Bertuch, Friedrich Justin; Bertuch, Carl
Bilderbuch für Kinder: enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Früchten, Mineralien ... alle nach den besten Originalen gewählt, gestochen und mit einer ... den Verstandes-Kräften eines Kindes angemessenen Erklärung begleitet (Band 10) — Weimar, 1821

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Pslanzen. CLXri. Bd. X iVo, 38.
MERKWÜRDIGE GRÄSER.

Fig. 1. Der Adlerfarren,
(Pteris Aquilina L.).
Dieses, in unsern, zumal aufgehauenen
Wäldern, und an sonnigen Stellen der Berge,
in ganz Europa nicht seltene Farrenkraut,
sällt durch seine beträchtliche GröTse bald in
die Augen, und kann vielleicht das •grölste al-
ler Teutschen Farrenkräuter genannt werden.
Auf einer dicken, schwarzgelben, und sehr
tief in die Erde eindringenden, kriechenden
Wurzel, erheben sich einzelne, ellenhohe, ja
eine Länge von fünf Fuss erreichende, harte,
gesurchte, zähe Strünke, oft von der Dicke ei-
nes kleinen Fingers, glatt, steis, von stroh-
gelber Farbe. Sie breiten sich in ein ssa-
ches I.aub aus. Der, bis anderthalb Ellen
breite Wedel, hat eine blal'rgelbgrüne Farbe;
das Laub selbst ist ziemlich steif, trocken und
hart. Längs der ganzen Einfassung der Blät-
ter biegt sich der Rand nach unten um, und
bildet dadurch einen Saum, welcher die Blü-
the verhüllt, daher der Name Pteris oder
■Saurnrarren. Unter dieser Einfassung erblickt
jtnan den Saamen, als eine Menge kleiner
Körner. In der Regel pflanzt sich dieses Far-
renkraut nicht durch denselben sort. Schnei-
det man den untern Stengel, oder auch die
Wurzel queer durch, so erblickt man zwei,
sich schlängelnd biegende Linien, welche
nicht übel den doppelten Adler, auch wohl,
je nachdem man schneidet, die Buchstaben
J. C. (Jesus Christus) darstellen; daher nicht
nur der erstere Name, sondern auch noch der

andere: Christwurzel. Es dient an manchen
Orten zur Streu, zum Ausstopsen der "Kissen,
auch wohl zur Feuerung. Wegen seiner ad-
stringirenden Krast, dient es auch zur Gär-
berei, oder, als Surrogat der ächten Farren-
krautwurzel, gegen den Bandwurm, Vorzüg-
lich wichtig ist sie zur Potaschenbereitung,
Fig. 2. Das Engelsüss.
{Polypodlum vulgare L.~).
Man nennt dieses, in ganz Europa, und
so auch Teutschland, jin bergigen Wäldern
in Felsenritzen, oder an altem Gemäuer nicht
seltene Farrenkraut, auch wildes Siiss/iolz,
Punktfarren, Baum- oder EiichernarrSt. Die
Wurzel ist von der Dicke einer Gänsespule,
knotig und' mit braunen Schuppen bedeckt.
Nach oben erheben sich aus ihr einlache,
halbrresiederte Wedel, nicht viel grösser, als
auf der Abbildung vorgestellt sind, auf einem
kurzen Stiele. Sie sind glatt, geädert und
schön grün. Die Rückseite ist mit schönen,
gelbbraunen, runden Häufchen von Saamen,
jedes ungefähr von der Grösse eines Senskor-
nes, besetzt, und diese haben keine Schleier,
sondern stehen nackt, wodurch die Gattung
Polypodium ihren Charakter erhalt. Die Saa-
roenkapsel reisst endlich in. die Queere, und
schüttet ihren zarten, nierenförmigen Saamen
aus, dessen eine Pssanze, nach Lindsay's Be-
rechnung, mehr als 60 Millionen enthal-
ten kann. Die Wurzel dieses Farrenkrautes
schmeckt heib, aber zugleich sehr süss, und
wird häusig stau des Süssholzes benutzt. —
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