Hergt. dre
erst wieder vor einiaen Tagen' durch d'e Presse
giug. Wir stehen aenau so wie die Deutschnatio-
nalen auf dem Boden des deutschen Volkstums.
Die Iudensrage macht uns keine Schwi.erigkeiten.

n itt d-s

Jn den Herzen muß es keimeil, Iü

N lveiin es besser lverden. soll. A

« G o t t f r i e d K e l l e r. w

Zonnenfinsternis

Roman von Else Stieler-Marfhatt
Cop)-riLbt bzr OretbleinkLo. O.m.b.N. TeipLiL 1916
(9. Fortsetzung)

Am Graslerhofe ist sie danq vorbeigesangen.
Der Mef hat in der Tür gelehnt und stch mit
sreiem Eruße ihr angeschlossen.

Seine zwei Augen hat er noch gehabt . . . für
reenige Tcvge just waren sie ibm nocb aslasson, denn
am Osterdienstag hat er dann bei einem wüsten
Raushandel in der Tanne drunten das eine ver-
lorcn, ohne daß je herausgekommen wäre, wcr es
ihm ausgefchlagen.

Damals haben sie noch beide flackernd und
lcuchtend ihm im Antlitz geleuchtet und aebrannt,
die wilden gefährlichen Lichter, zwingend und
herrisch und zum Erausen feurig. Da sind die
jungen Leuts mitsammen durch den Mald ge-schrit-
ten oin hsvligen Morgen. vsrtraut und freundlich,
Bergwachbarn Äie einander kannten seit Kinder-
zeit^n Die einander wahvlich nicht feind waren.
Denn die gute Eva, seit sie die kurzen Flatterröck-
ch n abgetan und das unbändig langs SchwarAaar
mit starken Nadeln am Haupte gefesselt gehcvlten,
hat g>.rn mit dem Eedanken gespielt, Grasler-
bäuerin zu werden, wenn die Zeit dazu reif sei.
Der Josof, hsi, der stieg ihr fa nach auf allen Pfa-
den, der lsagte es unverhohlen im Mammenspiel
sein?r Augen und ost auch in Worten, nicht eben
üemählt und zart, wie er brannte nack ihr.

llnd s^» sjntz ijs ggr heiligen Freitag geruMm
den Wa vsteig dahinaeschlendert. Ihr wenigstens
Yt so liebiich geruhsam zumute gowesen . . . dem
Buchfinkentcillern hat sis gelau'cht und sich des
wachcnden Frählings gesreut.

llnd hat p ötzlich die Finger des Iofef, alle
Aehn, wie surchlbar- Krall-'.i im meichen Fleische
fhrer Schultern jchinait svliren lnüssen. Seine
Llppen n > ",-n - 'rrnnt, s.e hat stch

drs w'/d .. . ?

Ilnd die Finken haben dazu gejubelt und ge-
lacht! Aber zwischen den Bo>aolstiln>men tst ein
Pfeifen vergnüalich aufgeklungen, das nicht aus
einer gefiederten Seelr tönte.

Mit einem lachenden Fluche ist der Iosef da-
vongesvrungen, guer iu den Wald hinein. Der bvu-
taile Ueberfall aber hat in des Mädchens Herzen
glühheißen Zorn und eiskalten Haß aufgoweckt.

Der alte Ga>briel ist des Weges gokommen, wie
einen Heiligen hat sie ihn bearüßt.

„Hab gar nit gowußt bis heut. wie lieb ich dir
bin, mein Maidol", hat der Schelm gejsagt. Aber
seii dom/Kavfreitag ist die Eva eiq.e andere gewor-
oen. Sie hat ihr Eeheimnis bowalhrt. Wohül
Gott, daß dem Vater nichts davon zu Ohren koiinmt.
Um ihrotwillen soll er nicht im Zorn «inen M>en-
schen ev'chlagen.

Als aber dom Iofef das grause Unalück wider-
fuhr . . . als Vater und Mutter. besonders die gule
weiche Mutter, ihn beklagten. hat sie ibren Iubel
kaum verbergen können . . . Eottesgericht . . . «ie
ein Triumphgesang sst es in ihrem Herzen aufae-
kiungen . . . Gottesg.'richtl

Abcr die furchtbare Strase ist ihr nicht SUHne
genug, ihren Haß erschlägt sie nicht, der letbt und
wird leben. solange Iosof auf der Erde wei>lt, . . .
es ist dcr Haß vom Ätordhos.

Und die Eva droben auf dem schwänkenden, be-
rauschend duftenden Heu schlinst ibr kloinos rotes
Tuch wieoer um dio flatternden Haare, sie fröstelt
am warmen Iuniabend. Und beide Hände fchlüg>t
sie vo.r die Augen . . . jubelt. ihr unormiidlichen
Sänger . . . ihr -ahnt es nicht, daß ihr oin Hastliod
singt! . . .

Der schwer belaftete Wrgen kommt aus dem
Hochwald hervor-auf die Matte. die den Hof um-
hegt. Nua werden die Berge wioder den Ältcken
srei.

In starrer steinerner Schönh.-it hsbt stch der
Hochschorn breit uiid mächtig zwischen feinen beiden
jchlanken feinen Schwestern Rotnadel und Sonnen-
flügelspitze.

Scbavf und klar zeichnet sich der Bau auf seinom
Eipsel gegen den Himmel ab, die Fcvhne steht llber
dem Turm als meißer alänzendsr Punkt im leuch-
tcnden Bau.

