Panofka, Theodor
Programm zum Winckelmannsfeste der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin (Band 9): Delphi und Melaine. Antikenkranz zum 9. Berliner Winckelmannsfest — Berlin, 1849

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W.

'ie in einer früheren Einladungsschrift (fürs Jahr 1846) zur Geburtsfeier des
Archegeten der Archäologie unser Wissenschaftsgenosse Ed. Gerhard auf dem
schönen, aber mifsverstandnen Bilde einer Trinkschale des Königl. Museums Delphi
als Orakelsitz der Göttin Themis nachwies: so ladet heute ein gleicher erfreu-
licher Anlafs dazu ein, auf einem andren, in künstlerischer und mythologischer Be-
deutung nicht nachstehenden Thongefäfs derselben Königl. Vasensammlung, auf
welches bereits Koryphäen unsrer Wissenschaft mit abweichenden Deutungen die
Aufmerksamkeit der Alterthumsfreunde hinlenkten, ebenfalls Delphi nachzuweisen
und zwar in den Köpfen seiner Stammdämonen und Namengeber, deren
auf Bildwerken verschiedenster Gattung wiederkehrende, obwohl bisher ungeahndete
Persönlichkeit zugleich gelegnen Stoff zu einem neuen Antikenkranz (*) darbietet,
den wir dem Andenken des unsterblichen Heros der bildlichen Alterthumskunde und
Schöpfer der alten Kunstgeschichte in dankbarer Ehrerbietung darbringen.

1. Delphi, Doppelkopf als Kantharos in gebrannter Erde.

Dies merkwürdige Candelorische Gefäfs (siehe Erläuterungstaf. No. 1.), durch
volcenter Ausgrabungen ans Licht gezogen, gegenwärtig in der Königlichen Pi-
nakothek zu München, ward zum ersten Mal in den Monuments in^dits de l'Institut
archeologique Tom. I, pl. XXXIX veröffentlicht und von unsrem pariser Freund
Ch. Lenormant in den Annales de l'Institut Vol. IV (1832), p. 311—319 mit gelehr-
tem Scharfsinn erläutert. Ihm gebührt das Verdienst, die unhellenische und vor-
zugsweise altegyptische Kopfbildung (2) richtig erkannt zu haben. Dieselbe

(1) Vgl. den ersten Antikenkranz zum fünften Berliner Winkelmannsfest geweiht von Th. Panofka. 1845.

(2) Ann. 1. c. p. 312: Pour faire d'un canthare une tete d'homme, il lui a fallu supprimer le pied da vase,
allonger en pointe la partie inferieure du visage, faire remonter les oreilles, relever l'angle interieur des
yeux pour les mettre en harmonie avee la place qu' oecupent les oreilles. Delä est resulte un type sin-
gulier, sans rapport avee les tetes helleniques, et qui se rapproche de la conformation egyptienne plus
que de toute autre. — p. 313. Ce qui nous frappe au premier abord, «'est le caractere certainement
etranger et probablement e'gyptien de cette tete. Pour convertir en conviction cette derniere probabilite,
il suffira de comparer la planche gravee avee la plus informe ou la plus delicate des sculpture3 egyptien-

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