Becker, Robert; Bastianini, Giovanni [Editor]
Die Benivieni-Büste des Giovanni Bastianini: zur Geschichte der Fälschungen ; Vortrag im Wissenschaftlichen Verein zu Breslau — Breslau, 1889

Page: 17
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/becker1889/0023
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
17

cesco Eomolino, Bischof von Herda, zum Verhör Sa-
vonarola’s nach Florenz zogen, muss sich Gr. Benivieni
in Rom aufgehalten haben. Denn er schrieb damals
von Rom aus: „Die beiden Commissare kämen mit

dem Befehl, Savonarola hinrichten zu lassen, und
wäre er ein Johannes der Täufer.“11

Die Geschichte der italienischen Literatur nennt
G. Benivieni, wenn auch nicht unter den poetae lau-
reati, so doch, um mit Poccianti12 zu reden, unter
den Dichtern, welche „etsi lauream non susceperint,
corona tarnen digni sunt.“ Seine dichterische Fähig-
keit und Gewandtheit hat er bewiesen in zahlreichen
Dichtungen (Canzonen, Sonetten, Bauden u. s. w.)
verschiedener Art, sowie in Uebersetzungen z. B.
Davidischer Psalmen, einer Elegie des Properz, eines
Gedichts des Moschos.13

Am bekanntesten pflegt von G. Benivieni’s
Dichtungen die Canzone von der göttlichen Liebe zu
sein, welche Pico von Mirandola in drei Büchern
commentirte. Dieses tiefsinnige14, von der Glutli
einer religiösen Empfindung durchwehte Gedicht be-
schreibt, wie in Anschauung der idealen Schönheit
(der in ihn von Gott gesetzten Ideen) in d^m Geiste
des erstgeschaffenen Engels die himmlische Liebe
erwacht; wie die ideale, himmlische Venus, die selbst
von Gott herfliesst (die himmlische Schönheit) die ir-
dische hienieden von sich ausstrahlt, und dieser der
irdische Affect folgt, wie jener der himmlische; wie
diese irdische Schönheit, im Leibe aus der Seele ent-
springend, die Liebe erweckt in der verwandten, unter
gleichem Planeteneinfluss auf die Erde herabgestiege-

Becker, Die Benivieni-Büste. 2
loading ...