Von der Rotnadel gegen Westen schioben sich
die anderen Bcrge i» immer sanfteren Formen

zutrarvlich ineinander, über den äußersten,'kleinsten

und zierlichsten zieht zsrteiltes Eemölk.

„Das Wichtel raucht", sprach der alte Knecht
und wios mit dem Peitschenstiel dorthinüber .
es locht sich Regensuppe zur Nacht."

Der Bauer nickte und schaute zum Hochschorn
empor.

„Der droben ist verläßlich. Ilnd er meints sut
Mit den Bauern im Gsbirgo. Morgen so>ll der Bub
fhm Mtlch und Eier hinauftragen und anfragen,
wann wir die Hofwiese mähen können."

„Den Gang rvill ich tun, Vater". riof Eva rafch

un!d bestimmt von ihrem hoben Thron herab, in
einom Ton, a>
ehrt ihn mehr, und sehen will ich ihn halt endlich

xegen den os kein Auflehnen sab. »Es

auch einmal, den Wundsrmann vom Hochschorn"
Das wobl untor Dach gebrachte Heu stimmto
den Alten friodlich Er hatte nichts einMveyden.
Ilnd Eva ließ die wilden Eodanken im Mvlde.

IIn der Nacht noch rauschte ein gowailtiger Re-
aon hernieder, ergiebig und erquicklich Am Mor-
gen waren die Verge in graue Schleier fo «ut ver-
steckt. daß nicht ein Stein von ihnen zu orblicken

Es fah aus, als soi mit der trjesendsn Wiese,
die den Hof umgibt, die Welt schon zu Ende.

Eva selbst sammelte die frisch gelegten Eier
im Hüynerstall und wusch sie fauber ab. Die Atut-
ter verpackte sie zwischen Stroh im Handkorb und
tat noch einen festen WeckLAutter dazu.

„WiM wirklich gehen, Eva?" fraate sie, „schau
wie der Äerg im Nebel hockt. Das gibt ein unout
Wandern."

«Wickellt dsr Nebel seinen Tuvm ein. so sitzt er
wenigstens oinmal gemiß darin und ich tu don
Ganq nit vergebens". sagte Eva.

Es nobelte und rieselte. braute und dampfte
äug allen Schluchten, schob sich und wallte und wan-
derto.

Evai und Peter, der den Ko.rb und eine große
Känne Milch trug, stiegen in weißen tropfenden
Schleiern über das glitschnasse Gestein. Sie sahen
ntcht weiter als den Schritt. den sie gehen inußten.

„Eine hüb'che Milchsupv". sagte Eva. „Iekt,
Bub, geh daher. Sperr dein Mauk auf und red.
Eroßmächtig mie ein Ochs ist. saqst du, dein Mond-
berr'^"

„Ach Eva. von 'venem hab ich so vermeint. Ab'r
es päsjt nit auf ihn. Lr ist anbers groß. Wio dii«

„Wie die heilige Eiche! Das ist ein ernstchäfter

Vaunr. Ist er auch ernskhaft, Peter? Dann stsig
;ch nimmer weiter. Ich hab vermeint, er sei lustig.
Ich tät gern lachen einmal."

Des HükbuLen braune Auaen qlänzten hell.

„Wenn er will, kann er luskig sein, daß einem
inwendiq das Herz vor Lachen hupft. Aber er ist
doch auf eine ernsthasre Weis lustig, Eva, es läßt
sich nit faaen. Du Nlußts halt felber sehen. Es
,st ein arotzer starkcr Ernst um ihn her. Und
Äugen >hat er .

„So, Augen hat er auch? Ich häb mir grad
eingsbildet. die Mondmenschen. die armen. läten nit
Augen haben wie unsereins". neckte Eva den
Buben.

Der ließ sich nicht beirren.

„Wart, Eva, einnial wirst auck am End sein mit
all deinom Spott. Wenn du ihn erst fiehst. Augen
mie unisoreins hat er auch nit, ste sind viel alän-
ziger und es geht so tief in ste hinuntor. Erad . .
weißt, wio das Mariente-ichlein'unter der Rot-
nadel, wo am Rande das Wasser so hellblau alitzert
und gegen dj« Mitto scheint es dunkler und duuk-
ler, und zuletzt beinah schwarz. Und sie saaen, dort
sei der Toich so tief,'daß das Wasser bis an dis
andere Seite der Welt reiche."

„Das müsseil spaßige Augen sein". fpottete Eva.
Sie sttogen hurbia und iahen den Wartturm nicht
eher, als bis sie fast aanz gegen ihn stießen.^

Dann schritten ste übsc die nebslnasse ^tein-
fchwelle Da standen sie gleich still und scchen sich
an, und es ariff Eva ans Herz wie öine stavke liobe
Hand . . die alle böse Spottlust nisderwarf.

Denn os san« im Turme.

Tief und boch sang es. jauchzend und fchluch-
zend, stürmend in Leiden'chaft. sanft wie Friedons-
glocken . . immer abec ohne Worte.

Eine Menschenstiinme war das nicht.

Eva driukte sich fest ans Eemäuer. stand lautlos.
ni t akinend fost . . nnd aebot de,n iIunqon mnt
einem Blick. Sinn und Seele lauschten.

(Fortsetzung folgl).

ßelst mistril kchMieii!

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