Becker, Robert; Bastianini, Giovanni [Editor]
Die Benivieni-Büste des Giovanni Bastianini: zur Geschichte der Fälschungen ; Vortrag im Wissenschaftlichen Verein zu Breslau — Breslau, 1889

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lieh genannt die Büste des Malers Gaetano Bianchi,.
der ein langjährigervertrauter FreundBastianini’s war.37
Aus Thon hergestellt giebt sie Bianchi’s Kopf vor-
trefflich wieder und zeigt unten in alterthümliehen
Buchstaben — ähnlich wie die Büsten Benivieni’s und
Savonarola’s — die Inschrift:

GAETANO. BIANCHI. PITBE. DI. ANNI. XXI.

In den Besitz dieses durch seine meisterhafte
Conservirung alter Fresken, seine Restaurationen im
Palazzo del Podestä, seine Thätigkeit an Santa Croce
in Florenz bekannten Bianchi kamen noch andere von
Bastianini geschaffene Kunstwerke, darunter z. B.
eine Thonpfeife, welche die Form einer in Florenz
gebräuchlichen Kohlenpfanne hat; vor ihr sitzt ein
nacktes Bübchen, welches in die Gluth bläst und
seine Arme ausbreitet, wie um sich zu wärmen. Eine
bemalte Thonstatuette des Giovanni della Bande Nere,
deren Basis im Besitz Bianchi’s blieb, wurde nach
Paris verkauft. Ebendahin gelangte als „altes Kunst-
werk“ eine andere Schöpfung Bastianini’s: die Sta-
tuette einer Sängerin. Diese „Florentiner Sängerin“
erscheint als reizvolles junges Mädchen, welches, an-
gethan mit einem Brokatkleide, das Spuren von Ver-
goldung und Bemalung zeigt, ein Notenblatt in den
Händen hält. Als der wirkliche Ursprung dieses
Werks in Paris bekannt wurde, erklärte der Bildhauer
Paul Dubois, seit 1878 Direktor der ecole des beaux-
arts, ganz offen, dass es ihm unbegreiflich sei, wie
ein Künstler der Gegenwart sich so sehr in den Geist
des Quattrocento einleben könne.38 Dieses Urtheil
wiegt um so schwerer, da Dubois während seines Stu-
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