Becker, Robert; Bastianini, Giovanni [Editor]
Die Benivieni-Büste des Giovanni Bastianini: zur Geschichte der Fälschungen ; Vortrag im Wissenschaftlichen Verein zu Breslau — Breslau, 1889

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jedoch noch lauge nicht gesprochen. Die Florentiner
Hessen nicht auf ihre Antwort warten. Vor Allem
hüllte sich der Bildhauer Giovanni Bastianini selbst
nicht länger in Schweigen.

In einer hitzigen Zeitungspolemik platzten die
Meinungen scharf aufeinander.

Ein französischer Künstler, der Bildhauer Eugene
Louis Lequesne (geh. 1815), erbot sich in seinem
Feuereifer, dem Italiener lebenslang den Thon zu kneten,
wenn derselbe sich als Schöpfer eines solchen Meister-
werks erwiese.33 In dem Pariser Journal „Patrie“
machte er seine Argumente bekannt, welche für die
Benivieni-Büste den alten Ursprung nachweisen sollten.

Er behauptete zunächst: „Die Büste ist nach altem
Verfahren hergestellt, der Thon in eine Hohlform ge-
presst und dann überarbeitet. — Man entdeckt auf
beiden Schultern und am Nacken die Nähte der Stück-
form und in den Haaren Spuren des Fettes vom Aus-
schmieren der Form.“

Bastianini antwortete in der „Gazzetta di Firenze“:
„Die Büste ist aus freier Hand modellirt worden mit
soviel als möglich Hohlraum. — Die Maske ist nach
dem Brande abgeformt worden; daher rühren die
Nähte und das Fett.“

Dem Einwand Lequesne’s: „An einer Locke an
der linken Seite hat der Thon schlechte Bindung ge-
habt, ein Stückchen ist herabgefallen, und an dem
übrigen ist noch die Textur der Haut des Fingers zu
bemerken, der es festgedrückt hat“ stellte Bastianini
kurz die Frage entgegen : „Modellirt man nicht mit
den Fingern?“

Becker, Die Benivieni-Büste.
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