Bode, Wilhelm
Kunst und Kunstgewerbe am Ende des neunzehnten Jahrhunderts — Berlin, 1901

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Ozeans ausgebildet hat, erscheint glücklich und ent-
wicklungsfähig. Auch bietet schon die beinahe
elementare Gewalt, mit der diese Bewegung sich
Bahn gebrochen und in kürzester Zeit die Leitung
errungen hat, eine gewisse Garantie für einen schliess-
lichen Erfolg. Es ist deshalb zu hoffen, dass jene Aus-
wüchse und Fehler nur Kinderkrankheiten sind, deren
Ursachen man rechtzeitig erkennt und die man da-
her glücklich überwindet. Wir werden zumal bei
uns in Deutschland den Gefahren, die der weiteren
Entfaltung unserer Kunst drohen, offen ins Auge zu
sehen und sie gründlich zu bekämpfen suchen müssen,
werden den wirklichen Talenten vor der Schar der
wilden Nachahmer wieder Geltung verschaffen, der
zunehmenden Unbildung und Anmassung in diesen
Kreisen steuern müssen und für die Bedingungen
einer gesunden Entwickelung, der jetzt noch gar zu
vieles bei uns entgegensteht, zu sorgen haben. Frei-
lich nützt die Staatshilfe für die Entwickelung der
Kunst nur wenig und durch die Art, wie sie ge-
geben wird, wirkt sie oft geradezu hemmend; hier
aber scheint sie in der That notwendig, nachdem
das Kind so lange am Gänge 1 bände geführt worden
ist. Doch darf dabei nicht wieder „konservativ" vor-
gegangen werden, sondern man muss sich entschliessen
dem Beispiel zu folgen, wie es der Grossherzog
von Hessen in weitsichtiger, wahrhaft fürstlicher
Weise gegeben hat.
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