Beer, Johann Christoph; Ilger, Franz Anton [Oth.]
Das Gericht der Elteren Auf dieser Welt. Das ist: Kurtze und deutliche Erklärung Der Grossen Schuldigkeit der Elteren, Welche sie haben ihre Kinder ehrlich und Christlich zu erziehen: Eingetheilet in II. Theil, Deren der I. Erweiset was die Elteren ihren Kinderen in Zeitlichem zu lehrnen schuldig, und II. Zu was sie in Geistlichem gegen selbe verbunden seyen: Um besserer Klarheit willen In etlich geistlichen Gesprächen vorgestellet Zwischen Einigen Eltern und ihrem Pfarr-Herrn — Lintz: verlegts Frantz Antoni Ilger, Buchhandler, 1751 [VD18 14845350]

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gegen ihre Rinder in Geistlichem. 8 k
so wird diese Sünd der Blut-Schand uns
ter solchen so ring begangen, als je eine
andere Sünd in der gantzen Welt, zumah-
len je die allermindiste Beschwernuß selbe
zu begehen nicht mehr haben, als welche
allein die Schamhaftigkeit seyn könte, wel-
che aber bey solchen gantz erloschen ist. O
ihr Elteren so fanget^dann jetzt an zu zeh-
len jene so schwere Sünden, welche von eu-
ren Kinderen deshalben auch in zunehmen-
den Alter also unverschämt begangen wer-
den, da selbe in solchen entsetzlichen Uneh-
ren einander lieben und zu lieben fortfah-
ren, weilen sie alle ihre Bluts-freundliche
Schamhaftigkeit in ihrer Unschuld vertil-
get, und in eine viehische Liebe veränderet
haben, wer wird beschreiben können die
Menge dieser Sünden? Ach niemand als
GOtt allein, gewißlich, weil dergleichen
arme und elende Seelen zu solchen Sün-
den weit bessere Gelegenheit haben, als
tausend andere Sünden; indeme chie be-
ständig beysammen seynd, und auch jeder-
mann ihnen trauet, so müssen sie bekennen
mit dem König David: Daß gantze Bach
der Bosheit sie überschwemmet, und selbe
über die Zahl der Haaren ihres Haupts
angewachsen seyen: So gebet dann Ae-
chenschafft ihr Elteren von so viel tausend
schweren Todt-Sunden, welche eure Kin-
der in bcmeldten Umständen heimlicher
Weiß mit einander so viele Jahr lang be-
2 geben/
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